[Tagebuchbloggen. Donnerstag 4.3.2021]

Es war eine schlechte Nacht. Kurz nach eins wurde ich wach und blieb das fast drei Stunden lang. Nach einer Stunde stand ich auf, setzte mich an den Schreibtisch und las Sachen im Netz. Ich hätte auch auf dem Telefon im Bett liegend, Sachen im Netz lesen können. Aber da werde ich nicht richtig müde. Am Telefon unter der Bettdecke verforme ich mich zu einem nervösen, zähen Pfannkuchenteig mit aufgerissenen Augen. Ich habe einmal Facebook leergelesen. Ich bin ganz unten angekommen. Der Facebookstream war zu Ende. Ich wusste nicht einmal, dass das geht.

Nach fast zwei Stunden bin ich dann merklich müde geworden. Darüber war ich so happy, dass ich sofort ins Bett sprang und einschlief.
Leider änderte es nichts daran, dass mein biologischer Wecker zur Zeit immer um 6:24 klingelt.

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Am Morgen lese ich, dass die neuen Coronamaßnahmen veröffentlicht wurden. Selten hatte ich zu so wenig eine Meinung wie zu Coronamaßnahmen. Was auch immer beschlossen wird, ich halte mich einfach daran und hoffe, dass ich einigermaßen gesund und gut gelaunt durch diese Zeit komme. Es wundert mich immer wie viel Meinung die Leute zu Inzidentswerten, zu Lockdown und zu Lockerungen haben. Wie sehr die Leute glauben zu wissen, wie eine richtige Entscheidung auszusehen hat. Selten gab es so viele Parameter aus unterschiedlichen Fachgebieten zu berücksichtigen und gleichzeitig unterschiedliche ethische Standpunkte abzuwägen um eine Entscheidung zu treffen. Das Echo da draußen klingt so als gäbe es 80 Millionen Menschen mit multpilem Fachwissen.

Ich mache kurz Twitter auf und schließe es sofort wieder.

Was mich allerdings aufregt, ist der offensichtlich fehlende Wille, die Ärmel hochzukrempeln und die zwei dringendsten Probleme anzugehen: online Schulunterricht und eine schnelle Impfkampagne.
Es erstaunt mich, wie es in den öffentlichen Organisationsstrukturen an Lust mangelt, kreativ zu sein und die Ärmel hochzukrempeln. Gerade der Schulunterricht lässt sich mit wenig Mitteln technisch lösen. Vorausgesetzt man stellt den Schülerinnen einen Laptop bereit. Schulunterricht ist nichts anderes als ein mehrstündiges Video-Meeting mit angeschalteter Kamera und einem Programm, mit dem man lesen oder schreiben kann. Dafür kann man sogar vollständig auf kostenlose Opensource Werkzeuge zurückgreifen.
Es erstaunt mich, wie schnell man dabei war, alles einfach an Eltern und Kindern überzubügeln.
Man muss es nur wollen. So etwas ärgert mich. Dabei habe ich nicht einmal Kinder.

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Eine Nebenwirkung von Astra Zeneca ist Vernichtungskopfschmerz. Vernichtungskopfschmerz. Deutsche Sprache, ey.

5 Kommentare

  1. Gerade der Schulunterricht lässt sich mit wenig Mitteln technisch lösen. Vorausgesetzt man stellt den Schülerinnen einen Laptop bereit.

    Damit ist es leider nicht getan. Gerade die ärmeren Kids haben daheim nicht unbedingt schnelle Internetanschlüsse (sondern eher ältere Smartphones mit Prepaid-Karten). Und je nachdem, in welcher Region die Schule ist und die Lehrkräfte und Kids leben, gibt es da auch nicht immer unbedingt schnelles Internet. Ärmere Kids haben auch nicht immer ein eigenes Zimmer daheim, sondern teilen sich das Zimmer mit Geschwistern (immerhin haben sie aber wahrscheinlich auch jemanden zum Spielen – das ist zumindest ein Vorteil).

    Den ganzen Tag Frontalunterricht via Webcam ist wahrscheinlich auch nicht so spannend. Hätten Sie darauf Lust gehabt in dem Alter?

  2. Aber auch das lässt sich alles lösen. Indem man die Laptops mit SIM Karten ausstattet und wenn zuhause der Lärmpegel unerträglich ist, kann man auch mal ein Klassenzimmer öffnen. Auch für Kinder deren Eltern eben nicht ohne Weiteres zuhause sein können.

    Und nein, natürlich hätte ich Frontalunterricht via Webcam gehasst. Ich habe als KInd ziemlich alles an Unterricht gehasst 🙂

    • Ich war in den vergangenen Jahren öfter einmal in Schulen, Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie arg es dort um IT-Infrastruktur mitunter bestellt ist. Hauptamtliche Administratoren sucht man dort in der Regel auch vergebens. Die Recher der Schulverwaltung werden von der zuständigen Behörde mitbetreut, um die Rechner der Schule kümmert sich dann häufig irgendein Lehrer nebenbei.

      In Berlin fand man doch vor ein paar Jahren auch einmal in einem Keller einen riesigen Haufen nie benutzter Rechner, die eigentlich mal für Schulen gedacht waren, aber nie in Betrieb genommen wurden, weil es niemanden gab, der das Betriebssystem installiert und die Netzwerke eingerichtet hätte.

      Und dann wäre da noch das: Schulclouds am Kollaps

      • Schlimm. Diese Wurschtigkeit, diese Lustlosigkeit.
        Oder auch: Lehrer, die keine Emailadresse haben.

        • Die Schulen bekommen bislang keine Admin-Stellen und auch kein Budget (geschweige denn ein ordentliches Budget) für die nötigen Ressourcen. Deshalb lache ich mittlerweile wie eine Hyäne, wenn von Digitalisierung der Schule gesprochen wird. Die quatschen immer nur von Hardware, aber nicht von dem, was sonst noch nötig ist. Und wie gesagt, es gibt Landstriche in Deutschland, da ist nix mit schnellem Internet.

          Selbst wenn jetzt die Bundes- oder jeweilige Landesregierung sagen würde, wir hauen dafür Geld raus, damit ein Anbieter Netze zieht – es gibt gar nicht genügend Tiefbaukapazitäten. Die schicke Idee, dafür das Erdungskabel der Hochspannungsmasten zu nehmen, hat sich bislang noch nicht durchgesetzt (es gibt ein Unternehmen, das das regional nutzen will). Auch da muss man aber vom jeweiligen Endmast noch irgendwie zu den Nutzern kommen.

          Ein Unternehmen aus den Niederlanden bietet an, Glasfaserkabel nur 30 Zentimeter tief zu verlegen, also dafür nur einen Schlitz am Straßenrand zu fräsen. Die Telekom hat das auch mal als Modellversuch gemacht. Problem: Wer haftet, wenn dann doch mal andere Bauarbeiten nötig sind (Radweg, Gehweg, querende Rohrleitungen, whatever) und dabei dann das Kabel beschädigt wird?

          Es gibt viele Lehrkräfte, die sehr engagiert sind. Sich selbst privat weiterbilden und viel Zeit reinstecken, die sie nicht bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen bekommen (bzw. ein reduziertes Lehrdeputat). Die große Mehrheit hat im Lehramtsstudium keine Medienpädagogik erlernt. Die schlaueren Schulen holen sich Präventionsexperten von außen (etwa zu Cybermobbing oder Hate Speech), aber das geht halt auch nur bedingt (Zeit und Ressourcen).

          Dass Lehrkräfte keine Mailadresse angeben, könnte auch ein Selbstschutz vor hohldrehenden Helikoptereltern sein. 😉

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