[Donnerstag, 5.8.2021 – Quatschen am Platz, Deutschland]

Nach der Arbeit bin ich mit Klaus am Arkonaplatz verabredet. Wir reden über Deutschland. Es ist nicht das erste Mal, dass wir über Deutschland reden. Und wir reden über Textarbeit. Er arbeitet gerade an einem Veröffentlichungsprojekt. So nenne ich das jetzt mal. Uns beide beschäftigt die Änderungen in der Medienwelt. Der Nieder
gang der Zeitungen. Auch der vermutlich voranstehende Niedergang der klassischen Buchverlage, alternative Vertriebs- und Veröffentlichungskanäle. Sicherlich gibt es schon viele Menschen, die hier mit Pionierarbeit sehr weit vorangekommen sind, richtig, erfolgreiche Alternativen gibt es in meinen Augen aber noch nicht. Manchmal denke ich, man sollte einfach Texte aus der Schublade nehmen, sie in gute Form bringen und auf Amazon publizieren. Dann einfach mal sehen, was passiert.
Aber ein schönes Buch basteln ist halt auch eine sehr feine Sache und da man an Geschichten vermutlich eh nie Geld verdienen wird, ist ein schönes Buch eben, nunja, eine sehr feine Sache.

Nach etlichen Stunden stehen wir auf und machen eine Runde um den Platz und entfernen ein paar Köpenick-Sticker. Der Arkonaplatz ist schließlich Herthas Geburtsort. Wir halten den Kiez für Sie sauber.

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Als ich nach Hause komme, muss ich wiedermal das Auto umstellen, da morgen im Haus gegenüber jemand umzieht und daher ein ganzer Bereich als Parkverbot markiert wurde. Um 22 Uhr abends einen neuen Parkplatz zu finden ist ein Unterfangen mit mäßig gutem Auskommen. Nach längerem Herumirren durch den Kiez, parke ich einfach halb in einer Einfahrt des Nachbarhauses. Die Lücke ist dort etwas großer. Wenn ich mich ganz nahe an einem der parkenden Autos heranstelle, dann kommen wenigstens die Müllfrauen daran vorbei. Wir wissen ja alle, dass die Verbotsschilder keine richtigen Einfahrten sind, aber es gibt immer irgendwelche Nachbarn mit gesetzlicher Genauigkeit, die wegen einer solchen Ordnungswidrigkeit die Ordnungskräfte rufen. Es kommt selten vor, vor allem in unserem Bezirk, aber diese Leute tauchen immer wieder mal auf. Und je deutscher Berlin wird, desto schlimmer wird es.
Auch so ein Thema worüber wir am Arkonaplatz redeten. Früher hatte ich immer die Hoffnung, dass Deutschland ein bisschen mehr Berlin wird. Die Entwicklung drehte sich leider um. Berlin wurde ein bisschen mehr Deutschland. Ich hätte nie gedacht, dass ich Nostalgiker werde.

Da ich sitzend nicht so gut sehen konnte, wie nah ich an das andere Auto heranfahre, stieg ich aus und schob das Auto auf einen Millimeter an das andere Auto heran. Die Fahrerin des anderen Autos wird sich morgen eventuell nicht freuen. Vielleicht fährt sie das Auto aber auch nur einmal im Monat und sie wird es nicht merken. Wie der Rest der Strasse eigentlich auch.

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