[Freitag, 13.8.2021 – Wahlwerbung, Hausbesetzergeschichte]

Heute war ich ungemein produktiv. Ich hatte lediglich ein einziges reguläres Meeting und konnte mich den Rest des Tages auf mehrere Themen fokussieren. Um 16 Uhr liess ich dann den Hammer fallen und sprach mit meiner Frau ab, dass sie mir zu Fuss entgegenkäme, damit wir dann ein Stück zusammen wieder nach Hause spazieren können. Das machen wir öfter. Das taten wir dann genau so.

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Auf dem Weg nach Hause stiessen wir auf eine Gruppe von Frauen, die vor dem Supermarkt Dinge machten. Sie hatten Zettel, Schleifen, und Aufsteller. Wir liefen vermutlich sehr langsam und auffallend neugierig blickend an ihnen vorbei. Sie machten Sachen am Boden bzw verschoben Gegenstände. So kommt es mir in der Erinnerung vor.
Dann stand eine der Frauen auf, kam auf uns zu und drückte meiner Frau eine Broschüre in die Hand. Darauf war eine lächelnde Frau abgebildet. Es war Wahlwerbung für die SPD. Die Frau sagte etwas zu uns und nannte einen Namen. Während sie den Namen nannte zeigte sie auf eine auffällig gekleidete Frau unter den anderen Frauen. Jene Frau strahlte uns an. Sie stand inmitten der anderen Frauen. Alle wirkten stolz auf sie. Es schien, als wäre ein Vorhang aufgegangen. Es war die Frau auf der Broschüre.

Warum schreibe ich das auf? Es kommt mir in meiner Erinnerung seltsam irreal vor. Wie eine Marienerscheinung.
Aber nix gegen die SPD.

Ich hätte gerne gesagt, dass ich kein deutscher Staatsbürger bin und deswegen nicht wählen darf. Aber so destruktiv wollte ich nicht sein.

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Am Abend fing ich dann wieder an, mich einer alten Hausbesetzergeschichte zu widmen. Die Geschichte erschien ursprünglich 2004 hier im Blog. Der Text ist autobiografisch und handelt von der Besetzung eines alten Hauses in der Utrechter Innenstadt. Den Text hatte ich damals eher hingerotzt, weil ich dachte, es sei eine schnell erzählte Geschichte, die ich mal eben an einem Abend runterschreiben kann, ich merkte aber bald, dass ich viele Details zu erzählen begann und ich die Geschichte letztendlich als eine Vierteiler veröffentlichte. Ein hingerotzter Vierteiler. Hingerotzt, weil er eher der schnellen Unterhaltung diente. Nach der Veröffentlichung im Blog nahm ich mir vor, den Text mal zu überarbeiten, weil der Text durchaus unterhaltsam und er ein ziemlich detailiertes Zeitdokument ist. Ausserdem ist es auch einfach eine gute Geschichte. Aber so wie sie im Blog stand, konnte man sie nicht stehenlassen, ungeschliffen und voller Fehler.

Erst in 2012 oder 2013 nahm ich die Arbeit an dem Text auf und es entstand eine fast hundertseitige Novelle. Mein Problem mit dem Text war immer, dass ich das Hingerotzte nie aus dem Text bekam, so liess ich ihn wieder liegen, allerdings mit dem festen Vorsatz, ihn irgendwann weiter zu bearbeiten.
Das tat ich dann erst wieder Anfang 2020, noch vor Corona, dort begann ich an einer größeren Überarbeitung und gab ihn zwei Personen zum ersten Gegenlesen. Die Rückmeldungen waren sehr hilfreich, aber immer wenn ich drüberschaute, merke ich dem Text die Rotzigkeit auf die der Text basiert, noch an. Und es ist keine gute Rotzigkeit, es ist eher eine ungekonnte Schlampigkeit, die mich unter der Textoberfläche hervorgrinst.

Ich fing jedenfalls wieder an, an dem Text zu arbeiten. Vermutlich werde ich ihn am Ende auf eine Ebook Plattform hochladen. Leserinnen dieses Blogs bekommen ihn natürlich umsonst.

2 Kommentare

  1. Als Sie mal erwaehnt hatten, das der Blog hier quasi als Text Datei begonnen hat und wie das am Anfang so war, hatte ich mir die frueheren Jaher kurz angesehen (meisstens sind das ja jetzt Eintraege wo inzwischen das Foto fehlt etc oder zumindest damals war das so) und den langen Text ueber die Zeit in Holland fand ich schon damals toll. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich Texte ueber extreme Wetterlagen aus irgendwelchen Gruenden liebe, zB die Beschreibung des Eiswinters in Orlando oder Regen von Karen Duve.

    • Mir fällt es ja sehr schwer, die alten Einträge hier zu lesen, aber das ist natürlich persönlich. Müsste ich mal psychologisch analysieren. Manchmal lösche ich auch, wenn ich in den Archiven suche.

      Aber ja: Wetter. Immer und unbedingt. Der Regenroman steht auch noch auf meiner Liste. Danke für die Erinnerung.

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