Von Blankenese bis…
Ich habe wirklich fast nichts gegen Blankenese. Es ist ja wirklich schön da draussen, fast an der Hamburger Stadtgrenze, weitab von den sündigen Vierteln und kriminellen Schmelzpunkten. Da würde man Kinder grossziehen wollen, und bekäme es vielleicht noch hin, sie vor Drogen und Heidentum zu bewahren. Es gibt nur eine Sache die ich an Bankenese hasse, und das sind nicht die ganzen Reichen, wie jetzt so mancher denken wird, nein, weil Reiche gibt es da draussen gar nicht in übertriebenem Masse, nein in Blankenese wohnen entgegen der gängigen Meinung, eigentlich ganz normale Leute, alte Fischersfamilien halt, die schon seit hunderten von Jahren im pittoresken Treppenviertel wohnen, wie die Schlümpfe in Schlumphausen, weil, wie Sclumphausen sieht es dort ja ein wenig aus, schlimm sind nur die Leute die ganz oben am Elbhang wohnen, in den Villen die man von der Ferne schon sieht, die Häuser da oben, die alle etwas zu gross geraten scheinen, die Leute die alle etwas zu gross geraten scheinen, weil man sie nur aus der Ferne sieht. Nein das ist es nicht. Was mich Blankenese abgrundtief hassen lässt, ist die Tatsache, dass jedesmal wenn ich das Wort Blankenese höre, lese, denke, sage oder rieche, ich einen Ohrwurm bekomme. Wenn ich am Hauptbahnhof stehe und die S1 nach Blankenese sehe, dann stimmt mein Ohrwurmorgan ein:
Denn nun geht sie los uns’re Polonaise
Von Blankenese bis hinter Wuppertal
Dass die Dame des Hauses aus Blankenese kommt, macht die ganze Sache nicht besser. Mittlerweile weiss sie dieses Problem aber ganz gut zu umgehen, wenn sie zB sagt “ich gehe zum Arzt” oder “ich gehe zu meiner früheren Bücherhalle”. Da darf ich nur nicht fragen “nach Blankenese?”, weil dann sind all ihre Bemühungen umsonst gewesen.
Mittlerweile ist es sogar schon so schlimm geworden, dass ich schon bloss beim Wort “Spaghetti a la Bolognese” an Polonaise, und damit Blankenese denken muss und prompt düdelt der Ohrwurm wieder in meinem Kopf herum.
Wirklich sicher bin ich nur bei Mami. Weil die kennt weder Blankenese, noch nennt man bei uns in den italienischen Alpen Spaghetti Bolognese als solche, sondern schlichtweg “Pasta mit Ragu”.
Was ich eigentlich aber sagen wollte, ist, dass ich gesternnacht in Blankenese war, weil in Hamburg zu Ostern an der Elbküste grosse Feuer entfacht werden. Gerne hätte ich solch mystische Erlebnisse wie des Herrn Kid gehabt, stattdessen ärgerte ich mich zwischen Massen von betrunkenen und fröhlichen Menschen herum, während ich in meinem Kopf, Schulter an Schulter, hintereinander, hinter einem doofen Kerl mit einem Plastikhähnchen in der Aktentasche, durchs Studio marschierte. … bis hinter Wuppertal.
(Aber jetzt erstmal schnell los zum Osteressen)

kid37 schrieb:
Ihre Schmerzen sind meine Schmerzen. Als alter Wuppertaler.
| 27. March 2005 — 23:22 | Permalink |
mequito schrieb:
Bei Ihnen weckt das mindestens Heimweh. Wobei wir wirklich allemal nach Wuppertal ziehen sollten. Stadt der Revolution, Sie wissen schon…
| 28. March 2005 — 12:39 | Permalink |
kid37 schrieb:
Yep. Engels und New-Wave-Explosion. Ich immer dabei ;-)
| 29. March 2005 — 02:36 | Permalink |