Brandenburgertor
Auch ich habe jetzt das Brandenburger Tor gesehen. Hier der Beweis:


Die Geschwister 0815 im Dienste Ihrer Majestät.
Es hat sich viel geändert in Berlin, vor allem um den Helmholtzplatz herum. Damals gab es direkt am Platz noch keine einzige Kneipe, wobei es jetzt dem Hamburger Schulterblatt zu ähneln beginnt. Von der Betriebigkeit her. Ganz so schlimm, dass das Gefühl aufkommen könnte, man wäre nicht cool genug, war es zwar nicht, aber man hat schon ein ganz anderes Gefühl wenn man heutzutage dort vorbeispaziert. Ich kam mir richtig alt vor. Obwohl es die ganz normale Entwicklung ines sogenannten “coolen” Viertels ist, wie man es in vielen Städten sieht. Es wundert mich immer, dass die Coolness, welche die Leute dort an den Tischen verbreiten, auf ein Lebensgefühl basiert, das den Grossteil der dort Anwesenden verschrecken würde.
Dass die Schliemannkneipe in Schliemanncafe umbenannt wurde, trifft wohl den Zeitgeist.
Aber was soll es, mir gefiel es auch gut so.
Zu meiner Überrasschung wurde ich in einem noch ziemlich authentischen besetzten Haus in Mitte untergebracht. “Besetzt” ist natürlich das falsche Wort, weil es seit der Leipziger Linie keine neuen besetzten Häuser mehr gibt, aber es war eben ein Haus wie ich es noch kenne. Zwar legalisiert, aber Stahltüren, improvisierte Badezimmer und Küchen, grosse “unoptimierte” Wohnflächen, schrille Farben, bröckelnder Putz. Ich wurde in meinem schwarzen Anzug gar nicht argwöhnisch begutachtet, sondern gleich freundlich begrüsst. Und eigentlich fand ich es wieder äusserst schön, nach einer Lagerfeuerparty auf der Baulücke nebenan, in einem schmuddelig, jedoch geschmackvoll hergerichteten Gästezimmer auf einem hohen Podest, neben antiken und authentischen Kohleofen zu schlafen, wo man die Spuren der vorigen Gäste noch deutlich sehen konnte.
Schlafsack drüber und einschlafen. Am offenen Doppelfenster. Ich pennte wie ein Stein.
Sonst viel gelaufen, in wunderbarer Begleitung meiner Schwester, der Dame des Hauses und zwei weiterer jungen Wiener Damen. Tausende Kilometer müssen das gewesen sein, so fühlen sich jedenfalls meine Blasen an, und heiss ist es gewesen, wie an einem Sommertag.
Ich hätte noch lange bleiben können.

brittbee schrieb:
Deine Berlin-Geschichte war so toll. Ich kam zur gleichen Zeit in die Stadt, nach Krach mit der Mutter und einem Rucksack, ohne Kohle. Plötzlich fielen mir wieder die Tankstelle, die Gerüche, die Wohnungen ein. Du hast Erinnerungen geweckt, die futsch waren. Danke-B.
| 19. April 2005 — 15:34 | Permalink |
mequito schrieb:
Freut mich sehr, Erinnerungen geweckt zu haben. Die Gerüche! Stimmt, die Gerüche! Es roch damals ganz anders in Berlin. Nach Maschinenöl, Staub, Rosen und Rost. Das ist weg.
Du kennst die Tankstelle? Gibt es die noch? Bis dahin hab ich es nicht geschafft.
| 19. April 2005 — 18:36 | Permalink |
kid37 schrieb:
Ah, alle Macht der Super8. Sie machen eine optimale Figur. Alle beide.
| 20. April 2005 — 08:06 | Permalink |
brittbee schrieb:
Die Tanke gibtŽs noch. Leider ist sie ziemlich aufpoliert, wie so vieles, was vorher schön rostig war. Berlin ist für mich wie ein langjähriger Liebhaber, den man immer noch liebt, auch wenn er jetzt nicht mehr so schön ist (und ‘nen Bauch hat). Verlassen geht trotzdem nicht.
Kennst Du noch die Volksküche in der Brunnenstraße 101? Die im Keller? War legendär. In dem Haus habe ich gewohnt, sozusagen,ähm, mietfrei. Gute alte Zeiten…
Adé von der Spree-B
| 21. April 2005 — 13:29 | Permalink |