die evangelische Kirche

Ich gebe ich zu, dass ich nicht das frömmste aller Menschenkinder bin, um nicht zu sagen, dass ich eigentlich wöchentlich beichten müsste um meine Sündenlast bis zu meinem Tode halbwegs abtragen zu können, (Meine Tante hat einmal gesagt, dass nach dem Tod Fälle wie mich von Engeln kurz über die Hölle geschleppt würden und dann je nach Lust und Laune fallen gelassen oder in ein hundertjähriges Fegefeuer weiterbefördert würden, seitdem arbeite ich daran um mir diese Willkür Dritter zu ersparen. Ich war damals sechs und man hat gesagt mein Sündenberg sei gewaltig) aber mein kleines fürchtendes Katholikenherz erschrickt sich in diesen norddeutschen evangelischen Kirchen immer zu Tode, vielleicht auch weil mich beim Betreten dieser abtrünnigen Gotteshäuser von vorne herein schon immer das schlechte Gewissen begleitet und sich der strenge Blick Gottes in meinen Nacken bohrt. Vielleicht habe ich mir Vorgestern auch deshalb eine gehörige Portion Mut angetrunken bevor ich in die Kreuzkirche verschleppt wurde, um eben vor jeglichem unerwarteten Entsetzen gewappnet zu sein. Aber es half nicht viel als ich in der Holzbank sass, mich leise und andächtig vom Nebel des vielen Weines durch den Rosenkranz hindurchbetete, wobei mich ein gelegentlicher Schluckauf plagte, und ich bei jeglichem Gedanken an die vorhergehende sündige Nacht zwischen gierigen und feuchten Schenkeln, mich dauernd ins linke Bein zwicken musste um meine Gedanken nicht vom Gebet abschweifen zu lassen, als dann der Pfarrer von hinten nach vorne lief, sich umdrehte und… ich nur noch eines sah, dass der Pfarrer Titten hatte.

Es trifft mich immer unvorbereitet.

(Abgelegt unter: Der lange Leidensweg eines heiligen Kuhhirten)

Kommentare (5) zu “die evangelische Kirche”

  1. eine pfarrerin möglicherweise?
    eine solche hat mir in aller gründlichkeit den zugang zur kirche verdorben.
    inzwischen altersmilde geworden kann ich ihr nur dankbar sein…

  2. Auch Sie sind also traumatisiert. Die drei Zentner schwere Klosterfrau die das Amt meiner Matheleherin inne hatte, lässt mich heute noch beim Ablick von Gleichungen und Wurzeln Alpträume bekommen.

  3. Der Norden, seien wir ehrlich, ist nichts für Menschen aus dem Süden, ganz gleich, ob sie nun Katholiken, Juden, Atheisten oder sonstwie Bayern in den Grenzen von 976 (Venetien ist unser!) sind.

  4. In meinem Fall geht das schon. Ich bin ja zu missionarischen Zwecken hier.

  5. BENEDIKT und EDI gegen MTV

    Hier das -eidesstaatlich versicherte- Wahre Wort :

    http://chartaland.de

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