und Hamburg lächelte

Immer von der allerschönsten Hinterseite, zeigt sich Hamburg, wenn Wiener Besuch in der Stadt ist. Und schon wieder hiess es “Ach, wie freundlich, diese Hamburger, alle so nett und zuvorkommend“. Als wir den Bürgersteig blockierten und ich in Schneckentempo vom Charme der Wiener Unfreundlichkeit referierte, die Passantin freundlich fragte, ob sie mal vorbei dürfe, und im Vorbeigehen, sich umdrehte, lächelte und ein gehauchtes “Dankeschön” von ihren Lippen kam. Die Besucher aus Wien waren zutiefst gerührt.

Die Fahrradfrau sang es regelrecht, ihr “Darf ich mal“, die Autofahrer, hielten lächelnd (wir blockierten ziemlich oft und ziemlich viele Wege) und niemand hupte, sogar die Kassiererin im Lidl, mit ihrem Schild an der Brust (Es bedient sie freundlich…) hatte zur Abwechslung strahlende Augen. Schließlich war Besuch aus Wien in der Stadt. Selbst die Sonne lachte ein paar mal zwischen finsteren und wasserschleudernden Wolken hervor. Aber man sei nicht enttäuscht über die Pfützen die sich vom Himmel entleerten, so versicherte man mir, es passe schließlich zu dieser Stadt und sie seien ja alle so freundlich hier.

Als wir allerdings im Hatari sassen, wurden die Wiener etwas argwöhnisch. Nicht weil wir nicht sofort einen Tisch bekamen, sondern eher, weil der Kellner sichtlich betroffen davon war, uns nun keinen Platz anbieten zu können. Obwohl es keinerlei Grund gab uns bevorzugt zu behandeln, da wir weder reserviert hatten, noch sonstwie mit einer Limousine vorgefahren waren. Er brachte zum Trost eine Runde Obstler aufs Haus, und als wir zwei Sekunden später, hastig den Obstler in die Kehle kippend zu einen Tisch geführt wurden, die andere Kellnerin uns gleich noch eine Runde Obstler brachte. Und als sie schließlich fünfzehn Minuten später wieder vorbeikam, sich im allerfreundlichsten Ton entschuldigte, dass es etwas länger dauere, da der Teig zur Neige gegangen sei, wir dafür aber frischeren als frischen Flammkuchen bekämen, sagte sie abschließend: “Eine Runde Obstler?“.
Der Obstler brodelte, im Bauch und im Kopf.
Nach dem Essen, das soundsovielte Bier noch voll, stand die Kellnerin wieder am Tisch und fragte, freundlich, ob wir noch einen Wunsch hätten. Nein, versicherten wir ihr, alles Bestens, sie nickte, machte im Weggehen jedoch halt und drehte sich um: “Obstler?“. Eifriges Nicken kam als Antwort.
Der Obstler gährte, im Bauch und im Kopf.
Nachher kam die einfachso Runde Obstler aufs Haus, und Runden machte der Obstler jetzt auch im Bauch, und vor allem im Kopf.
Und als wieder eine Runde Obstler kam, die kam, weil ich aus Spass, oder weil ich nicht mehr wusste was ich der Kellnerin sonst so sagen sollte, der einfachheit wegen einfach Obstler sagte, worauf sie lächelnd antwortete “OK, geht aufs Haus“, war der Punkt erreicht, an dem die Wiener ihrem Argwohn Luft machen mussten:
Gib es zu, Du hast die Hamburger zu freundlichkeit bestochen“.
Ich wusste es in jenem Moment auch nicht mehr, meinte mich aber zu erinnern, dass dem nicht so war.
Und wir stiessen auf die Freundlichkeit der Hamburger an.

8 Comments

  1. Sonnenlieder haben, wenn ich sie singe, die selbe Wirkung wie ein wilder Regentanz. Bei Ihnen hat es merkwürdigerweise funktioniert. Der Himmel muss Ihnen wohlgesonnen sein.

  2. Jajaja!!! Genau so sind sie, die Krabbenschubser von der Waterkant! Wir Nordlichter sind halt einfach nette Menschen. Einer meiner am häufigsten gesprochenen Sätze: „Alle so nett hier”.

  3. Bei meinem ersten Besuch stolperte ich auf der Poststrasse, jemand reichte mir lachend den Arm. Ich nieste, und jemand auf von der anderen Strassenseite wünschte mir Gesundheit herüber. Wenn ich mich verfuhr, warteten die anderen Autofahrer geduldig, bis ich Spuren gewechselt oder gewendet hatte. Dem kann man sich nicht entziehen. Ich meine fast, selber auch ein bisschen netter geworden zu sein, hier.

  4. doris

    die hamburgerische freundlichkeit tut total gut!

    deswegen hier ein aufruf an alle hamburger:
    kommt bitte zahlreich nach wien und lehrt den wienern …
    die freundlichkeit!

    ps: hab ich schon erwähnt, dass am letzten tag in hamburg, um fünf uhr in der früh, als ich noch verschlafen die haustüre öffnete und den koffer rausrollte, ein unbekannter fescher junger mann des weges kam und freundlich grüßte: “Guten Morgen.”

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