[Montag, 29.11.2021 – hängende Krabbenaugen]

Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Und gegen Abend hin endete er auch wieder gut. Aber zwischendrin hing er eine ganze Weile ordentlich durch.

Heute wurde Pal Dardai als Cheftrainer bei Hertha entlassen. Ja, Pal hatte keine gute Zeit mehr. Man sah es ihm schon länger an. Während der Spiele stand er nicht mehr an der Seitenlinie sondern sass nur noch teilnahmslos auf seiner Bank oder entspannt und gut gelaunt, wie wenn man den Eisbären im Zoo beim Spielen zusieht.

Es würde nicht mehr lange gehen mit Pal. Inzwischen hangelt der Club wieder von Pleite zu Pleite, späte Gegentore in der siebten Minute der Nachspielzeit, die vielen verpufften Millionen, die man nicht auf den Rasen gekriegt hat, und überhaupt, dieser unsympathische Investor, dann im Osten der Kultclub, der wiederum mit der Hälfte des Budgets haufenweise Siege einfährt, alle lachen über uns, bei uns will niemand mehr ins Stadion, gerade einmal 15000 waren am letzten Samstag da, nunja, wir haben uns in der Pandemie immer anders verhalten als unser Nachbarclub, aber die Dinge werden nicht besser.

Also ja, mit Pal würde es nicht weitergehen. Warum auch immer wir da gelandet sind. Es war ein bisschen überraschend, dass es gerade heute passierte. Dann denkst du dir, die wissen schon, was sie tun, wenn sie die Reissleine ziehen und Herthalegende Pal gehen muss. Dann haben sie sicherlich eine Lösung, die dem eingeschlafenen Zustand unter Pal, neues Leben einhaucht. Und dann kommt: Korkut.

Bei Telegram gibt es viele Sticker, mit denen man hängende Schultern oder hängende Köpfe symbolisieren kann. Einer meiner Lieblingssticker ist “Grab this Crab“. Eine kleine Krabbe, die Dinge tut. Eines seiner Dinge ist: auf dem Boden liegen, kurz aufschauen und dann alles wieder fallen lassen. Das macht er mit seinen runden Krabbenaugen. Diese Kraftlosigkeit mit der er seine Krabbenaugen fallen lässt. So war mein Montag 29. November 2021.

Und alle 5 Minuten fühlte ich mich so:

[Sonntag, 28.11.2021 – Eislandschaften, das Steuernmachen]

Heute maß es -1 Grad. Ausserdem ist erster Advent. Was noch mehr? Heute probierte ich Schlafhypnose-Stimmen. Das war morgens, ich wollte noch ein wenig dösen. Meine Frau spielte mir eine Audiodatei, mit dem Titel “Igloos and the North Pole” vor, eine Frauenstimme, die von Eislandschaften redete. Ich kann mich nur noch an einen Wind erinnern und dann eine Frauenstimme, die von einem weichen Bett im Schnee sprach. Über mir ein Himmel. Dann war ich weg. Natürlich würde ich in einem wirklichen Schneebett frieren. Allerdings soll es kurz vor dem Kältetod auch zu einer wohligen Wärme kommen, sagt man. Innen wie aussen, und überhaupt.

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Heute beendeten wir auch die Steuern. “Die Steuern machen”. Das ist ein ähnliches Sprachbild wie “Homeoffice machen”. Mein amerikanischer Mitarbeiter wunderte sich neulich darüber, dass man auf deutsch Homeoffice macht, anstatt zu sagen “I am working from home” oder “I am working from my homeoffice”. Die ganze internationale Community in Berlin sagt mittlerweile: I am doing Homeoffice.

Mit “Steuern machen” ist bei uns nur gemeint, die Unterlagen für die Steuerberaterin zusammenzusuchen und vorsortieren. Wir hassen das beide so sehr. Es dauert bei uns immer Monate.

Als die Mail an die Steuerberaterin raus ging und wir den dicken Brief mit den analogen Papieren zuklebten, bestellten wir uns eine Pizza. Es ist Steuertag. Das feierten wir auch letztes Jahr schon mit Pizza. Es ist der Anfang einer Tradition.

[Samstag, 27.11.2021 – paar Gedanken zu Winter, Licht und Europa]

Unsere Nachbarn sind heute für drei Monate zu ihren Familien nach Indien verreist. Das machten sie letzten Winter auch. Die Frau hat ein bisschen Angst vor der dunklen Jahreszeit.
Vorher wohnten sie zwei Jahre in Paris, jetzt zwei Jahre in Berlin. Eigentlich wollten sie bleiben. Diese dunklen Winter in Europa fänden sie aber sehr einschüchternd.

Ich habe erst vor einigen Jahren begriffen, wie weit oben auf der Erdkugel sich Europa befindet. Vergleicht man es mit den USA, dann befindet sich New York C ungefähr auf der Höhe von Madrid. Ein Bekannter von mir wohnt in der Nähe von Montreal in Quebec, da sind die Sommer eher kurz und er hat bis in den Mai hinein Schneehaufen vor seiner Haustür. Zieht man eine Linie von seiner Stadt bis nach Europa, landen wir etwas nördlich von Bordeaux. Zieht man von Berlin eine Linie gegen Westen, landet man in Zentralkanada bei einem Naturpark für Eisbären. Genau. Eisbären.

Meine indische Kollegin zog letztes Jahr im November nach Berlin. Als sie noch in Indien lebte erzählte ich ihr von den großen Lichtunterschieden im Winter und im Sommer. Sie freute sich vor allem auf die langen Sommertage. Bei ihr zuhause ging die Sonne immer zwischen 6 und 7 unter. Jeden Tag. Das ganze Jahr.

Im Winter sehe ich hier manchmal den Tag nicht. Wenn ich nach Hause fahre, ist die Sonne schon lange untergegangen. Glücklicherweise fahre ich morgens meist spät ins Büro. Die Fahrt ins Büro ist im Dezember meine tägliche Ration Licht. Falls ich in der Mittagspause spazieren gehe, verzieht sich das Tageslicht schon in Richtung Abend.

Vor einigen Jahren schrieb mich eine frühere Bekannte aus Madrid an. Sie würde für ein Jahr nach Köln ziehen, sie wollte wissen, auf was sie sich vorbereiten müsse. Dicke Pullover? Wie viele Lagen? Welche Jacken? Und Schuhe? Das war ein lustiges Gespräch. Es wurde ein sehr milder Winter. Dieses Schreckensgespenst.

Ich habe mich jetzt auf den Winter eingestellt. Das beginnt meistens Anfang November. Oft durch die Zeitumstellung. Auch wenn Licht und Wärme eine feine Sache sind, kann ich dem Winter als dem Gegenentwurf dazu, viel Freude abgewinnen. Schlimm finde ich nur März und April. Diese Zwischenzeit, in der es nicht mehr Winter ist, man aber noch wie im Winter lebt. Diese zwei langen, grauen Monate bis das Land wieder auftaut.

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Und die Pandemie wirft eine neue Welle auf. Ich stelle mich auf einen neuen Coronawinter ein. Coronawinter fühlt sich wie ein langes Weihnachten an.

[Freitag, 26.11.2021 – Bloggeburtstag, Blog volljährig]

Das Blog ist in diesem Monat 18 Jahre alt geworden.

Bereits im März jenes Jahres 2003 begann ich Tagebuchnotizen auf meine Webseite zu schreiben. In HTML. Jeden Tag ein paar Zeilen. Ich wohnte damals in Madrid, die Domain hiess antarctica.dhs.org. Eislandschaften verfolgen mich offenbar schon seit langem.

Ich suchte dann nach einer richtigen Domain, die DHS-Subdomain fand ich doch etwas amateuristisch. Da mich alle Menschen Mek nannten und ich in Spanien wohnte und immer schon eine Vorliebe für schlechte Wortspiele hatte, besorgte ich mir mequito.org.
Seitdem schreibe ich. Früher viel, dann ein paar Jahre etwas weniger, dazwischen immer wieder ein paar mehrwöchige Tagebuchwellen, aber immer wenigstens einen Eintrag pro Monat, seit Februar diesen Jahres schreibe ich wieder Tagebuch, Tag für Tag, zehn Monate, das war so eigentlich nicht gedacht, aber der Flow hält an.

Es gibt wenige Konstanten in meinem Leben. Die längste Konstante ist mein Blog. Ein sehr larmoyantes Grabsteinzitat, muss ich zugeben.

Im Sommer dieses Jahres überlegte ich, die Volljährigkeit meines Blogs zu feiern. Vielleicht sogar mit Freundinnen und vielleicht sogar öffentlich, mit einer Bloglesung, warum nicht, wie früher in den Nullerjahren. Bloglesungen waren immer großer Spass, es fühlte sich avantgardistisch an, dieses Geschichtenschreiben im Netz, dann diese Geschichten aus dem Netz zu holen und sie auf eine Bühne zu stellen. Dann Bier und Wein. Ein Brutkasten der Literatur. Einige sind ja richtig berühmt geworden.

Aber mir war schon bewusst, dass wir im November noch nicht hemmungslos feiern werden können. Immerhin gibt es noch weitere möglichen Jubileen, zB. das Zwanzigjährige, oder das Dreissigjährige. Die Pandemie geht sicherlich irgendwann vorbei. Haha.

[Donnerstag, 25.11.2021 – Frisur, Impfung, Stalinallee]

Am Morgen ging ich mir die Haare schneiden lassen. Die Frisörin war neu, und sehr jung, anfang zwanzig vielleicht. Auch sie war sehr nett, wie alle ihre Kolleginnen im Salon, wir plauderten ein wenig, über Corona, wie es in unseren Familien und im Freundeskreis gegangen sei, irgendwann fragte ich sie beiläufig ob sie geimpft sei. Eine Frage, bei der ich automatisch ein Ja erwartete, weil ich davon ausgehe, dass Menschen, mit denen ich eine angeregte Konversation führe, in der Regel mit einer gewissen Vernunft daherkommen und sich deswegen auch impfen lassen. Ausserdem dachte ich, wenn ein Mensch so viel physische Nähe zu vielen fremden Menschen hat, sich selbst schützen will. Und ja ich weiss, es ist vielleicht naiv, aber ich dachte wohl auch, dass man sich auch als Dienst an den Kundinnen impfen lassen würde. Man ahnt es am dramaturgischen Aufbau der letzten Sätze: sie antwortete mit einem Nein.

Daraufhin wusste ich erst mal nicht, was ich sagen sollte. Ich sass da mit einer geschnittenen und mit einer zotteligen Kopfhälfte. Am liebsten wäre ich aufgestanden, aber mit asymetrischen Haarschnitt blieb ich einfach sitzen.

Ich machte auch nachher kein Thema daraus, aber es ärgerte mich den ganzen Tag.

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Am Abend traf ich mich mit einem Freund in einem dieser Cafés an der Karl Marx Allee. Das Lokal hat im Inneren viele alte Art-Deco Elemente. Art-Deco hatte ich eigentlich nicht erwartet, die Häuser sind ja im sozialistischen Zuckerbäckerstil gebaut, architekturhistorisch also dem Neoklassizismus zuzuordnen. Und Art-Deco ist ja eine Weiterentwicklung des Jugendstils, oder?. Müsste ich mal googlen. Optisch passt es ja durchaus.

Letzte Woche haben auch meine Schwester und ich die Häuser etwas genauer angeschaut. Der sogenannte Stalin-Stil ähnelt sehr dem Bozner Mussolini-Stil, der zwar etwa 20 Jahr älter und wesentlich strenger ist, aber vor allem bei Hauseingängen und Treppenhäusern erkennt man die Ähnlichkeit zur Bozner Freiheitsstrasse.

[Mittwoch, 24.11.2021 – Ampelkoalition, Hetztraum]

Die neue Koalition hat sich bereits zu einigen modernen Themen bekannt, die mich sehr freuen. Der Abtreibungsparagraph wird gestrichen, das Transsexuellengesetz wird abgeschafft, Cannabis wird freigegeben. Es wäre schön, wenn auch Sterbehilfe geregelt werden würde. Leider wird das Tempolimit auf Autobahnen nicht kommen.

Es wundert mich, dass der Spiegel schreibt, das Verkehrsministerium würde “natürlich” an die FDP gehen. Ich hatte immer das Gefühl, Verkehr wäre ein wichtiges grünes Anliegen. Wenn man von Verkehrswende spricht, geht das eigentlich nur mit den Grünen, oder? Vielleicht liege ich aber falsch, die Liberalen haben mich trotz Besserverdienerpolitik immer wieder mal überrascht, weil Liberalität auch einfach, genau, Liberalität bedeutet, nicht nur im wirtschaftlichen und darwinistischen Sinne. Mal sehen.

Immerhin geht das Gesundheitsministerium an die SPD.

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Am Abend trafen wir uns wieder in diesem neuen georgischen Café bei uns um die Ecke. Das habe ich letzten Mittwoch nicht erwähnt, weil meine Schwester kam und den Mittwoch davor hatte ich es nicht erwähnt, weil- jetzt muss ich mal nachschauen. Ah doch, ich hatte es erwähnt.

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Heute wendete ich das erste Mal Suizid in einem Alptraum an. Und es war erfolgreich. Ich stand irgendwo südlich von Berlin und war in Mitte verabredet. Zuerst stieg ich in die falsche Bahn, dann musste ich wieder zurück, allerdings war das ein anderer Bahnhof, was ich viel zu spät merkte und dann suchte ich nach anderen Lösungen und so wurde der Traum zu einem Hetztraum. Nach einer langen Hetzerei um die Zeit, stand ich lange Zeit später immer noch auf diesem Bahnhof mit einem Polizisten, der mich beruhigen wollte. Wir standen auf einer Betonplattform und er redete auf mich ein, während ich ihm zu erklären versuchte, dass ich da weg muss. Als links und rechts von uns gleichzeitig die lang ersehnten Bahnen eintrafen, diese aber beide die falschen waren, merkte ich: oh! Das ist bestimmt ein Traum. Und dann fiel mir ein, dass ich künftig solche Situationen mit Suizid lösen wollte. Also beschloss ich, mich vor den Zug zu schmeissen. Als die Lok sich mir näherte, zögerte ich kurz, ich bin in Suizid nicht sonderlich geübt, ich sagte dem Polizisten, dass ich mich gar nicht beruhigen müsse, das sei nur ein nerviger Hetztraum, aber das verstand er natürlich nicht, Polizisten sehen ja nie den größeren Rahmen, die verstehen immer nur den Moment, ich sagte also, ich müsse mich jetzt umbringen, aber auch das verstand er nicht, also ließ ich mich vor den einfahrenden Zug fallen.
Dann wachte ich ziemlich aufgewühlt auf. Aber es war eine Wohltat.

[Dienstag, 23.11.2021 – noia]

Den ganzen Abend lang bin ich seltsam lustlos. Und Antriebslos. Ich hänge im Netz herum und bin eigentlich nur gelangweilt. Es ist nicht schlimm. Manchmal ist das so.
Ich hätte die Gelegenheit nutzen und einmal früh ins Bett gehen sollen. Stattdessen hänge ich weiter herum.

Kurz vorm Schlafengehen nehme ich die Arbeit an einem etwas längeren Text für das Fanclubblog wieder auf. Es ist ein Text, der die Beiträge mehrerer Mitglieder enthält. Ich muss den Text noch ein bisschen in Form bringen. Dann stecke ich plötzlich in Arbeit, bin super motiviert und denke nicht mehr ans Schlafen.

[Montag, 22.11.2021 – Frisurtermin, Nackenhaare]

Heute war ich so weise, einen Frisurtermin zu buchen. Der nächste Lockdown steht bestimmt vor der Tür. Nichts ist wichtiger, als gut frisiert dem Lockdown entgegenzutreten.

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Am Abend einen Horrorfilm geschaut, der mir ein paarmal direkt in die Wurzeln meiner Nackenhaare gefahren ist. Ouija 2. Eine Mutter und ihre zwei Töchter verdienen als Hochstaplerinnen mit Geisterbeschwörungen Geld, bis irgendwann ein richtiger Geist kommt, der ziemlich schlechte Laune hat.

Ich bin ein geübter Konsument von Horrorfilmen. Aber dieser Film hat mir auf eine unangenehme Weise zugesetzt. Dieses schwebende Mädchen mit dem geweiteten Mund. Das war wirklich gut gemacht und es geschah mir ein paar Mal zu oft.


Danach im Badezimmer: ich hatte ein paar Stunden vorher die Leiter zurück in den Abstellraum gequetscht. Zwischen Staubsauger und Wäscheständer. Das Geräusch des des Staubsaugers, wie er die Tür des Abstellraumes aufdrückte und herausfiel. Schauder. Die Wurzeln meiner Nackenhaare wollten sich nicht mehr beruhigen.

[Sonntag, 21.11.2021 – Derby, Tromsö, Schwester]

Ich merke, dass sich die Tage aufgrund des Besuches meiner Schwester etwas verwischen. Einen Tag habe ich in der Erzählung gänzlich ausgelassen. Aber das ist ja egal. Wir hatten eine schöne Zeit, sind viel gelaufen und viel in Museen gestanden. Und wir haben viel geredet.

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Am Samstagabend traf ich mich mit ein paar Fussballfreundinnen um das Derby gegen Union zu schauen. Ich war nicht besonders im Derbyfieber. Normalerweise hängt bei mir das Derpypendel ja über der ganze Woche wie so ein schwingender Damokleshammer. Diesmal ist es ein Mix aus schlechtem Vorgefühl und dem Besuch meiner Schwester. Ich hatte sehr schöne Tage mit ihr und deswegen viele andere Gedanken und nur wenige ans Derby.

Ich bin mit meinen Fussballfreundinnen bei mir im Büro verabredet. Im September hatten wir beschlossen, zusammen zu gucken, aber jetzt ist der zwanzigste November, die meisten haben keine Lust auf enge Kneipen. Einige sind zwar ins Stadion zu den Coronaschwurblern aus Köpenick gefahren, aber mir ist das nichts. Darum bot es sich an, zu mir ins Büro zu gehen. Wir haben da einen Beamer und Sofas.

Ich bekam dann die Technik nicht ans Laufen. Erst einige Minuten nach Anpfiff landete das Bild auf der Leinwand. Allerdings funktionierte der Ton nicht. Irgendwann liess ich die Versuche sein, den Ton zu fixen, so schauten wir das Spiel ohne Lautstärke. Im Nachhinein war das besser so. Wir verloren das Spiel 2:0 und ich merkte, dass mich die Niederlage weniger schmerzte, wenn ich keinen Ton habe. Da hört man keine feiernden Gegner, keine runterziehenden Kommentare des Moderators und überhaupt.
Überhaupt erträgt man Niederlagen besser in angenehmer Gesellschaft.

Meine Schwester war in der Zwischenzeit bei einem alten Freund zu Besuch. Nach dem Spiel trafen wir uns zuhause und beendeten den Tag.

Am Sonntagmorgen fuhr sie dann.

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Heute entschieden wir dann die Reise nach Tromsö zu canceln. Es spielen mehrere Faktoren mit. Es gibt im Dezember nur noch ein mögliches Wochenende. Die Flüge sind mittlerweile zu teuer, das Hotel, das wir reserviert haben, geht noch so, aber je mehr wir über Corona reden, desto blödsinniger erscheint die Reise. Sowohl die Reise in vier unterschiedlichen Flugzeugen, wie auch die Qualität des Aufenthaltes vor Ort. Tromsö liegt 300 km nördlich des Polarkreises, heute misst es -5 Grad. Man wird viel Zeit in Innenräumen verbringen. Ein Maskenurlaub ist nicht das gleiche wie ein Maskenball. Die Aussicht darauf erscheint bei längerem Nachdenken nicht so gut.
Das war meiner Laune für den Rest des Tages nicht zuträglich. Das verlorene Derby hatte ich erstaunlicherweise besser weggesteckt.

[Freitag, 19.11.2021 – Humboldtforum, Pickelhauben]

Meine Schwester ist zu Besuch. Wir hatten ein ewig langes Frühstück. Wir saßen etwa drei Stunden lang am Frühstückstisch. Bald wurde es dreizehn Uhr und wir beschlossen, aus dem Haus zu gehen. Um vier wird es ja wieder dunkel. Wir fuhren mit dem Fahrrad zum Hackeschen Markt und liefen dann zum Humboldtforum. EIgentlich wollte meine Schwester in die CHarite. Sie ist Ärztin, sie wollte dort verschiedene Ausstellungen ansehen. Aber alle öffentlichen Bereiche der Charite bleiben pandemiebedingt bis 2022 geschlossen.
Also gingen wir ins Humboldforum, also dem wiederaufgebauten Stadtschloss. Ich bin dem Stadtschloss ja nicht ganz so abgeneigt, wie ein Großteil der Berlinerinnen, auch wenn ich den abgerissenen Palast der Republik ästhetisch ansprechend fand und er hätte stehen bleiben sollen, aber ich finde Rekonstruktionen durchaus akzeptabel und auch ein Ausdruck des Zeitgeistes. Nur finde ich das Schloss an sich nicht so schön. Zumindest nicht den barocken Teil, der wiederaufgebaut wurde. Ich hätte mir mindestens den romanischen, bzw spätmittlealterlichen Ostflügel des Schlosses gewünscht, weil der ein Sammelsurium an Anbauten verschiedener Epochen war. Gerade dieser Teil wurde in unfassbar langweiligem, modernem Rasterstil aufgebaut. Der moderne Ostflügel war als Kompromiss ein Entgegenkommen zu den Gegnern eines Wiederaufbaus.

Nunja.

Von Innen ist der Bau sehr beeindruckend. Das Raumgefühl in diesen 30 Meter hohen Hallen am Eingang. Die Ausstellungen sind OK. Was ich weniger mochte, ist das Fehlen von Beschriftungen zu den Exponaten. Die Erklärungen zu den Exponaten kann man sich auf zentralen Displays aufrufen. Gut gemeint, alles digital, aber intuitiv ist es nicht.

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Geschwister mit Pickelhaube.

Geschwister ohne Pickelhaube.