Obwohl uns Computertechnikern, der äusserst uncharmante Ruf vorauseilt, unsozial, nerdig oder unsexy zu sein, habe ich in all den Jahren gelernt damit umzugehen. Computerfritzen, pickelige und bleiche Typen in ausgeleierten Tshirts, die zwar exakt wissen wie sie den geilsten Sex aus dem Internetz ziehen können, aber lieber vor dem Monitor zu Miss Busty heimlich wichsen, anstatt raus ins Leben zu steigen und ein sonniges Mädchen anzusprechen. Ja, so sind wir Computerfritzen. Oftmals vergessen wir sogar unsere Hände zu waschen, bevor wir die Maus wieder in die Hand nehmen um uns auf slashdot.org einzuklicken und eifrig ueber Kerneltweaks und PHP-Variablen zu unterhalten. Eine Maus mit zahlreichen, ausgetrockneten Spermien kümmert weiters eh niemanden. Wer kommt uns schon besuchen? Miss Busty? Haha. Wir sind wenigstens so realistisch, dass wir ewige Wixer bleiben werden. Wenn uns schon jemand sprechen will, dann bitte ueber IRC, oder wenn es mal was längeres ist, dann Email. Auf diese Weise braucht keiner von uns sich je die Hände zu waschen.
Wir tragen alle kryptische Namen wie m3qu1t0 oder W1xx3R, aber da draussen in der Welt da nennt man uns Fritz. Computerfritz.
Vor allem, oh Schreck, bei Frauen ist das so. Wenn ich eine Kundin am Telefon habe, die ihren Rechner völlig in den Arsch getrieben hat, wo plötzlich sehr merkwürdige Fehlermeldungen über den Bildschirm huschen, bin ich gezwungen ihr zu sagen, dass sie sich von jemandem helfen lassen soll, der ihr den Rechner neu installieren kann. Dann sagt sie erstmal, natürlich voellig aufgebracht “DAS KANN ICH JA NICHT!”, deshalb wiederhole ich den Satz noch einmal, dass sie jemanden suchen soll der ihr das machen kann. In den meisten Fällen antwortet sie, dass sie dann halt den Computerfritzen in der Firma fragen werde. Am Anfang habe ich mich noch aufgeregt und beiläufig kommentiert, dass Fritz ein doofer Name sei, worauf sie abweisend antwortet, dass sie ihn nur so nennen wuerde, weil er eben mit Computern arbeite. Darauf frage ich, ob ich also auch Computerfritz sei. Spätestens dann merken die Kunden, dass sie diese Bezeichnung bitteschön sein lassen sollen. Mittlerweile ist es mir aber egal. Wir nennen diese Art von Frauen ja auch Macintoshzicken. Jaja ich weiss, “Zicke” steht in keinem Verhältnis zu “Fritz”, aber erstens habe nicht ich diesen Namen ausgewählt und zweitens sind in Kriegszeiten die Mittel geheiligt.
Man könnte ja meinen, Computerfritz wäre so etwas wie ein Superheld. In der selben Liga wie Spiderman. Ich sehe uns schon alle in einer Reihe stehen, von den Rampenlichkanonen bestrahlt, neben Batman oder Superman, steht er da, Computerfritz, und rückt sich in heldenhafter Pose die Brille zurecht.
Natürlich ist das aber nicht so. Es wird niemals den Film Computerfritz 2 oder Computerfritz 3 geben. Niemals. Weil es nie Compterfritz 1 geben wird. Wir haben uns damit abgefunden. Und können eigentlich damit leben. Eigentlich.
Was ich aber nicht ausstehen kann, ist dass unsere Nerdkollegen, die Ärzte, alle Aufmerksamkeit und Bewunderung abbekommen. Ärzte sind nicht mehr und nicht weniger als Computerfritzen. Eher weniger. Ausser, dass sie vielleicht das Leben eines Computerfritzen retten können. Aber umgekehrt sorgen wir wiederum dafuer, dass deren Beatmungscomputer einwandfrei funktionieren, oder löschen wir deren Viren, nachdem sie sich wieder auf eine zweifelhafte Seite begeben haben, denn, im Unterschied zu uns Computerfritzen wissen Ärzte nämlich nicht, wie sie sich den geilsten Sex auf ihren Rechner herunterladen können.
Bei Ärzten bekommen Frauen schwache Knie. Dabei laufen Arzte in unvorteilhaften weissen Kitteln herum, zittern vor lauter Schlafentzug und reden in der freien Zeit über Intubationen, Schädeltraumas und anderen Neuronomien.
Und wirklich, das sind Themen, die für einen Laien genauso unverstaendlich sind, wie unsere Shellvariablen, DNS-resolving oder CPU-Frequenzen.
Was soll das? Wir behandeln eben Maschinen und die Aerzte behandeln halt menschliche Körper. Wo ist da der Unterschied? Wir reparieren allesamt defekte Teile. Nein, damit will ich nicht sagen, dass Menschen gleich wie Maschinen, also Roboter, sind. Nein, damit will ich sagen, dass Maschinen auch fürchterliche Launen haben und man die auch mit Liebe behandeln muss. Aber egal, ich schweife ab.
Wenn wir Computerfritzen gerufen werden, weil eine Kollegin ihren Computer nicht mehr gestartet kriegt, dann lösen wir das Problem ganz einsam, indem wir unter den Tisch kriechen, oder kryptische Sachen in die Tastatur eingeben. Die betroffene Kollegin unterhält sich dann meistens mit der Nachbarin oder geht in Mittagspause und sagt den anderen, beiläufig, dass ihr Rechner gerade vom Computerfritzen überprüft werden würde.
Wenn der Arzt gerufen wird weil die Tochter todkrank im Bett liegt, dann schaut die ganze Familie dabei zu, wie der Arzt mit Worten, die auf -itis oder -ose enden, um sich schmeisst.
Alle machen dann grosse Augen und fragen interessiert, was diese Itis oder Ose nun genau verursacht. Und der Arzt erklärt das, mit noch komplizierteren Worten als vorhin, die Familie schweigt, weil sie vor dem Arzt nicht als dummer Haufen Menschenfleisch dastehen will, weil den Arzt, den behält man gerne zum Freund.
Wenn bei meiner Kollegin die Proxyeinstellungen kaputt sind, dann will sie gar nicht wissen was da los ist. Ich würde ihr sehr gerne erklären, was ein Proxy ist. Wie das caching funktioniert wenn sie ueber den Proxyserver Internetseiten aufruft, oder gar wie man den eventuell umgehen kann, damit man nicht gleich ohne Internetz dasteht, wenn der Proxy mal nicht geht. Aber nein, wenn ich nach ihren Proxyeinstellungen gucke, dann höre ich bloss ein genervtes “Wann geht das wieder?”.
Ich könnte es ja irgendwie verstehen, wenn die Ärzte nun richtige Grossverdiener wären, die Milionen und andere -osen bei sich haben, aber richtige Computerfritzen, wie da drüben im warmen California, die fahren ja auch alle in diesen grossen Schlitten, ohne Dach und Verstand. Also wenn das ein Grund fuer schmuckversklafte Frauen ist, uns Fritzen zu verachten, dann ist das ein schlechter Grund.
Ich jedenfalls fühle mich ungerecht behandelt.