9 April Freitag/Friday

Nach drammatischen Zugevrsaeumnissen in Wuppertal und Dortmund spaetnachts, ist sie dann heutfrueh frisch aus Suedtirol hereingeweht. Meine Schwester Astrid.

7 April Mittwoch/Wednesday

Zurueck zu den Lebenden. Ich kann jetzt von ekligen Details berichten wo gestern frueh meine Eiterbeule vonselbst geplatzt war, aber das unterlasse ich jetzt mal. Sondern bescraenke mich besser auf Details im Krankenhaus. Ich bin da ja nicht oft, deshalb kann ich untraumatisiert darueber berichten. Da angekommen wurde mir schon bald mitgeteilt ich solle mich ausziehen und auf ein Bett da drueben legen, den Zettel ueber Narkosen durchlesen und unterschreiben, dann wuerde der Anaesthesist kommen und mich einschlaefern. An diesem Punkt ging Julietta weg, die mich die ganze Zeit begleitet hatte. Sie wuerde mich nach der OP mit dem Auto abholen. Waehrend dem Lesen jenes Zettels schlief ich jedoch ein, so muede war ich von der letzten Nacht, wo ich wegen dem Schmerz kaum ein Auge zugedrueckt hatte. Fuenf Stunden spaeter erwachte ich wieder, mit dem Zettel in der Hand, fuellte ihn weiter aus und rief dann die Krankenschwester. Irgendwie hatten die mich wohl vergessen, weil danach ging alles schnell. Ich wurde in den OP-Raum geschoben und die Anaesthesistin (welche verdaechtig viel meiner Schwester Sigrid aehnelt, die auch Medizin studiert) mit Fragen zugeworfen:
A: Rauchen Sie?
M: Ja.
A: Natuerlich Sie wohnen ja in der XXXXXXXXstrasse. Da raucht jeder.
M: oh?
A: Dann nehmen Sie auch Drogen.
M: Nein.
A: Natuerlich. Kommen Sie, Sie muessen mir schon die Wahrheit sagen.
M: Ich nehme keine Drogen.
A: Aber frueher schon?
M: Ja, frueher schon.
A: Na sehn Sie. Welche Drogen waren das?
M: Alle.
A: Na sehn Sie.
M: Sind sie diejenige die mich am Arsch aufschlitzt? (ich hoffte auf ein ‘nein’)
A: Nein. Ich bin diejenige die Ihnen das Gift verabreicht. (Satanisches Grinsen).
M: Wer wird mich dann aufschlitzen?
A: Der kommt gleich. Wo kommen Sie eigentlich her, sie haben einen merkwuerdigen Akzent.
M: Suedtirol.
A: Ach wie schoen, ich fahre jedes Jahr nach St.Christina. Aber ihr Akzent klingt irgendwie anders. Ich kenne die Leute da.
M: Ich habe einige Jahre in Holland gewohnt.
A: Ah Holland. Haschisch.
M: Nein. Holland. Kaese.
(Sie stach mir einen Schlauch in die Hand und verband das mit einer Flasche die ueber mir hing)
M: Was ist das?
A: Wasser.
M: Aha (ich bin sehr gutglaeubig), wofuer?
A: Sie sind etwas ausgetrocknet.
(Dann hielt sie mir eine Maske mit komisch riechender Luft ueber dem Gesicht)
M: Das ist Ether? Damit ich einschlafe oder? Das hab ich im Fernsehen gesehen.
A: Nein, das ist D. (irgendein Wort mit D), wirkt besser.
(Dann ging die Tuere auf und der Chirurg kam rein)
A: Das ist der Typ der Sie aufschlitzen wird.
M: Oh der sieht sehr vertrauenwuerdig aus.
A: Ja, es gibt keinen in der Stadt der so gut aufschlitzt.
M: Hmm.

Ich glaube mit dem ‘Hmm’ wollte ich eigentlich was sagen, aber da trat ich weg. Anaesthesisten sind gefaehrliche Leute glaube ich. Die sollte man nicht frei rumlaufen lassen.
Kurz danach fand ich mich in einem anderen Raum wieder. Ich blickte auf und sah drei weitere Betten mit Leuten drauf. Ich hatte Durst, also stand ich auf und wollte mir was zu trinken besorgen. Ungefaehr gleichzeitig geschahen dann zwei Dinge, erst ein Typ, den ich gleich als Krankenpfleger identifizierte sprang zu mir herueber und meinte “Hey was machen Sie da?”, und in dem Moment merkte ich auch dass mein Koerper mit allen moeglichen Kabeln und Schlaeuchen verbunden war. Weit waere ich eh nicht gekommen. Ich war ueberraschend schnell wach geworden. “Ich habe Durst” sagte ich. Der Pfleger holte mir ein Glas Wasser. “Wann werde ich endlich mal operiert?” wollte ich wissen. “Das haben Sie schon hinter sich”. Ich war sehr verbluefft. Der Schlaf kam mir vor alsob er nur eine Minute gedauert haette. Ich fuehlte an meinem Hintern und merkte dass ich eine Art Windel anhatte. “Also, kann ich nun gehen oder?” “Nein, das geht nicht, Sie muessen noch drei Stunden hier bleiben” “Drei Stunden? Das schaff ich nicht. Ich will eine Pizza. Ich kann nicht mehr liegen.” “Es tut mir leid. Legen Sie sich noch etwas hin.” “OK, koennen Sie mir etwas zu lesen geben, ich kann hier nicht einfach so liegen”. Der Pfleger ging weg und kam kurz darauf mit einem Bayern-Urlaubsprospekt zurueck. Erst zuhause fiel mir auf welch eine bloede Lektuere das war, aber ich nahm das Prospekt dankend an und vertiefte mich darin. Ich kann mich an kein Wort mehr erinnern, das darin vorkam. Vielleicht war ich im Kopf doch noch nicht so fit wie ich glaubte. Aber was muss sich der Pfleger gedacht haben wo er sich das Prospekt fuer mich ausgesucht hatte? Jetzt kommt es mir vor wie eine Verarschung. Wahrscheinlich weiss er dass Leute die aus der Narkose erwachen nicht ganz bei Sinnen sind.
Nachdem ich das aber alles durchgelesen hatte wurde ich wieder ungeduldig und verhandelte mit dem Pfleger dass ich schon eine Stunde frueher nach Hause duerfe. Und dann kam der tuerkische Bettenschieber ploetzlich (vielleicht befand ich mich wirklich im Halbschlaf, weil das so ploetzlich geschah) und schob mich durch das halbe Krankenhaus. Wir unterhielten uns blendent ueber unser Leben und ueber Nachtschichten, dann trafen wir noch seine ganze Familie in irgendeinem Gang, ein ganzer Haufen tuerkischer Kinder und Frauen im Kopftuch. Ich fragte nicht warum die hier waeren, mir kam das ganz normal vor. Dann kam ich zurueck in das Zimmer wo ich ganz am Anfang war. Da bekam ich meine Sachen wieder und durfte mich anziehen. Also stand ich da, voll angezogen und bereit zu gehen, jedoch musste ich noch eine Stunde warten. Julietta war schon informiert. Ich nervte die anwesenden Pfleger mit meiner Ungeduld, und einer gab mir einige Cents und zeigte mir den Raucherraum, wo ich mir bei eventuell anwesenden Rauchern eine Zigarette kaufen konnte. Und tatsaechlich sassen da etwas runtergekommene Patienten am Rauchertisch, gaben mir eine Zigarette und dann war ich gluecklich. Um zehn kam dann Julietta, ich kam nach Hause und konnte endlich Pizza bestellen.

(2) mentale vorbereitung / mental preparation

Der Schmerzt der Entzuendung schwillt von Minute zu Minute an. Ich kann kaum noch laufen, und buecken sowieso nicht. Witzigerweise kann ich sitzen. Wenn vornuebergebeugt.
Morgen um 13:45 in den OP-Saal. Vollnarkose und einen zehn Zentimeter langen Schnitt in den Arsch. Danach tagelang auf dem Bauch herumliegen.
Dazu gibt es fuer die spaete Leserschaft von heute ein Musikstueck. Mein Totentanz fuer Morgen. Dieses Stueck wird aber bald verschwinden, da nicht von mir und deshalb illegal.

5 April montag/Monday

Nun, mein geplanter Tagesablauf fuer die naechsten zwei Wochen ist jetzt etwas durcheinander gekommen. Wie gestern schon geschrieben, ist mein Steissbein entzuendet und habe daher beschlossen heutemorgen zum Arzt zu gehen. Es war mir sehr unangenehm muss ich sagen. Frauen sind daran ja gewoehnt dass denen fremde Spezialisten zwischen die Beine fuchteln, aber ich fand das von vorne bis hinten peinlich vornuebergebuckt mit heruntergelassenen Hosen eine Aerztin in der Anusgegend herumfummeln zu lassen. Ich war bei Doktorspielen immerschon lieber der Arzt. Heutefrueh rief ich jedenfalls erst auf der Arbeit an, und sagte dass ich mich verspaeten wuerde weil ich ein entzundenes Steissbein haette und ich nicht sitzen koenne und deshalb schnell zum Arzt wolle der mir den Eiter herausziehen wuerde. Sie koennten aber mit mir rechnen heute Nachmittag. Nun stellte mich die Hausaerztin durch zu deren Hauschirurgen und der schrieb mir gleich eine Einweisung ins Altonaer Krankenhaus zur Operation. Nur muesse ich einen nuechteren Magen haben weil sie mich in Vollnarkose versetzen wuerden, und dann schrieb er mich gleich bis zum 19. April krank, weil ich ein zehn Zentimeter langes Loch in meinem Arsch haben wuerde. Oh, aber ich will doch nur einen Stich in die Beule damit ich wieder sitzen kann und am Wochenende kommt meine Schwester. Und Vollnarkose, was soll das, da kann ich doch vielleicht nicht mehr aufwachen. Aber er duldete keinen Kommentar.