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Wenn K Fußball schaut, dann ist sie selbsredend für Hertha BSC, sie ist schließlich gut sozialisiert. Sie freut sich bei Toren und will natürlich zurück in die erste Liga. Denn Hertha spielt neuerdings bekanntlich in der zweiten Liga und ist da natürlich eine der besseren Mannschaften. Seitdem gibt es auch wieder viele Siege, ganz ungewohnt ist das. Für mich ein Grund zur Freude. Auch K freut sich über Tore, aber Tore haben es nun in sich, dass ein Gegner diese kassieren muss und so sehr sich K auch über Tore freut, so sehr leidet sie mit dem armen Gegner, der Herthas Tore einstecken muss. Zur Hälfte des Spieles wechselt sie immer die Seiten.

Früher war es schlimmer. Wenn Hertha führte, sagte sie, jetzt sollte der Gegner ein paar Tore schießen, damit das Spiel wieder spannend werde.
Ich sagte zu ihr: das geht so nicht mit Fußball. Jeder Sieg ist wichtig.
Sie sagte: stimmt, geht gar nicht.
Das hat sie dann auch nicht mehr gemacht. Aber vielleicht war das auch nicht so schlimm wie das, was sie jetzt macht.

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Ah und auf die Hände hat man mir oft geschaut und dann festgestellt: mit den Händen arbeitest du aber nicht.

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Satanisches Gelächter. Das _du_ wurde dabei in Großbuchstaben ausgesprochen. Hätte ich Wunden am Kopf, hätte ich sagen können, ich arbeite mit dem Köpfchen. Psychoknacks habe ich auch keinen, jedenfalls keinen offensichtlichen, oder wenigstens keinen auffälligen, allerdings frage ich mich, ob ich einen Psychoknacks bekomme hätte, wenn man mich zwanzig Jahre lang mit den Händen arbeiten ließe.
-> weiß ich nicht. Nur als halbgare Spekulation in den Raum geworfen. Vermutlich nicht.

# AUS. Jetzt wird es ernst. Ich war dann doch ziemlich gerührt von den vielen Freunden und Bekannten, die alle ihre Häuser gebaut haben. Und das meine ich jetzt keinesfalls ironisch, mich begeistert dieser unbedingte Vorwärtsgang. Aus der Schule raus, ein Partner, die Kinder und dann das Haus. Ich glaube durchaus, dass dieses Leben Substanz hat. Es ist nicht so meins, aber die Lebensträume hören nach dem Hausbau ja nicht gleich auf, es gibt noch genug Wege zu gehen, auch wenn es der Zusammenbruch ist, etc. zudem gibt es hinter den Fassaden gute Geschichten. Aber dieser Traum, dieser Traum, das Eigenheim und diese Unbedingtheit der Harmonie; ich könnte das ewig mit ansehen.

Andererseits ist da mein alter Schulfreund, der mit dem Hausbau wartete, weil es mit der Frau nicht klappte. Ein Haus baut man nicht alleine, da es in gewisser Hinsicht ja ein Fundament für diese Zweisamkeit bedeutet, so etwas wie die Infrastruktur zum Liebesglück (auch hier wieder: ich meine das nicht ironisch). Mit siebenunddreißig wurde ihm die Warterei dann zu blöd und baute sich schon mal ein Haus. Nun vermietet er die unteren Stockwerke an Saisonarbeiter. Wenn die Frau dann kommt, verlängert er die Mietverträge nicht mehr.