[e.n.]

Vorhin im Aufbauhaus zu Mittag gegessen. Ich saß alleine am Fenster und an einem Tisch schräg gegenüber mir saß dieser Schauspieler aus Fight Club. Nicht Brad Pitt, sondern der andere. Er unterhielt sich mit einem (mir unbekannten) Mann und hielt dabei ein großes Notizbuch in der Hand, in das er ständig Sachen notierte. Ich hatte nur E auf meinem Handy, konnte nichtmal seinen Namen googlen, ich saß also nur da und schaute angestrengt in eine andere Richtung, ich wollte ja nicht in Verdacht geraten berühmte Schauspieler anzustarren, schließlich saß er ja schon mit dem Rücken zum Eingang, damit die Leute ihn nicht ständig sehen würden und ins Starren verfielen. Als ich mit dem Essen fertig war, ging ich ganz langsam an seinen Tisch vorbei, vielleicht würde ich das eine oder andere aufschnappen, von einem noch geheimen Filmprojekt oder einer Wohltätigkeitsgeschichte, wer weiß. Als ich dann am Tisch stand und versuchte zu lauschen, war ich dann ziemlich überrascht: er konnte sächsisch. Glaubt einem ja keine Sau, wenn man das erzählt: Edward Norton kann sächsisch.

[auerhaus]

Jetzt ist schon eine Woche her seit Bov’s Buchpremiere. Ich betreibe keine Literaturkritik, dennoch muss ich noch kurz etwas dazu sagen. Vorweg: Auerhaus ist ein sehr gutes Buch. Auerhaus ist lustig, und von einer ständigen und unkitschigen Traurigkeit getragen. Ich mochte diesen Tonfall sehr.
Ich glaube ja, dass Bov irgendwann diesen ganz großen Roman schreibt. Verfolgt man seine Tweets oder liest man seine Kurzgeschichten oder Texte für die Bühne, dann ahnt man, was da drin steckt, ich meine, da steckt dieser explosive (Patzbumm) Mix aus Witz, Tempo, Melancholie und eine große Dosis politischer Intelligenz drin, das sind die Zutaten für diese großen, bewegenden, auch politischen Roman, der den Mainstream erreicht und ganze Generationen prägt. (So oder ähnlich).

Deshalb hat mich damals sein Romandebut “Deadline” auch so enttäuscht. Leider will Bov keinen Beststeller schreiben. Erfolg ist ihm suspekt. Dennoch: Auerhaus. Das einzige was man Auerhaus vorwerfen kann, ist, dass er wenig zeitgenösische Relevanz hat. Zumindest, wenn man es oberflächlich betrachtet. Und vielleicht, dass er für Bov’s Verhältnisse nicht vordergründig politisch ist. Aber das war Deadline eigentlich auch nicht.
Bevor ich die nächsten Zeilen schreibe, muss ich erwähnen, dass wir beide uns kennen. Ich habe schon einmal für ihn gekocht. Wir haben auch viel Bier zusammen getrunken. Außerdem standen wir schonmal auf der gleichen Bühne. Trotzdem bin ich unvoreingenommen.

Was ich also sagen will: lest Auerhaus. Lest ihr jetzt Auerhaus, dann könnt ihr euch in ein paar Jahren auf dem Sofa zurücklehnen, eure Augenbraue heben und sagen, ach, dieser neue Bestseller von Bov Bjerg, ich fand damals seinen zweiten Roman ja viel besser, der entzog sich dem Zeitgeist und war nicht so offensichtlich politisch.
So ist das nämlich.