[was schön war, KW7]

Ich habe lange Unterhosen gekauft. Letzten Herbst schon. Für die winterlichen Stadionbesuche. Hat uns zweimal einen Heimsieg beschert. Das ist zwar nicht schön und auch nicht lustig, aber ich muss das irgendwo unterkriegen. Lange Unterhosen. Super Sache, das.

Eine andere super Sache: Improtheater. Nach der Arbeit gehen ein paar von uns zum Improtheater. Zu dritt Geschichten erzählen, wobei jeder nur ein Wort sagen darf und der nächste mit einem Wort den Satz weiterführen soll etc. Ärgerlich wie mein Plot immer zerstört wird und wie man ihn neu aufnimmt. Oder die interessanteste Übung: es dürfen nur zwei laufen. Auf einer Gruppe von 10 dürfen nur zwei Personen gleichzeitig laufen. Wenn jemand stehen bleibt muss jemand anders beginnen. Wie sich das alles vonselbst reguliert. Könnte ich ewig drüber nachdenken.

Auf der Berlinale Berlin Syndrome gesehen. Der Film handelt von einer australischen Touristin die von einem jungen berliner Mann wochenlang eingesperrt wird. Nachdem ich vor einigen Wochen die Serie The OA geschaut habe, in der vier Personen neun Folgen lang in einem Keller eingesperrt sind, nahm ich mir vor, nie wieder etwas zu schauen wo Leute eingesperrt sind, weil ich dann immer mit diesem eingeschnürten Hals herumsitze und Rachegelüste hege. Berlin Syndrome habe ich dann doch geschaut. Weiß nicht warum. Ich schaue sowas nie wieder.

Toll auch: Bov Bjergs Buchpremiere. “Die Modernisierung meiner Mutter“. Ich war bisher auf allen drei Bovschen Buchpremieren. Das mache ich jetzt einfach so weiter.
Toll auch: vor der Lesung habe ich mit Frau Modeste Hummus gegessen. Im Kanaan an der Kopenhagener Straße. Nachher las ich, das sei der beste Hummus ganz Berlins. So kann das gehen.

Eine Woche voller Fazite.

[was schön war; KW6]

Was letzte Woche schön war, war vor allem Bier.

Abends mal in den Salami Social Club gegangen. Da gibt es gute Pizza und Bier. Ich hatte Gutes darüber gelesen. Das Salami Social Club ist natürlich kein Club und in Wirklichkeit auch kein Restaurant sondern eher ein Pizzaimbiss mit vier Tischen an denen man auch essen kann. Die meisten Kunden warten lediglich am Tresen um die Pizza mit nach hause zu nehmen. K und ich setzten uns aber an den Tisch und bestellten uns zwei große Biere. Ich aß Pizza mit Blutwurst und Pizza mit Kürbis. Halb Halb. Pizzasnobs werden die Nase rümpfen. Ich aber sage euch: da machen sie die beste Pizza der Welt. Der Laden wird von typischen berliner Amerikanern, die es mittlerweile überall gibt, betrieben. Ich liebe ja dieses Scheißen auf Traditionen und mit ein bisschen Glück kommt meistens etwas gutes dabei heraus.

An einem anderen Abend in die gerade eröffnete Brewdog Bar gegangen. Die Leute von Brewdog sind Punks aus Schottland die mit ihrem Brauprojekt und einer ziemlich lauten Marketingstrategie zu Millionären geworden sind. Die Bar in der Ackerstraße ist ihre erste in Deutschland. Ich mag den Raum, es ist ein einziger großer und hoher, etwas kahler Raum, vorne am Fenster gibt es typische Booths in denen man zu sechst sitzen kann und im Raum selber stehen bierbankartige Tische. Warum ich das alles aufschreibe? Weil K und ich da einen tollen Abend hatten. Ein paar Tage später bin ich noch einmal alleine hingegangen, da ich zwischen Arbeit und dem Pokalspiel von Hertha gegen den BVB zwei Stunden zu vertrödeln hatte. Es gibt keinen besseren Rahmen als eine Bierbank und frisches, gutes Bier, wenn man ein paar Sachen ins Notizbuch schreiben muss.

NEIPA. New England IPA. Puh. Bier. Es ist ja immer so eine Sache mit der Nerdigkeit. Wenn man über Bierstile redet, hört man manchmal: können wir nicht einfach wieder Helles oder Pils trinken? Ja, kann man. Vor allem gut gemachtes Pils finde ich super. Helles finde ich meist eher langweilig, aber das ist eine andere Sache. Dennoch ist die Rückbesinnung auf charaktervolle Aromahopfen eines der besten Dinge die dem Bier passieren konnte. Was aber entsteht wenn Brauer in New England aus Jux beginnen Bitterhopfen zu minimieren und das Bier dermaßen mit Aromahopfen vollzustopfen und es dann nicht filtrieren oder pasteurisieren, dann ensteht ein Bier das im Glas aussieht wie Mangosaft, aber so ungefähr das süffigste und frischeste Bier wird, das ich je getrunken habe.
Ich trank den ersten New England IPA-Probesud einer Berliner Brauerei und sah direkt dem Sommer ins Auge. Direkt. Patzbumm: Sommer.

Und letzten Sonntag natürlich auf der Wurst und Bier 2017 in der Markthalle IX gewesen. Mit Frau Modeste und ihrem J samt kleinem Sohn. Auf der Wurst und Bier haben wir Wurst gegessen und Bier getrunken. Wir haben auch Pulled Pork gegessen aber nicht so viel wie Wurst. Und Bier.

Nicht Bier, aber tolle Frau mit der ich schon mal Bier getrunken habe. Steffi ist vor einigen Tagen auf Reisen gegangen. Die Travelinglady.

[piet]

Was weniger schön war. Piet ist gestorben. Letzen August tanzten wir noch zusammen auf einer Hochzeit in Meran, vorletzte Woche hieß es, er habe Krebs, letzte Woche: tot. Piet habe ich vor fünfundzwanzig Jahren kennegelernt als er eine wirre Theatheridee koordiniert und inszeniert hat. Die wirre Idee kam nicht von ihm, sondern von meinem Freundeskreis, oder eher ein loser Bekanntenkreis von jungen Menschen die Punkmusik hörten und viel zu viel kifften und Alkohol tranken. In jenen konservativen, katholischen Zeiten gab es den ungemein starken Drang sich auszudrücken. Wir wollten also Theater spielen, wussten aber nicht wie, vor allem wussten wir aber auch nicht was wir da spielen wollten. Dann tauchte Piet auf. Piet war älter als wir alle und er war Regisseur. Er lenkte die ganze Theateridee, inszenierte das was wir zu wollen glaubten und tourte mit uns durch die südtiroler Dörfer. Das Stück war total schräg, aber alle unsere Vorstellungen waren ausverkauft.
Peter Oberdörfer, Autor, Schauspieler, Regisseur.
Es dauerte mehr als zwanzig Jahre bis ich ihn wiedersah. Das war vor einigen Jahren in Meran auf dem Literaturfestival von dem ich bloggte. Man kann dort u.a. über Piet nachlesen (immer die “Exilposts” weiterklicken). Wie er immer mit seinem Pferdeschwanz, Vollbart und seinem Rucksack herumlief. Seine wachen dunklen Augen. Vermutlich ist es genau das, was mir von ihm in Erinnerung bleiben wird. Seine Wachheit. Seine Präsenz. Dieses genau hier sein. Es gibt Leute die sind richtig intelligent. Ich meine nicht notwendigerweise Intellektuell, sondern intelligent. Leute die allumfassend Bescheid wissen, Leute die genau beobachten, die Dinge richtig einschätzen können, über den Tellerrand hinausgucken. Und am Ende auch Visionen entwickeln. Als ich ihn letzten August auf der Hochzeit wiedertraf, redeten wir zufällig über Fußball. Er hatte keine Ahnung von Fußball. In Südtirol spielt dieser Sport keine Rolle. Man kennt dort allenthalben den FC Bayern und Juventus. Vielleicht noch Inter, Milan und den BVB. Er fragte, Berlin, war habt ihr da, ist das Hertha BSC? Ich sagte: ja. Er sagte, die spielen ja ganz gut zur Zeit. Was sind sie geworden? Siebter? Ich sagte, ich dachte du hast keine Ahnung von Fußball. Er sagte, ich habe das in der Zeitung gelesen.
Das meine ich, wenn ich von Intelligenz rede.
Dem südtiroler Kulturleben wird er sehr fehlen.

[letzte Woche hatte ich Geburtstag]

Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Normalerweise stehe ich samstags um sieben Uhr auf, verbringe meinen schönen einsamen Samstagmorgen. Gegen 10 oder 11 Uhr wecke ich K mit einem Kaffee.
An diesem Geburtstag war es anders. Ich schlief bis neun. Warum auch immer. Als ich in die Küche ging war der Tisch mit einem Tischtuch gedeckt. Darauf lagen Teller und Tassen und Schinken und Käse und Butter und Marmelade. Und Geschenke.
Wie ich in meiner Unterhose dastand. Ich war total underdressed.

Toll auch die Facebookbenachrichtigungen und die Benachrichtigungen über alle Kanäle die es so erst seit wenigen Jahren gibt. Ich pflege ja eher einen kleinen Freundeskreis, über Facebook gibt es so etwas wie einen weiteren sozialen Ring. Das heißt, der Ring war früher schon da, aber durch das Internet ist dieser Ring viel näher herangerückt. Berufliche Kontakte über Xing und Linkedin, Whatsappgruppen. Die Menge an Glückwünschen die darüber hereinkommen. Geburtstage müssen früher eine einsame Veranstaltung gewesen sein. Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Gruß. Ein irres Einprasseln von Liebe. Das ist so komprimiert, der nächste Tag ist dann nur noch ein finsteres und schwarzes Loch. Bis auf die üblichen paar, die entschuldigend am nächsten Tag noch die Glückwünsche nachreichen. Fast möchte man sie umarmen.