[Sonntag, 9.5.2021]

Heute war also Fensterputztag. Unsere Wohnung hat 7 Fenster, mit jeweils Oberlichtern und zur Strassenseite hin haben wir 3, das sind es Doppelkastenfenster, die also an vier Seiten geputzt werden. Ausserdem gibt es die zwei schmalen Erkerfenster, die natürlich auch mitgeputzt werden wollten. Und es war so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Fenster auf und den Frühsommer hereinlassen.

Man kann jetzt hinausschauen. Und leider auch hereinschauen.

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Irgendwann dazwischendrin telefoniere ich mit meiner Mutter zum Muttertag. Sie hat heute so viele Themen, dass sie sofort in einen Monolog ausbricht. Als sie mit dem Monolog fertig ist, quatschen wir noch ein bisschen über dies und das. Am Ende fällt mir der Grund des Anrufes wieder ein und ich wünsche ihr einen guten Muttertag. Sie bedankt sich.

Morgen hat sie Geburtstag, wir werden dann ja eh wieder telefonieren.

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Nach dem Fensterputzen haben wir die Auberginenlasagna gemacht. Währenddessen stellte meine Frau ihr Telefon auf den Küchenblock und spielte live die Rede zur Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz ab. Er sagte natürlich gute Dinge. Andererseits deprimierte er mich. Die SPD steht in den Wahlprognosen bei 14%, Scholz ist sehr sehr weit von einer Kanzlerschaft entfernt, es klang wie eine präsidiale Rede des Aufbruchs, dass das Land in die Zukunft gebracht werden muss, wie eine Rede an das Volk. Bei manchen Sätzen dachte ich mir regelrecht euphorisch: wow, ja, das wollen wir. Und dann fällt mir immer wieder ein, dass es nur eine Rede für die Mitglieder ist, für die Mitglieder einer Partei die bei 14% steht.

Als die Lasagna essbereit war, begann das Spiel gegen Bielefeld, wir assen also nicht zusammen, oder am Tisch, sondern getrennt, sie im Wohnzimmer und ich in der Küche vor dem Fernseher. Die Lasagna schmeckte so gut wie erwartet.
Warum schreibe ich das auf? Ich habe das Gefühl, ich müsse nach meinem gestrigen Eintrag die Auberginenlasagna gebührend ehren.