[Liebe und so]

Heute zur ersten Frage aus der Themenliste.

„Was hältst Du von Polyamorie und was von Polygamie? Und hat sich Deine Meinung darüber mit der Eheschließung und/oder reiferem Alter verändert?“


Ich habe eine gute Bekannte, die sich als polyamourös bezeichnet. Weil ich das Thema sehr interessant finde, musste sie mir immer alles darüber erzählen. Ich finde erstmal alles spannend, was unsere gesellschaftlich verankerten Denkweisen hinterfragt, weil so vieles einfach nur eine Frage der Erziehung ist bzw. der Sozialisation und sich viele Menschen in Denkkorsetten ihrer jeweiligen Peer-Group bewegen. Was ich gar nicht verurteilen will, die meisten Menschen haben eben andere Prioritäten in ihrem Leben, und das ist eine gute Sache, und solche Korsette geben ja auch einen gewissen Halt.

Ich halte aber wenig von der romantischen Liebe oder zumindest von der romantischen Überhöhung einer ewigen, exklusiven Liebe. Diese Projektion auf die Liebe, mit der wir aufwachsen. Der Partner muss die lustigste Person sein, die beste Köchin, die beste Reisegefährtin, die beste Projektmanagerin, die beste Mama, die beste Liebhaberin, der sexieste Mensch. Dann die Erwartung an die Beziehung, der Nestbau. Ein Immobilienfinanzier sagte mir einmal, dass die meisten Kredite von sich trennenden Paaren aufgelöst werden. Das sind immer hässliche Geschichten von Menschen, die nicht mehr miteinander reden. Immer Geschichten von einem gescheiterten Nestbau, von der Frau, die fremdging, vom Mann, der sich in die Sekretärin verliebt hat und eine neue Familie gründen will etc. Geschichten von geplatzten Träumen. Ich glaube, dass Menschen oft nicht wissen, was Liebe ist, was Treue ist, wo Sex in diesem ganzen Konstrukt einzuordnen ist. Man wächst halt auf mit einer gewissen Vorstellung von Liebe. Partner, Sex, Familie.

Nicht, dass ich jetzt so genau wüsste, was das ist. Ich habe jedoch ziemlich schnell gemerkt, dass der Liebesbrand zwar super ist, aber nach sechs Monaten auch wieder ein bisschen nachlässt und dann irgendwie anders wird. Danach steht man auf einmal vor den Fakten, die diese hormonelle Achterbahnfahrt einem vor die Füße geschmissen hat.

In diesem älteren Text, in dem ich mich an eine Episode mit einer jungen Frau auf einem Sofa in Madrid erinnere, habe ich bereits einmal aufgeschrieben, wie meine Einstellung zu Treue ist. Kurz zusammengefasst: Überschätzt. Mit Nuancen aber. Ich finde, dass die meisten Menschen eine total übertriebene Vorstellung von Betrug haben. Das Wort alleine.

Auch wenn ich mich immer in mehr oder weniger monogamen Beziehungen lebte, finde ich Sex und Liebe erstmal zwei ganz unterschiedliche Dinge. So unterschiedlich wie Sex und Lieblingsköchin oder Sex und die lustigste Person der Welt. Im besten Fall gehen Sex und Liebe zusammen, auch Sex und Lieblingsköchin, aber Sex geht auch ohne Lieblingsköchin. Um ehrlich zu sein, konnten die meisten Frauen in meinem Leben eher mittelmäßig gut kochen. Sex geht aber auch ohne Liebe. Einfach, weil jemand vielleicht fantastische Oberschenkel hat oder horny Sachen sagt. Ich finde es halt blöd, nicht zuzugeben, dass man auch in monogamen Beziehungen Gefühle für eine andere Person empfinden kann oder man Lust auf eine andere Person hat. In meinem Bekanntenkreis hatte eine Frau mal ein Riesendrama gemacht, weil sie ihren Mann erwischt hat, wie er sich auf Pornhub einen runtergewedelt hat. Sie fühlte sich betrogen. Echt jetzt?

Mir war es aber immer wichtig, eine Partnerin auf Augenhöhe zu haben. Ich wurde eher von Frauen angezogen, die ich in erster Linie interessant fand. Fast alle fand ich auch zusätzlich sexy. Mit den sexy Frauen war Sex aber nicht zwangsweise gut. Aber es ging immer mit dem Liebesbrand einher. Am Anfang steht immer der Liebesbrand. Dieser Liebesbrand! Aah! Könnte man natürlich immer haben. Der verschwindet nach sechs Monaten aber wieder. Wenn man also immer den Liebesbrand sucht, dann muss man sich rechnerisch auch alle sechs Monate einen neuen Menschen suchen.
Das kam mir ineffizient vor.

Aber Polyamorie ist ja noch einmal etwas ganz anderes. Das ist eine bewusste Entscheidung. Es ist ein ständiges Verhandeln um Grenzen, Absprachen, es erfordert viel Kommunikation, viel Logistik auch und viel Rücksicht sowie viel Selbstreflexion in allen Situationen mit den Menschen, zu denen man in Beziehung steht.

Aus ideeller Sicht finde ich das eine gute Einstellung. Diese Einstellung zu Sexualität und Liebe könnte diesen kriegerischen Planeten zu einem besseren Ort machen, sage ich jetzt mal ganz hochtrabend. Für mich als Beziehungsmodell wäre Polyamorie allerdings zu, nun ja, anstrengend. Ich glaube, ich habe keine emotionalen Kapazitäten, um mehrere Beziehungen gleichzeitig zu führen.

Die Frage bezog sich außerdem nicht nur auf Polyamorie, sondern auch auf Polygamie. Wenn ich Polygamie richtig verstehe, dann ist das so etwas wie eine Mehr-Ehe. Also eine Person, die mit mehreren Menschen eine Ehe oder Beziehung führt. Wie man sie sich klischeeartig aus religiösen Gegenden oder in Sekten vorstellt. Der Gedanke daran, so etwas wie einen Harem zu unterhalten und pausenlos ständig von sexuell verfügbaren Menschen umgeben zu sein, ist eine nette Vorstellung, aber eher im Alter von 15 Jahren. Ich glaube, wenn zehn Frauen gleichzeitig mit mir verheiratet sein möchten und zur gleichen Zeit keinen anderen Mann haben, dann würde ich sie nicht ganz ernst nehmen und die Lust würde mir deswegen ganz von selbst vergehen.

Dann das Alter. Hat es sich im Alter verändert?

Die Meinung hat sich mit zunehmendem Alter nicht verändert. Sie ist nur konkreter, klarer geworden.

Ist das alles sinnvoll aufgelistet? Ich glaube, die Gedanken sind einigermaßen geordnet.

[Di, 4.8.2026 – Wetterschwitzen]

Der Regen brachte heute keine Abkühlung. Es war, als würde das Wetter einfach schwitzen. Zudem trug ich ein weißes, dünnes Hemd. Als ich vom Mittagsspaziergang zurückkam, war mein Hemd vom Regen durchnässt und man sah durch den Stoff hindurch meine Bauchhaare und die Tattoos. Als ich das Büro betrat, fühlte ich mich, als käme ich aus einem Fetischclub.

Jedenfalls bin ich glücklich darüber, dass überhaupt jemand etwas in die Themenliste geschrieben hat. Ein leeres Blatt hätte wirklich peinlich ausgesehen. Ich fing bereits an, über das erste Thema Polyamorie/Polygamie zu schreiben, aber das drückende Wetter hielt mich am Abend vom Schreibtisch fern. Ich werde den Text daher erst morgen fertigstellen, oder übermorgen, falls das Wetter weiterhin schwitzt.

[Mo, 3.8.2026 – Überwinterung, Drama]

Der Wahlkampf hat auch den Kiez erreicht. Junge Männer und Frauen klettern am hellichten Tag Laternenpfähle hoch und knipsen alle Wahlplakate ab. SPD, Linke, Grüne und die Wagenknechtpartei. Andere Parteien trauen sich hier gar nicht zu plakatieren.

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Mein Rasenmäher wird jetzt in der Scheune des Cousins meiner Frau überwintern. Er hat es von selbst angeboten. Wahrscheinlich wirkte ich bei meinem Besuch etwas verzweifelt. Seine kleine Werkstattscheune ist mit dicken Schlössern und einer großen Metallstange verriegelt. Außerdem wohnt er von März bis November dort und ist auch im Winter regelmäßig da. Unser Haus steht hingegen etwas abseits, weiter hinten im Wald, wo Einbrecher ungestört ihrem Einbrecherbusiness nachgehen könnten. Überdies ist es 9 Monate im Jahr unbewohnt.

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Es wurde mir mitgeteilt, dass die Themenanfragenseite mit einigen Browsern nicht funktioniert. Vermutlich wegen der /iframe-Einbettung, die wohl einige Browser als Sicherheitsrisiko einschätzen. Ich habe jetzt einen Link hinzugefügt. Das Dokument ist nur ein Etherpad auf der Seite des Deutschen Bundesjugendrings, die kostenlose Etherpads anbietet.

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Ich habe noch eine ungeklärte Notiz in meinem Notizbuch. Da steht: Drama. Drama aus dem Leben halten.

Darüber wollte ich schreiben, weil ich mich neulich mit meiner mittleren Schwester über die kleine Schwester austauschte. Ich sagte, dass es mir besser geht, seitdem ich einen besseren Umgang mit Drama gefunden habe. Eigentlich sagte ich, dass ich Drama weitestgehend aus dem Leben halte. Aber die Aussage kam mir irgendwie falsch und unwahr vor. Ist als Formulierung aber besser. Frau Kluscheisser erzählte mir dann von einem alten Freund, der eine langweilige Frau hat. Er habe jetzt ein dramafreies Leben, aber auch ein bisschen langweilig. Da musste ich sofort an meine Notiz denken. Und in dem Moment wollte ich schon nichts mehr mit meiner eigenen Notiz zu tun haben.

Jetzt weiß ich aber gerade nicht, welche Haltung ich nun zu Drama habe.

[So, 2.8.2026 – Nase, Rains]

Jetzt ist auch meine Frau aus Schweden zurückgekehrt. Ich wartete mit der Hündin ein Stück die Straße runter und saß auf der Treppe eines Hauseingangs, etwa fünf oder sechs Häuser entfernt, als ich meine Frau um die Ecke biegen sah. Eigentlich dachte ich, dass sie mich gesehen hatte, aber ich war wohl zu weit entfernt, also bog sie ab und ging in unser Haus hinein. Die Hündin lag in der Mitte des Bürgersteigs und tat, als hätte sie die Welt im Griff, aber Hunde haben schlechte Augen und mein Tier hat so ziemlich gar nichts im Blick. Aber sie hat natürlich eine ausgezeichnete Nase. Währenddessen rief ich meine Frau an, die aber, wie immer, ihr Telefon auf lautlos gestellt hatte. Es dauerte dann nur zehn Sekunden, bis die Hündin plötzlich aufstand. Sie hob Ohren und Schwanz an. Sie hatte wohl einige Aerosole ihres Frauchens inhaliert. Dann wurde sie aufgeregt. Sie lief in Richtung unseres Hauses, blieb zwischen den Autos stehen, um zu checken, ob sie dazwischen meine Frau entdeckte. Je näher wir ans Haus kamen, desto aufgeregter wurde sie. Die Treppe rannte sie dann in Eiltempo hoch.

So eine Nase ist schon super.
Sie würde aber das Gleiche über meine Augen sagen.

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Themenanfragen. Ich habe jetzt eine öffentliche Themenliste. Auf Vanessa Gieses Blog sah ich einmal ein öffentlich editierbares Dokument, in das Leserinnen Themenwünsche hineinschreiben konnten. Der Link scheint jetzt verschwunden. Die Idee finde ich aber super. Ihr könnt dort jetzt anonym Wunschthemen beantragen. Ich schreibe über alles. Wirklich alles. Außer über meine Frau und über meinen Arbeitsalltag. Zur Not lüge ich.

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Außerdem bestellte ich eine Regenjacke von Rains. Ich hätte darauf gewettet, dass ich über die Marke Rains schon einmal geschrieben habe. Ich meine. Dieser Name. Eigentlich braucht man in Berlin keine Regenkleidung, weil ich mit der Hündin aber bei wirklich jedem Wetter aus dem Haus muss, kommt es ungefähr dreimal pro Jahr vor, dass ich nass werde. Es kann nicht schaden, sich dem Wetter angemessen zu kleiden. Eine Jacke von Rains also. Ich weiß nicht, wie andere das mit Regenjacken handhaben, aber im Sommer trägt man doch andere Regenjacken als im Winter, oder? Im Winter muss sie über eine dicke Jacke, bei einem Sommerregen trägt man darunter aber nur ein T-Shirt. Es beschäftigt mich. Ich lebte ja lange in den Niederlanden. Dort regnet es wirklich. Ich hatte aber nie eine Regenjacke und nie einen Schirm, aber ich kann mich nicht daran erinnern, wie ich den Regen handhabte oder wie andere das taten. Dabei fuhr ich immer Fahrrad. Bei jedem Wetter. Wie alle anderen auch. Jetzt will ich aber eine ordentliche Regenjacke. Ich trug manchmal die Regenjacke meiner Frau, als es so regnete, und es löst wirklich Glücksgefühle in mir aus, wenn ich in einer Plastikhülle gekleidet, bei strömendem Regen mit der Hündin durch die Stadt latsche. Pitsch, patsch.

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Dass Frau Fragmente wieder Tagebuch schreibt, habt ihr schon alle mitbekommen, ja?

[Fr, 30.7.2026 – Giving you a Nightcall]

Es gibt Filme und Serien, die schaue ich schlichtweg nie, weil meine Frau sie sich nicht ansehen will, und ich verbringe nur selten Zeit alleine vor dem Fernseher. Demzufolge hat sich eine lange Liste von Filmtiteln angesammelt, die ich irgendwann einmal nachholen wollte. Wenn meine Frau für längere Zeit weg ist, wie in diesen Tagen beispielsweise. Meistens kommt mir die Idee dazu, wenn ich mir gerade etwas zum Essen zubereitet habe, dann sitze ich vor den Streamingsendern und es fällt mir keiner der Filmtitel ein. Die Liste befindet sich nämlich in meinem Kopf und nicht auf Papier. Ich sollte mich dahingehend besser organisieren. Gestern fiel mir aber „Project Hail Mary“ ein, ein erstaunlich gefühlvoller Science-Fiction-Film mit Ryan Gosling und Sandra Hüller, sowie einem felsenartigen Wesen namens „Rocky“, von einem fernen Planeten. Dann wollte ich noch „The Irishman“ von Scorsese weiterschauen. Meine Frau fand den so furchtbar, weil der hundertjährige Robert De Niro darin einen jungen Mann spielen soll und Robert De Niro als junger Mann ein ganz anderer Typ war. Das findet meine Frau ganz furchtbar. Aber ich schaute stattdessen „Discounter“ diese Hamburger Netflix-Serie, die ich in ihrer Gen-Zettigkeit wirklich hervorragend fand, aber nach sechs Folgen wurde es auch ein bisschen repetitiv.

Sandra Hüller jedenfalls. Die ist so super. Nie ganz greifbar. Total wandelbar.

Dann starben in diesen Tagen plötzlich Berühmtheiten aus der zweiten Reihe. Glen Hansard, der Hauptdarsteller aus „Once“. Ich fand den Film damals durchaus berührend, andererseits störte ich mich an dieser überromantisierten Straßenmusikerfolklore. Der Film wurde damals von europäischen Festivals abgelehnt, aber dann gewann er den Publikumspreis beim Sundance Festival. Und danach wollten ihn auch in Europa alle haben. Tja. So ist das. Ich verstehe aber, warum die europäische Kulturelite den Film ablehnte. Er ist objektiv zu kitschig. Subjektiv berührt er aber durchaus auf eine nicht zu plumpe Art.

Glen Hansard starb mit seinem Motorrad auf einer Landstraße in Irland. Ich will immer wissen, woran die Menschen sterben. Immer. Um zu wissen, wie nahe mein eigener Tod ist.

Dann starb auch Kavinsky. Wobei. Der ist eher eine Berühmtheit aus der dritten, vierten oder fünften Reihe. Auch Glen Hansard ist das, wenn man ehrlich ist. Kavinsky ist der Mann, der das düstere, electropoppige „Nightcall“ schrieb. Das Lied hörte ich zum ersten Mal, als Frau Fragmente mich Musik von der Band „London Grammar“ hören ließ. Es blieb mir vor allem das eindringliche „Nightcall“ hängen. „I’m giving you a night call to tell you how I feel.“ Langsam, dunkel, nur mit einem Piano begleitet. Später fand ich heraus, dass das Original ein Electropop-Song ist, der als Intro des Filmes „Drive“ mit Ryan Gosling gespielt wird, wo Gosling als professioneller Fluchtfahrer die Verbrecher ins Auto steigen lässt und sich von der Polizei wegmanövriert. An die Filmszene kann ich mich noch gut erinnern, aber das Lied hatte offenbar keinen Eindruck auf mich hinterlassen. Mit dem Umweg über die balladenartige Version von London Grammar verstand ich das Original erst richtig und verbrachte danach viele Stunden in Dauerschleife damit. In verschiedenen Variationen und Coverversionen.

Natürlich las ich danach alles über Kavinsky. Was mich sehr beschäftigte, war der Umstand, dass er nur als Kunstfigur Musik erschaffen kann. Weil er sich als Mensch nicht ernst genug nimmt. So erfand er seine künstlerische Autobiografie, dass er in den Achtzigern in seinem Ferrari tödlich verunglückte und dann als Zombie mit rot leuchtenden Augen zurückkam, um elektronische Musik zu machen. Das fand ich so schön. Es ist für mich nachvollziehbar, wie es die Kreativität abtötet, wenn man sich nicht ernst nimmt. Bei mir ist es eher umgekehrt. Nähme ich mich ernst, dann käme kaum etwas aus mir heraus.

Kavinsky war sechs Monate jünger als ich und starb an einem Schlaganfall. Der Tod kommt mir immer näher.

Danach versank ich den Rest der Nacht auf YouTube mit zahllosen Coverversionen. Auch mit Musik von M83, die in Kitschigkeit auch oft etwas drüber sind, aber „Outro“ ist dermaßen schön, dass ich es auf meinen Hamburgfahrten letzten Winter oft in Dauerschleife hörte. Als Video gibt es diese von einem User geschnittene Version, der Ausschnitte aus Lars von Triers Melancholia über das Lied legte. Wie Kirsten Dunst sich im Weltuntergang mit dem Kosmos vereint. Diese traumhafte Anfangssequenz aus dem Film. Das passt fast perfekt.

Apropos nächtliche Hamburgfahrten. Seit ich nicht mehr nach Hamburg fahre, höre ich auch das Hörbuch von Murakamis 1Q84 nicht mehr weiter. Ich war bei 91 % von den über 31 Stunden, die das Hörbuch lang ist. Als ich letztes Wochenende nachts in Rostock von der Fähre herunterkam, ereilte mich ein nostalgischer Moment. Diese nächtlichen Fahrten alleine auf der Autobahn. So schaltete ich das Hörbuch wieder ein. Tengo und Aomame. Wie zwei alte Freunde von mir.

[Mi, 29.7.2026 – Schuh]

Frau Klugscheisser fand mich immerhin seriös aussehen. In der Tat trug ich schwarze Lederschuhe, denn sie schlug anfangs vor, den Abend bei einem Absacker in der Rooftop-Bar des Park Inns am Alex abzuschließen. Sie nächtigte in dem Hotel und hat mit der Hotelkarte daher Zugang zur Bar in 120 Metern Höhe, ohne 6 Euro zahlen zu müssen. Sie sagte, sie kenne die Dresscodes der Bar nicht, aber zur Sicherheit sollte ich vielleicht keine Sneakers tragen, denn in diesen Bars weiß man ja nie, dann lassen sie einen nicht rein, sie reist von Berufs wegen sehr viel und landet häufig in diesen Lokalen, wo ihre männlichen Begleiter aufgrund der Sneakers wieder zum Ausgang gebeten wurden. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass es in Berlin diese Art von Dresscode gibt, es ist mir hier noch nie passiert, irgendwo abgewiesen zu werden, weil ich unter der Würde des Lokals angezogen war, in Berlin wird man höchstens abgewiesen, wenn man eine Unterhose trägt. Aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen und zog meine schicken Schuhe mit der unternähten Oberkante an. Während ich mich bis vor zehn Jahren weigerte, Turnschuhe zu tragen, schlüpfe ich seit zehn Jahren fast nur noch in informelles Schuhwerk.

Gestern trug ich jedenfalls meine alten Lieblingsschuhe. Beim Anziehen stellte ich jedoch fest, dass ich immer noch ausschließlich den Granny-Knot beherrsche, was bei diesem Schuh offenbar ein Unding ist, wie ich letztes Jahr hier in den Kommentaren lernte. Ich hatte aber keine Zeit, Youtube-Tutorials anzusehen, und hoffte darauf, dass Frau Klugscheissers Knigge-Augen nicht auf mein Schuhwerk fallen würden. Sie kommentierte es jedenfalls nicht.

Warum ich das eigentlich erzähle. Ich erzähle das, weil ich seitdem auf dem rechten Fuß einen auffälligen Schmerz habe, der sich innerhalb des Fußes befindet, einmal von oben durch bis zur Unterseite. Irgendwas im Gelenk. Ich humple. Und seit heute früh prangt ein riesiges Hämatom auf dem Fußrücken. Ich weiß, das ist wenig Pointe für so viel Vorgeschichte. Sie hat auch nur wenig Symbolwert, Aschenputtel und so, und die Metapher enthält weder Weisheit noch ist sie lustig. Aber das Hämatom beschäftigt mich. Deshalb erzähle ich es.

So.

[Di, 28.7.2026 – Back, smartass]

Wir haben am großen Küchenfenster ja keine Vorhänge. Dabei überlegen wir schon seit zehn Jahren, welche aufzuhängen. Aber ich bin sicherlich nicht der erste nackte Mann, den die Gerüstbauer gesehen haben.

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Der erste Arbeitstag ging gleich richtig los. Zuerst hatte ich einen Außerhaustermin beim Datenschützer, dann Briefings von meinen Mitarbeiterinnen, Briefings mit der Geschäftsführung, um 15:42 saß ich schließlich zum ersten Mal am Schreibtisch und schrieb „Hallo“ in den Teamchat.

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Am Abend war ich mit Frau Klugscheisser verabredet. Das letzte Mal, als wir uns sahen, war vor 18 Jahren in München. Es war sehr schön, sie wiederzusehen. Sie hatte eine Ausgabe meines Buches bei sich und wollte eine Widmung. Weil ich ja ständig auf der Straße von Autogrammjägerinnen angesprochen werde, hatte ich natürlich einen schwarzen Stift dabei. Sie war lustig drauf, und weil sie mich ein bisschen ärgern wollte, zeigte sie überall mein Buch herum und sagte, ich sei der berühmte Schriftsteller Markus Pfeifer. Das tat sie dann auch, als wir das Restaurant betraten, dabei versank ich mehrmals im Boden. Das Personal blieb freundlich. Aber auch unbeeindruckt. Neulich saß da nämlich Matthias Schweighöfer. Der schreibt zwar keine Bücher, sein Gesicht ist aber mindestens so bekannt wie meines.

Zu Frau Klugscheisser muss man wissen, dass sie kaum Alkohol trinkt und behauptet, nach zwei Gläsern richtig ungezügelt zu werden. Ich war zuversichtlich, dass Menschen in meiner Gesellschaft gerne mehr als zwei Gläser trinken, sie trank aber den ganzen Abend lang nur einen halben Vodka Lemon. Einen halben. Die andere Hälfte des Drinks nahm sie auf Ex, bevor wir uns kurz vor Mitternacht eine Jacke überzogen, um nach Hause zu gehen. Zu Frau Klugscheisser muss man auch wissen, dass sie kein Bier mag, und wenn ich sage, kein Bier mögen, dann meine ich das mit mehreren Ausrufezeichen, die ich aus stilistischen Gründen hier nicht hinsetzen will. Es stößt sie sogar ab, wenn der Atem von Menschen nach Bier riecht. Ich dachte zuerst, das sei ein Scherz. Was man außerdem über Frau Klugscheisser wissen muss, ist der Umstand, dass sie manche Witze nicht erzählen kann, weil sie dabei zu sehr lachen muss. Also zeigte sie mir einen Witz auf ihrem Handy. Wie sie da auf ihrem Telefon in der Galerie nach dem Witz suchte, weil sie es nicht schafft, ihn vorzulesen. Das fand ich so lustig, dass ich den eigentlichen Witz nach 5 Sekunden wieder vergaß.

Morgen fährt sie weiter an die Ostsee. Sie war noch nie an der Ostsee. Irre. Sie kommt aber sicherlich wieder nach Berlin.

[So, 26.7.2026 – Selbstbild, Berlin]

Mit Hund alleine auf der Fähre. Mein Bart und meine Frisur sind ausgewachsen, nein, verwachsen. Meine Unterschenkel sind zerkratzt und meine Haut ist braungebrannt. Man sieht mir an, dass ich aus dem Wald komme. Ich komme mir vor wie vom Männertyp einsamer Wolf. Und das ist nicht positiv besetzt. Nicht mehr. Früher war das doch einmal anders. Die einsamen Wölfe waren zwar damals auch schon scheiße, aber der Typus strahlte so etwas wie Freiheit aus. Einsame Wölfe wählen heute ja AfD oder Trump. Überhaupt alleinreisende Männer. In irgendeinem Interview las ich einmal, dass für weibliche Hotelangestellte die alleine reisenden Männer, die schlimmsten aller Gäste sind.

Aber ich wälze mich gerade unnötig in einem unvorteilhaften Selbstbild. Kaum jemand nimmt Notiz von mir, ich aber sehe mich hier auf der Fähre nur durch fremde Augen. Zu allem Überfluss räkelt sich auf dem Cover meiner Ausgabe der Traumnovelle eine nackte Frau und dahinter die Andeutung eines Männerkörpers. Deswegen verstecke ich etwas verschämt den Buchumschlag mit meinem Telefon, das allerdings zu klein ist. Gescheites Lesezeichen habe ich auch nicht. Letzte Nacht hatte ich meine Blutdrucktabletten zwischen die Seiten gelegt. Sah vorhin natürlich scheiße aus, als beim Aufklappen des Buches die Tabletten herausfielen. Einsamer Wolf. Wuff. Dick bin ich auch noch.

Der Hündin sind meine Brainfucks aber egal. Sie liegt auf dem Boden und schaut sich die Welt an.

So spät am Tag zu reisen, hat etwas Magisches. Auf der Fähre verabschiedet sich das Sonnenlicht, drinnen geht das künstliche Licht an, Kinder schlafen im Schoß ihrer Eltern. Der Tag geht in die Nacht über. In Rostock komme ich bei Dunkelheit an, die Fähre hatte Verspätung, es ist fast elf Uhr, ich fahre von der Fähre runter und in die Nacht hinein. Es sind nur wenige Autos unterwegs. Zuerst fahre ich nur 100. Aus unerfindlichen Gründen fühle ich mich nicht sicher genug, um schneller zu fahren, sogar 100 fühlt sich zu schnell an. Erst nach zwanzig Minuten fällt mir auf, dass ich mit Standlicht fahre. Ich muss fälschlicherweise etwas umgestellt haben. Nachdem ich das richtige Licht anschalte, fahre ich auch wieder 130. Es überrascht mich und auf gewisse Art freut es mich, dass ich unbewusst langsamer fuhr, weil mir die Sicht nicht gut erschien. Wenn ich gegen mich aussagen müsste, hätte ich geschworen, dass ich in dem Moment aus Prinzip 130 gefahren wäre, schlichtweg, weil es sich so gehört.

Gegen 1:00 Uhr komme ich in Berlin an. Es gibt genau einen Parkplatz in meiner Straße. Er ist nur halb legal. Deswegen ist er wahrscheinlich frei. Ich habe einen sehr schweren Koffer und tausende Taschen, ich nehme den Parkplatz also. Ich brauche noch ewig, um runterzukommen. Im Bett lese ich auf Bluesky vom Anschlag auf dem CSD. Fast alle meine Freunde waren da. Den ganzen Tag lang begleiteten mich Bilder vom CSD auf Social Media. Farben, Liebe. Beim Einschlafen dann: Bäm. Alles düster.

Kurz nach drei Uhr muss ich dann weggenickt sein.

[Fr, 24.7.2026 – Trüffel, Fähre, Hummeln]

Am Hang unterm Haus gräbt unsere Hündin ständig in der Erde, steckt ihre Schnauze in den Boden und gräbt wieder von vorn an einer anderen Stelle weiter. Gelegentlich holt sie dabei kleine, runde Steine heraus. Das macht sie auch manchmal in Berlin. Dort unterbinde ich es aber, weil sie sonst den ganzen Park umpflügen würde. Sie will nämlich, dass ich den Stein aufhebe und werfe. Weil sie nichts lieber tut als das: etwas Rundem hinterherlaufen, das durch die Luft fliegt.

Deswegen nahmen wir ihr heute auch wieder die Steine ab. Meine Frau wunderte sich aber, dass die Steine weich waren. Tatsächlich hatte sie mehrere solcher Steine ausgegraben und sie waren alle weich. Wir gingen hinauf zum Haus und schnitten sie auf. Sie waren innen schwarz. Wir machten ein Foto und schickten es der KI, die uns erhellte: Es handelte sich um einen Trüffel. Allerdings um einen sogenannten Hirschtrüffel, also keine essbare Variante. Das begeisterte uns dennoch. Kann es sein, dass wir hier seit fast 5 Jahren eine Trüffelhündin haben? Deswegen wollte ich auch gleich wissen, ob hier in der Gegend Trüffel wüchsen. Das ist hier allerdings nicht der Fall. 300 Kilometer weiter südlich, in Schonen, hingegen schon, das sei sogar eine an Trüffelpilzen sehr reiche Gegend. Offenbar wachsen sogar in Südtirol Trüffel, auch in der Gegend um Meran, wo meine Mutter und meine Schwestern wohnen. Ich werde beim nächsten Besuch sehr darauf achten, wo meine Hündin ihre Schnauze in die Erde steckt.

Am Samstag wollte ich eigentlich früh fahren, um die Fähre in Gedser um 13 Uhr zu schaffen. Im Laufe des Tages entschied ich mich dafür, die Fähre um 15 Uhr zu nehmen, ich müsste hier also erst gegen acht oder neun Uhr los. Dann bin ich gegen acht Uhr in Berlin. Als ich dann endlich am Abend die Fähre buchen wollte, stellte sich heraus, dass diese Fähre bereits ausgebucht ist und auch die Fähre um 18 Uhr. Lediglich die Fähre um zwanzig Uhr stand noch zur Auswahl. Das ist eine ungewohnte Zeit zu reisen, aber trotzdem gefällt mir der Gedanke. Ich muss morgen früh ohnehin noch das Boot aus dem Fluss ziehen. Mein Schwager kann das nicht alleine, man braucht vier Arme dafür, und mein kleiner Citroën ist etwas rustikaler als sein sportlicher Volvo.

Aber Mensch. Ich habe keine Lust, zurückzufahren. Am Montagmorgen habe ich gleich einen Termin mit dem Datenschutzbeauftragten. Wir haben ein schwieriges Thema auf der Agenda. Ich beginne die Woche sofort hart. Ich bestand darauf, diesen Termin sofort an dem Montag nach meinem Urlaub wahrzunehmen. So gehe ich immer vor.

Seit vorgestern kriechen dutzende Hummeln im Gras herum. Ich befragte das Internet danach. Jetzt stellt sich heraus, dass Hummeln im Juli an einem Lindenproblem leiden. Vor unserem Haus steht eine imposante, 80 Jahre alte Linde. Laut Internet sorgen Linden dafür, dass sie mit ihrem Geruch noch Hummeln anziehen, obwohl sie bereits keinen Nektar mehr in ihren Blüten tragen. Hummeln können sich daher nicht mehr ernähren, und weil sie zum Fliegen einen enormen Aufwand betreiben und somit mehr Energie verbrauchen, als sie aufnehmen können, fallen im Juli sehr viele Hummeln um Lindenbäume herum zu Boden, weil sie nicht mehr fliegen können, wo sie dann verenden. Man kann ihnen helfen, indem man ihnen Zuckerwasser zu trinken gibt. Wenn die Hummeln sofort ihre Rüssel nach dem Wasser ausstrecken, waren sie nur erschöpft und werden nach der Stärkung wieder fliegen können. Bis zur nächsten Linde zumindest. Ein paar von denen konnte ich helfen. Aber die Hummelwelt konnte ich jetzt damit nicht retten.

Ich packte dann den ganzen Tag. Ich schloss meine Maschinen weg, und duschte mich draußen mit lauwarmem Wasser bei kühlem und starkem Wind. Leider werde ich meinen Rasenmäher nicht richtig sicher verstauen können. Ich verlasse mich auf meinen Schwager, der im August das Haus winterfest macht, dass er die Maschine einigermaßen verstecken und mit der Kette des Bootes verbinden kann. Im Mai funktionierte das einigermaßen gut, aber da waren wir nur 5 Wochen weg. Leider bekomme ich die Scheune nicht richtig verschlossen. Dafür hätte ich noch einmal in die Stadt fahren müssen, um drei weitere Schiebeschlösser zu kaufen. Aber auch das wird nicht wirklich helfen, wenn jemand wirklich einbrechen will, dann wird er einbrechen können. Nun denn, ich werde mich an diese Unsicherheit gewöhnen müssen. Vielleicht sind meine Gefühle für den Rasenmäher einfach zu stark. Wegen der Kreissäge mache ich mir keine Gedanken. Auch nicht um den Bohrer, den Rasentrimmer, die vielen Schrauben, den Bohrer, die Schleifmaschine. Sogar um den Pizzaofen mache ich mir keine Gedanken. Aber schon um diesen Rasenmäher. Er hat mir hier wirklich geholfen.

[Do, 23.7.2026 – Wildkamera, Reisen generell, Familien-Instrumentarium]

In die Stadt gefahren, um nach den Wildkameras zu suchen, die ich hier installieren wollte. Meine Unternehmung blieb allerdings erfolglos. Es gibt ein Geschäft, etwa anderthalb Stunden von hier entfernt, in südlicher Richtung, da will ich aber nicht hin, das sind nämlich anderthalb Stunden in Richtung Berlin, das würde sich wie ein vorgeglühters Urlaubsende anfühlen. Ich werde den Ort am Samstag durchfahren, wenn ich mich tatsächlich auf dem Weg nach Berlin befinde, ich werde winken, vielleicht kehre ich dann nächstes Jahr im Mai ein, auf der nächsten Schwedenreise, da hatte ich dann neun Monate Zeit, mir Gedanken über das richtige Kameramodell und die richtige Batterie und das richtige Solarpanel zu machen.

Ach, neun Monate. Das ist schon eine lange Zeit. Eventuell überlegen wir, im Oktober oder November noch einmal zu kommen. Ohne die Hündin aber, dann können wir fliegen. Der Flughafen ist ja wirklich nicht weit entfernt, nur etwa 40 Minuten mit dem Auto, man könnte sich ein Auto mieten, für ein langes Wochenende. Andererseits verreise ich so gerne mit der Hündin, und ohne Hündin macht es hier auch nur so mittelmäßig Spaß, bzw. natürlich macht es auch ohne sie Spaß, aber ohne Hündin würde ich ständig denken, was sie gerade macht und dass sie es hier doch immer so gerne mag, sie hat hier ja wirklich die Zeit ihres Lebens. Natürlich ist es ihr prinzipiell egal, wo sie ist, solange sie von ihrem Rudel umgeben, aber hier hat sie schon noch einmal eine ganz andere Bindung zu ihrer Umgebung, als wenn sie in Berlin ist, wo sie vornehmlich unter meinem Schreibtisch liegt. Hier liegt sie nämlich an einer strategischen Ecke vor dem Haus in der Sonne und behält den ganzen Laden im Blick. Eine nicht zu unterschätzende Lebensaufgabe.

Und sonst so.

Ich baue meine Sache ab. Meine Frau wird noch eine Woche länger bleiben, die Scheune will ich aber vorher zugeschlossen bekommen. Auch das Boot muss ich noch aus dem Wasser ziehen und die Dusche muss vielleicht abgebaut werden, sie wird die Winterstürme nämlich nicht überleben.

Am Abend kochen wir Wokgemüse. Meine kleine Schwester befindet sich aber kurz vor einer akuten manischen Phase und meine ganze Familie ist in Aufregung und sehr besorgt. Am Abend führe ich viele Gespräche. Mehrmals mit meinem Vater. Auch mit meiner Mutter, die sich in einer Krisensituation befindet. Sie haben kein Instrumentarium, wie sie mit solchen Situationen umzugehen haben. Ich telefoniere mit meiner Schwester, aber mit Menschen in einer manischen Phase zu reden, ist nie zielführend, es wird in den nächsten Tagen wahrscheinlich wieder böse enden. Während der Gespräche, die sich den ganzen Abend zogen, kippte ich eine Flasche Cidre und sicherlich 5 Biere in mich hinein. Ich saß die ganze Zeit draußen mit dem Telefon am Ohr. Nach Sonnenuntergang kommen kleine Mücken, sie werden hier Knotsen genannt. Sie stechen mich nicht, ich weiß aber, dass sie meinen Schwager stechen, dennoch nerven sie. Vor allem, wenn ich telefoniere. sie schwärmen ständig vor meinem Gesicht, vor meiner Nase, man will sich deswegen durchgehend kratzen und alles von sich wischen.