Zuerst war ich bei Hertha auf der Geschäftsstelle, um mein Geschenk abzuholen, das wegen meines zehnjährigen Mitgliedsjubiläums auf mich wartete. Ich hatte die Wahl, es entweder an Spieltagen bei der Fanbetreuung, oder unter der Woche im Shop an der Geschäftsstelle abzuholen. Weil ich jetzt wieder in Berlin bin, werde ich zwar wieder zu den Heimspielen gehen, aber das nächste Spiel findet erst am 1. März statt, ich müsste also fast drei Wochen auf das Geschenk warten. Da ich heute aber ohnehin in der Stadt unterwegs war, fuhr ich zur Hanns-Braun-Straße am Olympiastadion. Ein blau-weißer Schal wartete dort auf mich. Nun.
Hätte ich das gewusst, dann hätte ich ihn drei Wochen warten lassen. Es ist mein fünfter Schal. Trotzdem: Ich liebe tatsächlich Fanmerch von Hertha und trage auch zu Hause Trainingstrikots, Pullover, Hosen oder Jacken mit der blau-weißen Fahne. Meine Hertha-Pantoffeln sind leider durchgelatscht, ich müsste mir neue besorgen. Dabei bin ich so unfassbar eitel. Es ist mir schleierhaft, wie man eitel sein und zugleich Fanmerch eines Fußballvereins tragen kann.
Auf dem Rückweg kehrte ich in die Mall of Berlin am Leipziger Platz ein. Die MOB. Oder um den Namen noch blöder klingen zu lassen: MOBBB. Ich mag aber Einkaufszentren. Wirklich. Nicht ironisch. In Einkaufszentren habe ich immer das Gefühl, ganz nah am Puls der Gesellschaft zu sein. Keine Nischen, keine Blasen. Nur das breite Abbild, die Zerstreuung, der Konsum. Das finde ich ganz wunderbar. Auch Beiläufigkeit. Wie die Menschen an den Schaufenstern vorbeipilgern. Wie zappen. Die Erwartungen. Die schulschwänzenden Mädls mit den Eisbechern. Der bärtige Typ mit einem lustigen Pulloveraufdruck sitzt dort auf einer Bank mit seinen Kopfhörern. Ich laufe in zwei Stunden etwa dreimal an ihm vorbei. Er sitzt nur da und lauscht. Einem Podcast vielleicht, oder einem Hörbuch.
Ich ging zu Thalia und kaufte mir Dostojewskis „Weiße Nächte“. Eigentlich habe ich derzeit keinerlei Lust, positive Gefühle gegenüber Russland zu haben. Ich weiß daher nicht, warum ich danach griff. Vielleicht, weil ich gerne an die weißen Sommernächte in Schweden denke, vielleicht, weil ich Lust auf eine Liebesgeschichte habe, vielleicht, weil Dostojewski ja doch einer der Guten ist. Mein Problem ist derzeit eher, dass ich vier ungelesene Bücher auf dem Nachttisch liegen habe. Ich komme in Gaea Schoeters Nashornbuch nicht rein. Ich glaube aber nicht, dass es am Buch liegt, ich habe in meinem letzten Hamburgmonat schlichtweg aufgehört zu lesen, wahrscheinlich suchte ich daher einfach nach einem Einstieg zurück in einen längeren Prosatext. Neben Dostojewski kaufte ich mir zudem Ferdinand von Schirachs „Regen“. Bereits vor einigen Monaten blätterte ich darin herum und war kurz davor, es mir zu kaufen, aber ich war zu neidisch auf den Buchtitel, also ließ ich es damals sein.
Die MOBBB und ihre faken Holzverkleidungen. Sie hielt immer den Anschein hoch, höhere Ansprüche zu haben. Anders als das Alexa, das immer etwas poppig und vulgär daherkam. Das Alexa mag ich, nach der kleinen Retromall an der Warschauer Brücke am liebsten. Aber dort sind keine Hunde erlaubt. Die MOBB ist seltsam ausgestorben. Viele Läden haben geschlossen, oder sie schließen. Sogar das große Wormland. Im Ostteil der Mall überwiegen die verblendeten Ladenfenster. Auch Besucherinnen gibt es dort kaum. Als die MOB öffnete, kannibalisierte sie praktisch die kleine Mall an der Potsdamer Straße. Diese wurde jetzt zu einem Foodcourt umfunktioniert, seitdem ist dort wieder etwas los. Auch das Sony Center nebenan, soll irgendwas mit Food werden. Ich hatte allerdings keine Zeit, vorbeizuschauen. In der MOB funktioniert immerhin der Food Court im zweiten OG. Er wirbt damit, der größte Food Court von irgendwas zu sein. Auch über die Oderberger Straße schrieb ich neulich, dass sich zunehmend Food aneinanderreiht, also Burger-, Pizza- oder Asialäden.
Jetzt müsste ich irgendwie ein Fazit daraus ziehen. Wollen wir alle nur noch essen? Das Fazit ist mir aber zu unterkomplex. Und auch nicht lustig.


