Am Freitagabend war ich mit Frau Casino wieder bei Josef Hader. War super. Hader kann bei mir wenig falsch machen. Ich werde das jetzt aber nicht hier besprechen. Kann man alles im Netz nachlesen.
Heute war das Spiel gegen den Karlsruher SC. Aus logistischen Gründen kam ich erst etwa fünfzig Minuten vor Anpfiff mit der S-Bahn an. Das ist die ungeeigneteste Zeit an den Drehkreuzen. Ich stand sicherlich 20 Minuten in der Schlange. Aber es wurde mir ein Platz freigehalten und das Banner war bereits aufgehangen. Eigentlich wollte ich heute nur Cola trinken, weil ich aber spät dran war und die Schlangen an den Getränkeständen sich gewohnt lange zogen, stellte ich mich zu einem dieser Bierwalker hin, da ist man schneller dran, aber wie der Name es sagt, ist ein Bierwalker kein Colawalker, also kaufte ich mir doch ein Bier.
Unten im Block war es voll. Das heutige Spiel gegen Karlsruhe ist wirklich etwas besonderes. Es gibt seit 49 Jahren eine aussergewöhnliche Freundschaft zwischen beiden Vereinen. Seit vielen Jahren spielten Hertha und der KSC in zwei verschiedenen Ligen. Seit zwei Jahren treten wir aber wieder sportlich gegeneinander an und diese Begegnung bringt das gesamte Olympiastadion und dessen Umfeld in eine ungewöhnlich bezaubernde Stimmung.
Herthafans singen „Karlsruhe“ und KSC-Fans singen „Hertha“ und es gab wiederholt Wechselgesänge zwischen beiden Fanblocks und das ganze Stadion sprang bei „Wer nicht hüpft, der ist ein Schwabe“, um Stuttgart, den Erzfeind der Karlsruher zu verballhornen. Es gab eine stadionweite Choreografie, über das weite Rund erstreckte sich der Satz „HERTHA UND DER KSC“, die Fans vermischten sich vor und nach dem Spiel völlig friedlich. Das ist ungewohnt. Und sehr schön.
Gewonnen haben wir trotzdem.
Nach dem Spiel sollte noch das neue Fanclubbanner imprägniert werden. Dafür hatten wir am Mittwoch keine Zeit mehr gehabt. Am Mittwoch lag das Banner ja in einer Wohnung, der Imprägniergestank hätte sich durch das ganze Haus hindurch gezogen, ausserdem musste zuerst ja die Farbe trocknen, das würde nicht funktionieren. Daher war der Plan, am Spieltag zuerst das Banner an das Tribünengeländer zu hängen und dann die Hinterseite zu besprühen. Es hätte die 90 Minuten plus Nachspielzeit und Halbzeitpause zu trocknen. Nach dem Spiel würden wir es noch einmal auslegen und dann die Vorderseite einprägen.
Ich schildere das für Dokumentationszwecke.
Die junge Niedersächsin, die neulich immer neben mir stand, steht jetzt nicht mehr neben mir, sondern hat jetzt eine andere Frau aus dem Fanclub gefunden, die mehr hüpft als ich. Also stand sie weiter hinten und die beiden hüpften fast ununterbrochen das ganze Spiel lang. Ich sagte zu ihr: Ich bin nicht eifersüchtig.
Fand sie gut. Sie sagte, ich hätte halt mehr hüpfen sollen. Deswegen stand ich heute neben dem Filmer-Ehepaar, die ich ohnehin gerne mag, aber die hüpfen eben auch nicht so gerne. Überhaupt war das heute ein Hüpfspiel. Ständig einhaken und springen. Ich spüre das schnell in den Waden und dem Schienbeinmuskel. Nach dem Spiel, als wir uns am Rondell trafen, hatten fast alle aus dem Ü-40 Bereich irgendeine Beschwerde im unteren Körperbereich.
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Übrigens: kurz vor Anpfiff gab es eine partielle Sonnenfinsternis. Siehe Foto. Aber der Himmel war bedeckt.




