[Do, 15.1.2026 – Inuit, Edeka, cruisen]

Bei der Diskussion um Grönland wird kaum über die Grönländerinnen geredet, sondern immer nur über Dänemark oder die USA. Dass Trump es von den Dänen will. Es scheint wenig darum zu gehen, was die Leute in Grönland, genauer gesagt, die Inuit, eigentlich wollen. Und die Umfragen zeigen ja, dass die übergroße Mehrheit dagegen ist, von den USA übernommen zu werden. Was man aufgrund der grönländischen Bestrebungen nach Unabhängigkeit auch gut nachvollziehen kann. Damit sollte die Diskussion eigentlich beendet sein.

Trump redet aber nur von Dänemark. Auch die Medien geben das so wieder. Es geht inhaltlich nur um den dänisch-amerikanischen Zwist. Nicht um die Inuit. Trump redet davon, dass Dänemark nicht unbedingt Recht auf die Insel hat, weil da mal vor 400 Jahren ein dänisches Schiff angelegt hat. Dass da aber seit ein paar Tausend Jahren Menschen leben, spielt für ihn offensichtlich keine Rolle.

Aber ich ahne, wie das weitergeht. Die werden die 50.000 Inuit derart mit Geld zuscheißen, dass sie freiwillig zu den USA kommen. Die Rechnung ist simpel. Es sind 50.000 Menschen. Gib jedem hunderttausend Euro, das kostet die USA etwa 5 Milliarden. Das ist für Leute wie Musk Taschengeld. Oder um sie richtig mürbe zu machen: Gib jedem Grönländer eine Million. Das sind dann 50 Milliarden. Dafür legen die paar Big-Tech-Boys ihr Taschengeld zusammen und schon ist das Thema erledigt. Ansonsten lässt sich das auch beim amerikanischen Militärbudget als kleinere Nebenkosten abrechnen.

Das wird so kommen. Sie werden die Bewohner mit Geld zuscheißen. Sie werden Entscheider und Wirtschaftsleute mit lukrativen Deals zumüllen.

Menschen sind immer käuflich. Das meine ich gar nicht despektierlich.

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Weil ich es am Freitag zu Feierabend immer eilig habe, weil ich mich zurück nach Berlin sehne, wo meine Hündin und meine Frau auf mich warten, will ich keine Zeit verlieren, ich will nur ins Auto steigen, auf das Gaspedal drücken und ohne Pause über die A24 nach Hause düsen. Deswegen tanke ich immer am Donnerstag. Ich will auf dem Rückweg keine wertvollen Minuten auf Tankstellen verlieren. Oft kombiniere ich den Tankvorgang am Donnerstag mit einem Gang zu Fittix. Heute fuhr ich aber zu einem großen Rewe in Eimsbüttel. Ich wollte mich mit zuckerfreien Sahnebonbons von Vivil eindecken. Seltsamerweise gibt es die bei Rewe aber nicht. Auch nicht in dem Großen. Die gibt es anscheinend nur bei Edeka, aber Edeka habe ich in Hamburg in freier Wildbahn noch nie gesehen. Viele Rewes, Kauflands, Lidls, Pennys, aber kein Edeka. Ein kurzer Blick in Gmaps verrät mir, dass ich mit meiner Annahme natürlich falsch liege.

Aber jetzt ist es auch egal.

Dafür cruiste ich durch die Stadt. Ich bin mittlerweile ein richtig guter Autofahrer geworden. Das hätte ich mir vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen können. Wie ich da so mit lauter Musik durch Hamburg cruise. Fast möchte ich wieder anfangen zu rauchen.

[Mi, 14.1.2026 – Pluri, Teheran, Typo]

Es waren noch drei Folgen Pluribus übrig anstatt zwei, deswegen war ich gestern nach der vorletzten Folge so müde, dass ich die Staffel nicht zu Ende schauen konnte. Die Geschichte trabt immer noch in einem Lo-Fi-Beat vor sich hin und hat einzelne, sehr starke Momente. Von der letzten Folge wurde aber dermaßen viel geschwärmt, dass meine Erwartung jetzt ungemein hoch ist. Jedoch ahne ich bereits, dass mich das Ende nicht so mitnehmen wird, wie den Rest der Welt. Dafür fand ich die bisherigen acht Folgen schlichtweg zu – wie soll ich sagen, ohne ein zu pejoratives Adjektiv zu verwenden, das aber trotzdem meine Begeisterungslosigkeit ausdrückt? Begeisterungslos! Die bisherigen Folgen haben mich zu wenig begeistert, und das war es, was bei den anderen Mitmenschen der Fall war: Sie waren von der ganzen Serie begeistert. Ich hingegen finde: Ja, sie hat was. Das Ende wird vermutlich auch einfach nur etwas haben.

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Offenbar habe ich viele iranische Bekannte, denn in meinen Timelines erscheinen viele Videos der Unruhen in Teheran. Alle Iranerinnen, die ich kenne, sind ehemalige Mitarbeiterinnen, mit denen ich erstaunlicherweise ein gutes Band übrigbehalten habe. Einmal ist mir aufgefallen, dass Exiliranerinnen fast ausnahmslos Alkohol trinken, und das sagt vielleicht nichts Gutes über europäische Arbeitskultur aus, aber Iranerinnen gingen eben immer mit auf einen Feierabenddrink, während andere Muslime, wie z. B. Ägypterinnen, da nie mitmachten und daher immer etwas außen vor blieben. Aus diesem Grund fand ich mit Menschen aus dem Iran immer eine persönliche Ebene, die auch Firmenauslösungen oder einen Jobwechsel überwand.

Ich wünschte, die Mullahs gehen bald in die Knie. Aber gut, diesen letzten Satz könnte ich mir auch sparen. Jedenfalls verteile ich gerade viele Herzchens.

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Ich glaube, ich habe jetzt das neue Theme so ausgenommen, dass es mir gefällt. Es unterscheidet sich wenig vom vorigen Theme, aber dieses ist jetzt erst einmal zukunftssicher und ich habe nach vielen Jahren meinen schwarzen Balken wieder zurück. Über die Typo bin ich mir noch etwas unsicher, aber das bin ich mir bei Typo ja immer.

(Bin ein Typo Negative. Hrhr.)

[Di, 13.1.2026 – Moin, Aliens, das große Bäm]

In Hamburg war früher weniger Moin. Man wird hier ständig angemoint. Ich bilde mir ein, dass das vor zwanzig Jahren noch nicht der Fall war. Überhaupt scheint mir die ganze Stadt norddeutscher geworden zu sein. Früher empfand ich die Stadt als sehr deutsch, also normaldeutsch, im Vergleich zu München zumbeispiel, aber das kann auch damit zusammenhängen, dass ich gerade aus Madrid zum ersten Mal nach Deutschland zog und alles deutsch für mich war, sodass ich die Nuancen noch nicht gut kannte. Dennoch wurde nicht so viel gemoint, das bin ich mir sicher. Für mich fühlt sich die Stadt auch allgemein wesentlich norddeutscher an, anders als Berlin, das spanischer und britischer geworden ist, polnischer auch, Hamburg wurde hingegen norddeutscher. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, Norddeutschland war schon immer mein favorisierter, germanophoner Landstrich.

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Vorgestern am Berliner Hauptbahnhof war etwas passiert. Der ganze westliche Bereich des Untergeschosses wurde gesperrt. Zwei oder drei Dutzend Polizisten waren aufgetaucht, sie sperrten dann auch die oberen Etagen des westlichen Bereiches ab. Es sollte verhindert werden, dass man hinunterschauen konnte. Unten neben dem haltenden ICE war ein Zelt aufgebaut. Es waren aber keine Sanitäter da, auch keine Feuerwehrleute. Nur massenweise Polizisten. Meine Frau schrieb, dass Zelte immer Spurensicherung bedeuten. Die Polizisten gaben natürlich keine Auskunft, auch die Polizeiticker berichteten nicht davon. Wir wurden alle etwas unsanft weggejagt, sie waren richtig unentspannt. Ich hatte den Tagesspiegel auf Refresh, auch RBB24, aber niemand berichtete davon. Auch später am Abend nicht, auch Montag nicht und auch heute nicht. Vielleicht sind Aliens gelandet.

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Gestern lag ich auf dem Bett und schaute Pluribus auf dem Telefon. Es wundert mich, dass ich keine Nackenschmerzen davon bekommen habe. Ich bin mir noch nicht sicher, wie mir die Serie gefällt. Das langsame Erzählen funktioniert für mich durchaus, sogar das Repetitive und die konsequent niemals gekürzte Bandansage „we need a little space“ fügen sich in diesen langsamen, optischen Lo-Fi-Beat ein. Ich frage mich, wie das Drehbuch für die Serie geschrieben ist. Ich lernte, dass man grob pro Filmminute eine Drehbuchseite rechnet. Die Drehbuchseiten von Pluribus dürften ziemlich leer aussehen.

Es gab auch ein paar wirklich gute Momente. Aber dennoch warte ich noch auf ein großes Bäm. Die ganze Serie scheint mir auf einen großen Knall hin zu traben. Die ganze Unruhe, die ganze Vorahnung. Gleich lege ich mich ins Bett und schaue die letzten beiden Folgen. Bis Mitternacht bin ich damit durch. Falls das große Bäm noch kommen sollte, kann ich vielleicht nicht mehr einschlafen.

Nun.

[Down Theme-lane]

Das WordPress-Theme dieses Blogs scheint veraltet, es gab seit 8 Jahren kein Update mehr. Das habe ich herausgefunden, weil ich etwa alle 8 Jahre checke, ob es für mein Theme noch Updates gibt. Weil veraltete Themes eine Website hackbar machen, musste ich jetzt also ran. Daher verändert sich die Optik dieses Blogs gerade alle paar Stunden oder Minuten. Ich bin noch etwas unschlüssig. Viele Themes sind in die engere Auswahl gekommen, aber keines gefällt mir so richtig.

Vor ein paar Jahren nahm ich via archive.org Screenshots aus den verschiedenen Design-Epochen dieses Blogs. Das Design ist über die 23 Jahre hinweg ziemlich konstant geblieben. Hauptsächlich schwarz/weiß, kaum Farbe und immer eine Sidebar. Fast immer rechts. Ich bin kein Webdesigner, ich kann das nicht gut, ich nahm immer schöne Themes, machte dann aber alles Schöne und Bunte darin kaputt, damit es mehr oder weniger zu dem wurde, was ich wollte.

2004:

Ganz am Anfang hatte ich sogar noch ein Foto als Banner. Das stellt Plastikfernseher dar, die ich in Madrid fotografiert hatte. Die standen dort als Hintergrund der Bar im Tupperware Club, nahe der Metro Tribunal.

Damals schrieb ich auch noch zweisprachig, weil hier noch Freunde aus den Niederlanden und Spanien mitlasen. Das funktionierte aber schnell nicht mehr.

2005:

In 2005 hatte ich das Logo entfernt und behielt nur noch die Sidebar. Das Blog lief damals auf Greymatter. Ein statisches Blogtool, das in jenen Tagen bereits veraltet und nicht mehr gut gepflegt war. Das Blog lief aber auf einem kleinen Server in einem Wiener Büro bei Freunden, der konnte mit dem wesentlich ressourcenintensiveren WordPress nicht umgehen.

Ganz besonders süß finde ich im Screenshot aus 2005 meine ICQ Nummer. Als ich das sah, war ich versucht, mir einen ICQ Client zu installieren und mich einzuloggen, aber dann ergoogelte ich, dass der Dienst im Sommer 2024 endgültig eingestampft wurde. Es wunderte mich ehrlicherweise, dass es noch so lange überlebt hat, andererseits hätte es mich auch nicht gewundert, wenn ICQ noch eine dunkle Ecke des Internets bewohnt hätte. Eine Art Limbo, in der sich Compuserve- und AOL-Nostalgiker zurückziehen und mit Altavista googeln.

2007:

Da hatte ich schon keine ICQ Nummer mehr. Das Menü ist aber auf der rechten Seite geblieben, wo es dann auch die nächsten beiden Jahrzehnte blieb. Seitdem kann ich mich mit einer Sidebar auf der linken Seite nicht mehr anfreunden. In 2007 lief das Blog offensichtlich auch auf WordPress. Dafür ging ich vom Server meiner Freunde runter und mietete mir einen eigenen Server bei Hetzner oder Strato, ich weiß es nicht mehr genau. Das war noch alles Handarbeit, da es keine Anbieter gab, die reine WordPress-Installationen zur Verfügung stellten.

Das 2007er Design verwendete ich offenbar eine ziemlich lange Zeit. Acht Jahre, um genau zu sein. Obwohl es mir eigentlich nicht so gut gefiel. Der schwarze Balken wuchs mir aber ans Herz.

2015:

Das war eines meiner Lieblingsdesigns. Damals hieß das Blog noch „Spaeter. Truebe.“ Ich mochte Wetter offensichtlich immer schon.

2017:

Ich wollte allerdings immer einen dickeren schwarzen Block oben im Header. Was ich mir bei den blauen Links gedacht habe, weiß ich allerdings nicht.

2021:

Vier Jahre später hatte ich eine kurze Phase, mit einem Theme, das ich etwas uninspiriert fand, aber ich musste das alte Lieblingstheme ersetzen, weil es veraltet war und nicht mehr mit neueren WordPress Versionen funktionierte.

2022:

Und dann das Theme, das ich eigentlich das schönste von allen bisherigen fand. Zwar schaffte ich es nicht mehr, den schwarzen Block darzustellen, aber es passte auch so relativ gut. Offenbar hatte ich aber nicht auf das Alter dieses Themes geachtet, weil es zu jenem Zeitpunkt bereits seit 5 Jahren nicht mehr aktualisiert worden war. Aber jetzt, drei Jahre später, wird es wirklich Zeit, mich davon zu trennen.

[So, 11.1.2026 – Home improvement, Wolf Haas, Schlechte Userexperience auf Zugfahrten]

Meine Frau hat große Pläne für die Verschönerung unserer Wohnung. Ihre Pläne erfordern jedoch immer meine tatkräftige Unterstützung. Alles, was Kraft und Maschinen verlangt, wird direkt in meine Aufgabenliste geschrieben. Ich fühle mich sehr geehrt davon, wenn ich sehe, was sie mir alles zutraut. Ich strenge mich natürlich an, die handwerkliche Erwartung an mich zu erfüllen. Vielleicht macht sie das aber auch mit Absicht. Ich habe sie nach 17 Jahren noch nicht ganz durchschaut.

Aber ihre Ideen sind gut. Ich werde jetzt eine Schiebetür in der Küche bauen, damit wir diesen seltsam ungenutzten Raum dahinter besser nutzen, bzw. ein Aufbewahrungssystem hinstellen können, wodurch das sogenannte Kühlklo leerer wird, das jetzt mit sehr vielen Küchenutensilien, Werkzeug und Bettwäsche vollgestellt ist. Das Kühlklo ist ein völlig überflüssiger Raum, es ist eher eine Art Waschküche, aber ohne Waschmaschine. Es ist ein eigener WC-Raum mit Waschbecken. Der Raum hat ein Fenster und ich finde ein Klo mit Fenster totale Raumverschwendung. Ich möchte das Waschbecken entfernen und die Toilettenschüssel ins Badezimmer umziehen, denn dieser Raum eignet sich perfekt als kleines Gäste- bzw. Penséezimmer.

Auf dem Rückweg nach Hamburg nahm ich wieder den Flixtrain. Die Fahrt sollte um 18Uhr beginnen. Zuerst war der Zug nur 45 Minuten verspätet, dann 60, dann 75, dann 139 Minuten. Ich kenne jetzt das gesamte Sortiment von Relay auswendig. Wolf Haas hat ein neues Buch geschrieben. Das scheint mir irgendwie entgangen zu sein. Ich finde es ja gut, dass er sich jenseits der Brenner-Romane ein Renommee aufgebaut hat und als ernsthafter Autor gilt, dessen Bücher sogar bei Relay am Hauptbahnhof verkauft werden. Ich fand die Brenner-Romane ausgesprochen gut, das war wirklich eine neue Erzählstimme da draußen, nach dem vierten Teil, fand ich es aber auch langsam auserzählt. Seine anderen Bücher habe ich hingegen nie gelesen. Ich fand bereits die Titel ein wenig prätentiös, und was ich aus den Inhaltsangaben und den späteren Buchbesprechungen entnahm, interessierte mich zu wenig. Allerdings freut es mich, dass komplexere Schriften auf Bahnhöfen ausliegen.

Nach 139 Minuten fuhr der Zug jedenfalls im Berliner Hauptbahnhof ein, und wir konnten endlich losfahren. Irgendwann, irgendwo in einer finsteren Gegend zwischen Berlin und Hamburg, blieben wir allerdings wieder stehen und es kam die Ansage durch, dass eine Weiche gefroren sei und sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern würde. Unbestimmte Zeit ist nie ein gutes Zeichen. Ich hatte mir die Serie Pluribus auf das Telefon heruntergeladen. Weil mein Buch – ein isländischer Thriller – mich überhaupt nicht thrillt, hatte ich immerhin eine hervorragend besprochene Serie zu schauen. Ich finde sie bisher mittelmäßig. Mich nervt vor allem die schlechte Laune der Hauptdarstellerin. Aber diese globale Persönlichkeit finde ich als Denkansatz interessant. Bisher komme ich nicht darumhin, sie als Metapher zu LLMs bei Künstlicher Intelligenz zu sehen. Ich hoffe, es steckt jedoch mehr dahinter.

Wegen der Weiche hingen wir kurz vor Salzwedel fest. Nach 45 Minuten konnten wir weiterfahren. In Uelzen standen wir aber wieder außerplanmäßig. Fast eine ganze Stunde lang. Wegen eines Polizeieinsatzes, bei dem der Zug überprüft werden musste, aufgrund eines Unfalls, der auf der Strecke offenbar geschehen war. Die ganze Zeit war ich positiv überrascht davon, wie gechillt die Leute die ganze Zeit geblieben waren. Wir näherten uns aber Mitternacht und Hamburg war immer noch weit entfernt. Die Bahnen würden dann nicht mehr fahren. Die Passagiere waren hauptsächlich junge Leute, viele im Schüleralter. Es begann eine Unruhe.

Um 00:45 Uhr kamen wir schließlich in Hamburg Hbf an. Ich hatte schon im Oktober eine schlechte User Experience mit dem Zug. Es wäre cool, wenn mein Glückskonto jetzt voll gefüllt ist.

[Sa, 10.1.2026 – Eis, Greenland]

Die Hündin ist bei diesem Wetter unglaublich gut gelaunt. Sie rennt aus dem Haus und macht kleine Luftsprünge, während sie sonst nur neben mir hertrappte. Ich lasse mich von der guten Laune mitreißen. Morgens hatte es sieben Minusgrade, aber die Wintersonne wärmte uns. Ich traf ein paar Freunde im Park. Wir standen aufgereiht und drehten den Rücken der Sonne entgegen. Das war schön.

Abends war ich auch auf der Weihnachtsfeier meines Fanclubs. Eines unserer Mitglieder ist Köchin im „The Grand“ in der Hirtenstraße. Dort durften wir den Speisesaal und die Bar benutzen. Die Heizung war offenbar nicht in der Lage, die großen Räume in dem alten Gemäuer rechtzeitig zu erwärmen. Draußen wehte der Wintersturm bei Minus irgendwas. Im Laufe des Abends sorgten wir Partymäuschens mit unserer Körperwärme immerhin für etwas Temperatur. Meine Hände wurden aber den ganzen Abend nicht richtig warm.

Ich habe nie kalte Hände. Und nie kalte Füße. Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Dabei kommt mir vor, dass ich diesen Satz in ähnlicher Form schon einmal geschrieben habe. Die Erfahrung fühlt sich aber immer wie neu an. Nach der Party stand ich am Alex im eisigen Wind und wartete auf das Taxi. Der kalte Wind wehte durch mich hindurch und ich war richtig ausgekühlt. Das Taxi auf der App näherte sich fünf Minuten lang nicht. Daher rief ich den Fahrer an. Er sagte mir, er würde jeden Moment starten, er müsse nur noch den Döner zu Ende essen. Er bekam dann kein Trinkgeld. Mein passiv-aggressiver Protest.

Heute Abend gingen wir zu den Nachbarn Pizza essen. Ich kaufte noch schnell ein paar Biere, dabei fiel mir der Beutel entgegen, den wir im Oktober in Grönland kauften.
Zeitgemäß stand I now with Greenland. Aber bei Edeka wusste natürlich niemand, was das für eine Flagge ist:

[Do, 8.1.2026 – Flixtrain, Postapokalypse]

Wegen des aufkommenden Wintersturms verzichtete ich schließlich auf die Autofahrt nach Berlin, dafür nahm ich heute den Zug. Zu dieser Uhrzeit fuhr ein Flixtrain. Bin ich noch nie mit gefahren. Da ein Ticket von Flixtrain weniger als die Hälfte des Preises bei der DB kostete und es ausgezeichnet in meine Lebensplanung passte, kaufte ich mir schließlich eine Karte bei dieser kleinen Bahnkonkurrentin.

Nun kenne ich mich bei der Budgetstruktur der Deutschen Bahn nicht aus und weiß auch nichts darüber, wie sich Flixtrain finanziert. Dennoch bin ich ziemlich erstaunt über den Preisunterschied.
Was mir gefällt, ist die pragmatische Einrichtung. Ohne den seltsam unluxuriösen Luxus der ICEs. Das mochte ich auch immer an den schnellen TGVs in Frankreich. Sie haben nichts Luxuriöses an sich. Sie waren einfach nur schnell und sexy. Von A nach B. Ein bisschen wie UNIQLO. Smarte Stangenware, unprätentiös und trotzdem supergut.

Der Flixtrain war von der Bauart her eine Art IC. Aber ohne die schlechte Laune. Das Personal wirkte fröhlich, das ging sofort in mir über. Die Wahrnehmung ist natürlich vollkommen subjektiv und sehr situativ. Neuerdings habe ich die Bahn auch nicht mehr so muffelig wahrgenommen und die TGVs sind heute auch schon wieder anders. Ich fuhr vor 25 Jahren regelmäßig mit dem TGV nach Paris und weiter nach Madrid.

Spannend fände ich es, wenn Flixtrain Hochgeschwindigkeitszüge anschafft. Wie sich das preislich auswirken würde. Der Tenor ist ja, dass Flixtrain so günstig ist, weil sie langsame Verbindungen anbieten, aber das lasse ich nicht gelten. Der Zug ist gleich schnell wie ein IC der DB. Und nein, Research und Entwicklung, sowie Infrastruktur kann man da nicht einrechnen, weil Flixtrain die ja dann über die Miete wieder ausrechnet. Es ist naheliegend, dass die hohen Kosten an den Konzernstrukturen der Bahn liegen. Aber das sagt sich halt so dahin.

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Der Sturm zieht irgendwie nicht richtig an. In Berlin fällt kein Schnee, es ist auch nicht besonders kalt. Auch die Wettersituation in Hamburg scheint den Umständen entsprechend entspannt. Nach der ganzen Aufregung, die ich in den letzten beiden Tagen verspürte, fühlt sich die ausgebliebene Apokalypse noch nicht einmal postapokalyptisch an.

[Mi, 7.1.2026 – Schneesturm kommt auf, bei Kutteln und Wildschwein]

Morgen Abend zieht ein Wintersturm auf, der bis Sonntag anhalten soll. Ich überlege deswegen schon morgen am frühen Abend zurück nach Berlin zu fahren. Sonst hänge ich eventuell das ganze Wochenende in Hamburg fest. Zugegebenermaßen mag ich ja diese Wetterlagen. In den Dolomiten dauerte der Winter fast 6 Monate lang. Wenn Filme mit Schneestürmen beginnen. Autoszenen. Draußen dichte Schneeflocken und Finsternis, die Scheibenwischer wischen gegen die widrigen Umstände an. Ich mochte auch die Szene in Misery, als der Schriftsteller im Schneesturm durch Maine fährt. Das sind Bilder, die meine Kindheit prägten. Was mit dem Schriftsteller danach geschah, mochte ich weniger. Wobei: Er bekam gutes Essen ans Bett gebracht.

Heute war ich mit Lars im Vienna in der Fettstraße verabredet. Wir lernten uns vor etwa zwanzig Jahren im Vienna in der Fettstraße kennen. Er war auf mein Blog gestoßen und las es einmal von vorn bis hinten durch. Danach wollte er mit mir essen gehen. Wir hatten damals einen unterhaltsamen Abend mit Speis und Trank. Deswegen wiederholten wir das noch mindestens zwei Mal. Danach trafen wir uns sporadisch, auf Lesungen, aber auch in Berlin, nachdem ich aus Hamburg wegzog. Jetzt, wo ich unter der Woche immer in Hamburg bin, schlug ich ihm vor, erneut ins Vienna in der Fettstraße zu gehen. Vienna und Fettstraße. Ich weiß nicht, warum ich dem Restaurantnamen immer Fettstraße hinzufüge. Vienna alleine klingt so banal. Die Adresse Fettstraße adelt das Ganze irgendwie. Ich möchte aber nicht eine Adresse in meiner Visitenkarte führen, die auf Fettstraße verweist.

Er aß Kutteln, ich aß ein Wildschweingeschnetzeltes. Am Nachbartisch saßen zwei schwäbische Künstlerinnen, die eine hieß Stefanie Betz und die andere Laura Siebeck. Die eine macht wilde, expressionistische Kunst, die andere eher strenge, geometrische Formen. Beide malen sie und sie stellen gemeinsam aus. Bekannte fanden die Kombination ungewöhnlich und widersprüchlich. Als sie zusammen ausstellten, stellte sich jedoch heraus, dass die beiden, offensichtlich widersprüchlichen Stile, hervorragend zueinanderpassen. Wir hatten einen sehr lustigen Abend. Zuerst nur Lars und ich, danach mit den beiden lustigen und klugen Frauen. Wir redeten über Dialekte, Herkunft, und über das Leben in Dörfern. Wir wohnen jetzt alle in großen Städten. Ich geriet in die Situation, dass ich die Spuk-Elemente aus meiner Novelle erklären musste, das konnte ich aber nicht gut, das sind ja eher die Begleitumstände der Geschichte, das lässt sich nicht erklären. Auch der alte Mann vor zwei Wochen im Krankenhaus, auch der wollte über die Geister aus dem Buch sprechen. Die Geister sind ja nur da, weil man sie nicht hinterfragt. Ich muss mir da einen besseren Pitch ausdenken, ich kann mich nicht wiederholt in langweiligen Erklärungen verlieren.

Schwäbische Künstlerinnen. Das klingt wie eine Typisierung. Das ist ungewollt und unangemessen. Laura wohnt seit Jahrzehnten in Hamburg. Stefanie zwar nicht, aber beide leben von ihrer Kunst. Das muss zuerst mal jemand nachmachen.

[Mo, 5.1.2026 – Schicksalsgemeinschaft in Schnee und Eis]

Diese Wehleidigkeit, mit der ich auf die derzeitige Weltlage blicke. Ich hasse sie.

Ich spreche die Blogbeiträge jetzt auch wieder ein. Das ließ ich nur während der beiden Wochen ausfallen, in denen ich nicht zu Hause war. Da stimmen die Umstände fürs Einsprechen nämlich nicht.

Weil ich heute bei dem Schnee keine Lust hatte, den langen und beschwerlichen Fußweg durch Schnee und Eis ins Fitnessstudio zu latschen, nahm ich das Auto. Die Schneeberge beginnen sich bereits an den Straßenrändern anzuhäufen und hier in den Außenbezirken der Stadt, wird für Fußgängerinnen nicht geräumt. Nun hatte ich gerade heute bei diesem Eiswetter die geniale Idee, nicht nur das Auto zu nehmen, sondern meine etwas unerwartete Mobilität gleich zu nutzen und ein anderes Studio von Fittix aufzusuchen, nämlich das im entfernteren Rahlstedt. Die Fahrt sollte eigentlich nur 30 Minuten dauern. Genauso lange wie der Fußweg ins Studio in meinem Viertel. Aufgrund der Wetterverhältnisse wurden aus der halben Stunde allerdings 44 Minuten.

Während meines Aufenthaltes zwischen den Muskelgeräten schneite es heftig und die Temperatur war auf minus 1 gesunken. Jetzt waren die Straßen gefroren. Beim Starten scherte ich ordentlich aus.

Wie wir alle mit 20 km/h durch die Stadt schlichen. Alle hintereinander. Keine hektischen Bewegungen. In den Kurven den Atem anhalten. Nicht bremsen, nicht stoppen, nicht ausscheren, wie Schildkröten, die den Hintern des Vorderen fixieren. Wir waren eine Schicksalsgemeinschaft in dieser feindlichen Welt aus Eis.

[So, 4.1.2026 – Fischland, Powerbanks, Völkerrecht, Wintersonne, auf Reisen]

Was ich jetzt weiß: Das, was wir Berlinerinnen landläufig als die Halbinsel Darß bezeichnen, sind in Wahrheit drei ehemalige Inseln, wovon nur eine Darß hieß. Die anderen beiden waren Zingst und Fischland. Fischland und Darß wurden schon im 14. Jahrhundert zu einer Halbinsel aufgeschüttet. Sechshundert Jahre später erst verband man Zingst. Warum wir ignoranten Städter die Gegend immer Darß nennen, weiß ich nicht. Wenn schon einen einzigen Namen, dann doch lieber Fischland. Ich würde gerne Fischland in meiner Adresse tragen. Apropos Fischland: Am 20. dieses Monates werde ich eingebürgert. Ich werde eine Urkunde erhalten und stolzer Bürger dieses Landes sein. Deutschland. Als ich vor ein paar Tagen aber das Schild „Fischland“ am Ortsausgang von Ahrenshoop sah, dachte ich: Wie schön wäre es, Staatsbürger eines Landes mit dem Namen Fischland zu sein. Alle würden uns lieben.

Währenddessen verüben linksradikale Spinner einen Anschlag auf das Stromnetz in Südwestberlin und erwarten ernsthaft Verständnis von der Bevölkerung. Mein Freund Benny ist ohne Strom. Er heizt und kocht allerdings mit Gas, also ist die Lage für ihn und seine Familie nur halb so schlimm. Ich suche sofort meine drei Powerbanks und lade sie auf. Sie waren natürlich fast leer. Powerbanks sind ja immer fast leer. Jetzt sind sie aufgeladen und ich komme mir ein wenig albern vor.

Im Südwesten scheinen die Menschen größtenteils gut gelaunt und gut versorgt. Es gibt doch noch eine Art soziales Unterstützungsnetzwerk. Ich finde es dennoch erstaunlich wie wenig öffentliches Entsetzen es darüber gibt, dass einfach mehrere Stadtteile einer westeuropäischen Industrienation lahmgelegt werden können. Zumal der Ausfall möglicherweise erst am Donnerstag gelöst wird.

Auf der anderen Seite des Atlantiks greifen rechtsradikale Spinner einen souveränen Staat an und verhaften dessen Präsidenten. Es wird spannend, wie man jetzt in den Friedensgesprächen mit Russland mit dem Völkerrecht argumentieren will. Mit der Betonung auf „will“. Wollen tut man ja ohnehin nicht. Nur wir Europäer reden noch vom Völkerrecht. Manchmal kommt es mir vor, wir glauben immer noch an den Weihnachtsmann.

It’s a mess.

Heute Morgen war draußen unfassbar schönes Licht. Meine Hündin streunte über die schneebedeckte Wiese. Die Wintersonne hing zögerlich am Himmel. Ein bisschen Wärme kam zu uns herüber.

Weil das Jahr vorbei ist, habe ich auch gleich das Jahr 2025 als Blogbuch aufgearbeitet und zum Drucken in Auftrag gegeben. Das Blogbuch des Jahres 2025 wird 857 Seiten haben. Das sind 100 mehr als das Jahr davor. Es liegt möglicherweise an den Bildern. Ich habe in diesem Jahr zu jedem Blogeintrag ein Foto hinzugefügt. Von der Textmenge müsste es ungefähr gleich viel gewesen sein. Etwas weniger vielleicht, da ich neuerdings auch mal den einen oder anderen Tag ausfallen lasse.

Am Abend fuhr ich wieder nach Hamburg. Nach zwei Wochen des Unterwegsseins, wäre ich noch gerne ein paar Tage in Berlin geblieben. Nächstes Jahr fahre ich über Weihnachten nicht weg. Nur zu Silvester werden wir wieder die Stadt verlassen, aber Weihnachten in Südtirol finde ich etwas stressig. Ich fahre da erst seit fünf oder sechs Jahren wieder hin. Ich glaube, ich mache das wegen meiner beiden Neffen und meiner Nichte. Aber das sind jetzt große Teenies. Weihnachten bekommt in dem Alter ohnehin eine andere Bedeutung. Davor war ich sicherlich zwanzig oder mehr Jahre nicht zu Weihnachten da. Weihnachten in der Heimat hat mich immer deprimiert. Dafür habe ich eine richtige Weihnachtsliebe in der sogenannten Fremde entwickelt. Alleine zu Hause, oder mit wenigen anderen in einer Bar. Das sind immer die schönsten Weihnachten gewesen. Mittlerweile auch mit meiner Frau.

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