Wirsing erledigt

Dass das Fleisch zu zäh geworden war, wagte gestern niemand zu sagen. Und ich selbst hatte es gar nicht gemerkt. Ich war wohl zu stolz auf mein erstes eigenhändig zubereitetes Fleisch. Es gab hohen Besuch vom Rhein, darum zog ich an all meinen Küchenpunkregistern um zu beweisen, dass ich nicht nur vom Essen reden kann, sondern auch kochen.
Es waren zwar nur Putenschnitzel mit Champignongsauce in einer Auflaufschüssel (Rezept bei Frau Meisterköchin), bei denen man eigentlich nichts falsch machen kann, ausser man vergisst das ganze zu salzen. Warum sie aber auch noch zäh geworden sind verstehe ich nicht. Vielleicht lag es an der Pute. Hätte ich vielleicht einen der anwesenden Männern in den Wald schicken sollen, einen Hirsch zu erlegen.
Lu und ihr M. (kann ihn mal jemand motivieren einen eigenen Blog zu führen?) waren hervorragende Esser, die einen gewaltigen Hunger mitgebracht hatten, und nicht nur das, es waren Gäste wie ich sie mir wünsche: kaum war eine Flasche Rotwein leer, wurde schon die nächste Flasche aus der Tasche gezaubert. Als Höhepunkt wurde am späten Ende des Abends sogar noch eine Flasche Becherovka auf den Tisch gestellt. Und dazu noch grossartige Geschichten von Natur und wilden Männern Männern und der wilden Natur aufgetischt.
Juliettas Schwarzwurzeln mit Mandelstücken ernteten zwar weit mehr Begeisterung als all meine Speisen zusammen, aber was solls, ich koche nicht gut, dafür aber mit Liebe. Ich muss jedoch zugeben, dass diese wirklich hervorragend schmeckten, darum verspreche ich euch, dass ich sie anspornen werde, das Rezept niederzuschreiben.
Als Trost gesellte sich nach dem Essen Herr Kid zu uns, der das Essen wegen anderen “Verpflichtungen” leider sausen lassen musste, jedoch eine grosse Affinität zu Becherovka zeigte und auch sonst viel Interesse für männliche Vorlieben zeigte. Auch ein Eisenstangenbieger wird irgendwann die Jagd erlernen.
Ich kann nur noch hoffen, dass Hamburg sich Lu am Sonntag, unten am Hafen wenigstens noch von der allerschönsten Arschseite gezeit hat. Es ist ja auch keine Art, solch ein Gräuelwetter aufzufahren, wenn hoher Besuch aus dem Rheinland kommt.

Die Speise die am wenigsten Beachtung fand war meine eigene Küchenkreation. Letzte Woche erfunden, und gestern das erstemal damit an die Öffentlichkeit getreten. Gestern gab es zwar die angepasste Version ohne Champignons, da ich davon schon einen halben Kilo zu den Schnitzeln geschmissen hatte, aber der Vollständigkeit halber im Rezept die richtige Zubebereitung:

So kocht man Mekschen Jägerwirsing


Das Bild ist leider von der leeren Schüssel, weil ich vor lauter Hunger vergessen habe, rechtzeitig ein Foto zu schiessen.

Zutaten für 4 Personen (als Beilage):
halber Wirsingkopf
Zwiebeln
Champignons
0.07kg Rucola
150g Creme fraiche
(Salz und Pfeffer natuerlich auch)

Auch ein Jäger muss mal was leichtes Essen. Den Wirsingkopf schneidet man in daumengrossen Scheiben und gibt das in kochendes Wasser.
In einer Pfanne mit Olivenöl schneidet man erst Zwiebeln rein, brät sie bis sie glasig sind und gibt dann kleingeschnittene Champignons hinzu (standardprozedur halt). Die Menge ist egal. Ich habe noch kein ideales Mass dafür gefunden, jedoch sollte man nicht damit sparen. Während die Zwiebeln und Champingnons vor sich hinbraten, soll man schon anfangen diese zu salzen, damit sich die Champignons entwässern. Sie sollen fest und salzig werden, fast wie die kleinen Fleischstücke im Ragout. Sofern man das hinkriegt. Mir ist das allerdings noch nie gelungen, aber das ist jedenfalls mein Gedanke dahinter.

Wenn der Wirsing und die Zwiebelchambignons fertig sind, diese in eine Schale zusammenschmeissen, dann ungeschnittenen, rohen Rucola und die creme fraiche dazugeben. Das alles mit Salz und Pfeffer verrühren und auftischen. Übrigens, Schnittlauch hat sich darin auf bewährt. Wenn vorhanden, schneidet etwas davon hinzu.
Man kann auch mehr cremefraiche nehmen, weil das den Rucola besser in die Speise einbindet, aber das kann für einen empfindlichen Jägermagen schnell zu schwer sein.

Kommentare (13) zu “Wirsing erledigt”

  1. mek, was tippst du da? das essen war der knaller, und nur meinen vollen backen und den damit unverständlichen wörtern, die ich zwischen den litern des rotweis ausstieß, schiebe ich es jetzt in die schuhe, dass du meinen lobgesang auf fleisch und rucola con wirsing nicht vernommen hast ( obwohl du nur centimeter in luftlinie von mir und dem lobgesang entfernt sasst … ).
    et war lecker, dat kannze drehen und wenden wie de wills. so!

  2. becherovka…. auweia. das übelste was ich in prag getrunken habe. erinnerte mich schwer an zahnmedizin und heftigem unwohlsein. dieser becherovka kann nur noch gesteigert werden durch unikum aus budapest.
    ein hoch auch zubrovka……

  3. Hicks. Kann bestätigen, hicks, daß auf dem Nachhauseweg, hicks, schwer von dem Wirsing geschwärmt wurde, hicks. Schöner Abend, hicks ;-)

  4. das hicks hatte ich noch die halbe nacht im ohr. ;-)

    (kerle!)

  5. Ah, jetzt verstehe ich auch was “lükkürürr würschink schmatz schmatz” bedeutet. Ich dachte das wäre etwas rheinländisches.
    Ich muss aber zugeben, werte Lu, dass ich selbst, von der ganzen Menge Wein und Becherovka ein äusserst schlechtes Gehör bekommen habe.

    Aber was solls, Essen hin oder Wein her, es war ein schöner Abend. Hicks.

  6. da muss ich gleich mal anfuehren, was da bei uns gerade supertrendy ist und zwar sind das omas mogenzuckerlen, becherovka ist schmeckt ja ein bisschen so..

  7. Zuckerlen die nach Becherovka schmecken in einem Land wo man in Kneipen nicht mehr rauchen darf. Irgendwo muss man sich ja die Laster herholen.
    Bsoffen wird man davon aber nicht, oder? Sonst werden wir unseren Kindern eines Tages sagen müssen, dass sie keine Bonbons von Fremden annehmen dürfen. Lästig wäre das.

  8. Ich möcht auch zum Becherovka trinken kommen dürfen. Dafür würd ich sogar zache Truthanschnitzerln essen.

  9. Ich sehe keinen Grund es nicht zu tun. Wir Hamburger haben mittlerweile reichlich Erfahrung gesammelt, mit dem Besuch fernen Bloggerkollegen.
    In der Regel läuft das ganz einfach so ab, dass du dich meldest, dann sorgen wir für den Rest. Wir vergleichen deine Blogroll mit hamburg.blogplan.de verschicken Einladungen and die entsprechenden Personen, hängen Girlanden an die Prunkbauten der Stadt, stellen ein paar Piraten ein, die an der Elbe hoch und runter fahren, sprühen die Regenwolken weg, und formen ein musikalisches Empfangsensemble am Hauptbahnhof, Flughafen, Autobahnausfahrt Hamburg-Elbbrücken, oder am Kreuzfahrtterminal. Hängt nur von deinem Transportmittel ab.
    Auf Wunsch wird auch schweres Geschütz aufgefahren: Küchenpunkrock bei mir zuhause.

    Es geht natürlich auch einfacher. Du meldest deinen Besuch an und nimmst Wein mit :)
    Am besten kombinierst du das mit einem Hamburgbesuch. Gleichzeitig Rom zu besichtigen geht nicht.

  10. Also das mach ich echt mal! Ich bestehe allerdings auf Küchenpunk.

  11. Gut. Du und (hier sollte eine zeichnung stehen) sind eingeladen. Du sorgst für den Rotwein. :)

  12. so einfach?

  13. Oha, da habe ich mir wohl was eingebrockt :)
    Ja natürlich ist das so einfach. Von dir wird allerdings schweizer Schnaps verlangt. Was gibt es da für Köstlichkeiten?

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