Ah, heute war übrigens mein Geburtstag. Normalerweise nehme ich mir an dem Tag immer frei, aber so weit weg von zu Hause wüsste ich ohnehin nicht, was ich tun sollte, also ging ich einfach arbeiten. Es war auch ein seltsam schönes Gefühl, ein inkognito Geburtstagskind zu sein. Bis die HR-Abteilung sich bei mir meldete und mit einer in Geschenkpapier verpackten Bluetooth-Box vorbeikam. Das rief weitere Kolleginnen herbei und plötzlich wussten alle Bescheid. Bin jetzt 51, und alle so: WHAT?, siehst viel jünger aus, und ich so: Dankeschön und reallife-Smileys verteilt.
Direkt nach der Arbeit fuhr ich nach Berlin. Ich hatte morgens bereits mein Auto beladen und die Autofahrschuhe in den Fußraum gelegt, sodass ich wirklich nur einsteigen und den Schlüssel umdrehen brauchte.
Ich hörte zum ersten Mal seit Dezember wieder das Hörbuch von Murakami weiter. Den ganzen Januar lang wollte ich davon nichts wissen. Ich hörte lediglich Podcasts und Musik. Vor allem Musik fand ich diesen Monat wirklich erhellend, es kamen dabei viele ausgesprochen gute Gedanken in mir auf. Während Podcasts oder Hörbücher hauptsächlich Input bedeuten, die sich zwar mit den eigenen Gedanken vermischen und darauf aufbauen, aber von diesem impulsiven Treiben auf Gedankenwellen, während man Musik hört, fühlte ich mich den ganzen Januar lang illuminiert.
Zu Hause gab es Geburtstagsbier und Geburtstagssnack. Meine Frau hatte mir von ihrer Reise nach Nizza Käse mitgebracht. Kreuzkümmelkäse, weil sie über Amsterdam geflogen war. Sie weiß, wie sehr ich Kreuzkümmelkäse liebe. Üblicherweise mache ich mir wenig aus gepanschtem Käse, also mit Kräuterkäse oder Brennnesselkäse kann man mich nicht locken. Zwar esse ich die durchaus, aber es geht auch ohne. Ganz anders ist das mit Kreuzkümmelkäse. In meiner Familie gibt es Menschen, die behaupten, dass ich wegen Kreuzkümmelkäse dick geworden bin. Als ich in den Neunzigern nämlich nach Utrecht verschwand und nach einigen Jahren das erste Mal in meine Heimat zurückkehrte, hatte ich zwanzig Kilo an Gewicht zugelegt und riesige Mengen Kreuzkümmelkäse im Gepäck, weil ich ganz Südtirol davon überzeugen wollte, dass Kreuzkümmelkäse die beste Sache der Welt ist.
Das sprach sich bis zu meiner Frau herum, die in den Neunzigern in Wien lebte, und über viele Umwege und gemeinsamen Freunden, von dem Südtiroler Typen erfuhr, der nach Holland zog und vom vielen Käse dick geworden war.
Aber auch sie mag Kreuzkümmelkäse und sie stimmt mir zu, dass er nicht mit anderen gepanschten Käses vergleichbar ist.

HAPPY BIRTHDAY – alles Gute!