[Mi, 4.2.2026 – wohngemeinschaft]

Abends liege ich dann im Bett und schaue die Storys der Hundesitterin an. Das sind Videos, auf denen meine Hündin mit den anderen Hunden durch den Wald cruist und Spaß hat. An manchen Tagen warte ich regelrecht auf die Storys, refreshe das Account der Sitterin. Ich kriege dann Gefühle. Und vermisse sie. Ich wusste nicht, dass man so ein Tier vermissen kann.

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Als ich am Montag in die Firmenwohnung kam, war sie auffallend verdreckt. Schon im Treppenhaus lag Matsch auf dem Boden, er zog sich dann den ganzen Flur bis in die Küche, die wiederum unaufgeräumt war, Becher standen herum, Essensverpackungen, leere Glasflaschen. Abends sitzen jetzt 6 Männer in der Küche. Ich habe noch nicht genau verstanden, wo die alle schlafen. Wir haben oben nur drei Zimmer und unten zwei. Unten quartieren sie aber immer die Frauen ein, ich kann mir nicht vorstellen, dass unten Männergruppen schlafen. Die Männer kommen aus Spanien und bauen hier irgendwas ab. Einen Container, wenn ich es richtig verstanden habe. (Man hört es in der Aufnahme). Es sind aber keine klassischen Bauarbeiter. Da aber nur einer von denen ein bisschen Englisch kann, habe ich es nicht genauer erfragt. Die ganze Wohnung hat jetzt einen ganz anderen Vibe. Ich bin ja selbst nicht der Ordentlichste, aber hier in der Firmenwohnung strenge ich mich schon an. Der Inder und ich haben unsere Agreements. Er ist aber schon seit zwei Wochen nicht mehr da, ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Ich finde die Spanier trotzdem amüsant. Wenn ich abends nach Hause komme, sitzen sie alle in der Küche und trinken Bier. Sie bieten mir eine Cerveza an, ich bedanke mich freundlich, lehne aber ab. Mein Spanisch ist nicht gut genug und deren Englisch auch nicht. Ich schätze aber die höfliche Geste.

Heute haben sie von meiner Hafermilch getrunken. Sie wussten wahrscheinlich nicht, dass die Sachen im Kühlschrank vom Inder und von mir sind. Ich bin nachsichtig, merke aber, dass ich mir wünsche, sie hätten die Milch nicht einfach auf dem Tisch stehen gelassen. Bei Männern muss man immer hinterherräumen, denke ich, und ich komme mir vor, wie ein Mütterchen. Morgen finde ich sicherlich herumliegende Socken. Ich hoffe, sie haben die Milch zumindest aus dem Glas getrunken und nicht aus dem Karton.

Neulich hatten wir einen Amerikaner in der Wohnung. Eine Woche lang nur. Der Inder und ich haben unsere Agreements. Wir räumen unsere Sachen weg, lassen nichts herumliegen. Eines Sonntagabends kam ich nach Hause und es standen Schuhe im Flur vor einem der anderen Zimmer. Oh, ein neuer Gast, denke ich. Denke aber sofort, dass weder der Inder noch ich die Schuhe im Gang stehenlassen würden. Als der Inder nach Hause kam und ich ihn in der Küche traf, sagte er gleich: „There are shoes in the hallway“. Der Satz war nicht ganz wertfrei.

Am nächsten Morgen lernte ich den Amerikaner dann kennen. Fast 60 Jahre alt und ein Besserwisser. Er macht irgendwas mit Finance für unsere Standorte in Österreich und lebt seit 18 Jahren mit seiner Frau in Wien. Er entschuldigte sich dafür, dass er noch kein Deutsch spricht. Er war sehr kontaktfreudig und zog einen in Gespräche rein, von denen man nicht mehr loskam. Und er wusste immer alles besser. Er saß morgens und abends immer in der Küche, hatte offensichtlich nichts zu tun und schaute Videos auf seinem Telefon. Wenn ich in die Küche ging, zog er mich gleich in seine Gespräche rein. Ab dem zweiten Tag versuchte ich, so viel wie möglich auf meinem Zimmer vorrätig zu haben.

Einmal hatte ich kein Frühstück, weil mein Joghurt fehlte. Ich war mir einigermaßen sicher, dass ich noch einen Joghurt hatte, ich konnte mich aber auch täuschen. Der Amerikaner schaute mir dabei zu, wie ich den Kühlschrank lange inspizierte und schließlich die Haferflocken in Hafermilch versenkte. Währenddessen referierte er über Themen. Als ich am Abend von Lidl zurückkam, stand da bereits ein Joghurt. Den Inder treffe ich meist in der Mittagspause. Er nannte den Amerikaner ein „60 years old child.“ Das war nicht ganz wertfrei.

3 Gedanken zu „[Mi, 4.2.2026 – wohngemeinschaft]“

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