[11.6.]

CocoRosie in der Stadt, wir waren zu spät dran, und das Konzert wurde vom Lido in Kreuzberg in den AstraClub auf dem RAW-Gelände im Friedrichshain verlegt, wobei das eine ziemlich gute Wahl ist, RAW-Gelände, da scheint noch der ganze anarchische Corpus Berlins zu atmen, jedenfalls in ästhetischer Hinsicht, von den Dogmatikern vermutlich befreit, aber dann wiederum zu sehr ästhetisiert wie es mir scheint, aber egal, sind die Werte nicht ohnehin ästhetisiert?, zumindest solange wir nicht hungern, und bis dahin tanzentanzentanzen wir. Nur: AstraClub in Berlin. Das ist eine komische Sache. Das ist ein bisschen zu viel Hamburg hier in der Stadt. Und schlechtes Bier muss man in Berlin wirklich nicht importieren.

Wir waren jedenfalls spät dran, es gab eine Riesenmenschenschlange auf dem RAW-Gelände die bis hinaus auf die Revaler Straße führte. Wir wollten nicht so recht glauben, dass das tatsächlich die Schlange für CocoRosie sei, denn 200 Meter lange Schlangen gibt es nur bei so Sachen wo Mega draufsteht, wo wir also ohnehin nicht hingehen. Wir spazierten also an der Schlange vorbei auf der Suche nach dem richtigen Geäude, das ist auf dem RAW-Gelände ja immer so eine Sache, so groß, so viele verschiedene Schuppen, Hallen, herumlungernde Menschen, Hunde. Die Schlange mündete an einem kleinen Torgebäude. Dort liefen wir hin und fragten einen irgendwie beteiligten Mann welches der Gebäude der AstraClub sei und der beteiligte Mann zeigte auf den Boden und sagte: dieses hier.
Das war natürlich blöd. Weil wir jetzt vorne in der Schlange standen und ganz zurück bis an die Revaler Straße hätten laufen müssen um uns in den Schwanz der Schlange zu, öhm, beißen.
K sagte, komm lass uns hier einreihen, und ich sagte, nein, sowas kann ich nicht, und K sagte, komm lass uns hier einreihen und ich sagte, nein, sowas kann ich nicht, und K sagte, komm, lass uns hier einreihen und ich sagte, nein, sowas kann ich nicht.
Die Schlange war ein ziemlich breiter und wendiger Organismus, der von einer eigenartigen Leichtigkeit durchzogen war, der beim Laufen den Boden nicht zu berühren schien, und mit einer Ruhe sich fortzog als wäre die Zeit eine Biegung am Ende des Raumes. Wir konnten in die Biegung schauen, ein paar junge Frauen tranken Bier, ein Liebespaar hatte den Fokus verloren, und MenschenMenschenMenschen die Bier tranken und den Fokus verloren hatten, und ohne den Boden zu berühren an diesem lauen Frühlingsabend für CocoRosie in der Reihe standen.
Und K sagte, komm lass uns hier einreihen und ich sagte, nein sowas kann ich nicht. Dann waren wir Teil der Biegung und berührten den Boden nicht mehr.

C war auch da. Ich habe uns zwei Astra und ein Carlsberg geholt. C hat keine Ahnung von Hamburg und auch keine Ahnung von Astra. Er meinte aber, er habe vorhin von dem Astra getrunken, und das sei komisches Bier, er habe lieber ein Carlsberg. Das fand ich witzig. Ich habe aber trotzdem ein Astra genommen. Wenn jemand anders schlecht über Astra redet dann schlägt mein Beschützerinstikt an.

CocoRosie waren live ein wenig enttäuschend. Diese starke Entfremdung der Lieder, die sehr nach gelangweilten Interpretationen klangen, wie wenn man eines Liedes überdrüssig ist, ihn tausend mal als Ohrwurm gesummt hat. So klang das. Ist aber sehr subjektiv natürlich. Zudem wurde mir zu viel mit dem Falsetto kokettiert und irgendwann nervte es mich, dass man den Text nicht verstand, was aber nicht die Eigenschaft des Live-Auftrittes war, sondern deren Stil ja generell, aber gestern hat es mich einfach genervt, und dann wurde ich so genervt, dass es besser war das Konzert zu verlassen, sonst wäre mir das genervnervnertsein auf die Nervenervenerven gegangen.
Dann sind wir zum Rosa-Luxemburg-Platz gefahren und haben dort den besten Schawarma der Welt gegessen.

Ahso. Und Heute. Ja heute habe ich im Büro Kugeln und Striche an die Wand gemalt und den Leuten die Abhängigkeiten erklärt. Und danach habe ich am Ostbahnhof zwei Tickets für Usedeom gekauft.
Weil morgen, ja morgen.

One Comment

  1. Ist es nicht merkwürdig, wie einen immer die Frauen zu ungesetzli… dazu aufstacheln, Grenzen zu übertreten? Pure Anarchie! Aber tapfer waren Sie. Ich wiederum hätte Ihrer Begleitung höchstens einmal widersprechen können, ehe ich weich geworden wäre. (Gute Reise!)

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