[Urlaubstagebuch 4]

Gestern Abend lag eine Schlange vor dem Haus. Wir hatten gerade fertig gegessen, als ich aufs Klo gehen wollte. Dafür muss man etwa 50 Meter über eine Wiese laufen. Ich ging vors Haus und sah etwas schwarzes, langgestrecktes im Gras liegen. Ganz deutlich eine Schlange. Sie bewegte sich nicht. Sie war nicht aufgerollt, wie ich es von sonnenden Schlangen erwarte hätte, sondern langgestreckt, ausgerollt. Da ich mit Schlangen nicht sonderlich erfahren bin, rufte ich K. Es war eine Kreuzotter. Auf schedisch nennt man sie Huggorm, das kommt von huggen was so wiel wie einhaken bzw beißen, also mit Haken einbeißen bedeutet. Kein freundliches Wesen also.

Ihre Anwesenheit sorgte für Nervosität. Der Hund wurde weggesperrt und alle kamen aus dem Haus. Wir berieten uns. Da sie sich nicht bewegte, testete der Bruder sie auf Lebenszeichen. Wenn man sie mit einem (langen) Stock anstupste, wand sie sich und schlängelte sich ein Stück von uns weg in Richtung der großen Linde.

Da sie sich aber nicht anstellte zu verschwinden beschloss der Bruder, sie mit einem Stock aufzuheben und in die nahegelegene Wiese zu bringen. Die Schlange mochte das gar nicht, sie fauchte laut wie eine Katze und bäumte sich auf. Mir wurde mulmig, ich fand das keine gute Idee. Das Fauchen beeindruckte uns vermutlich alle. Wir hielten einen großen Sicherheitsabstand und starrten gebannt auf das Kriechtier. Dann verkroch es sich unter den herabgefallenen Blättern der Linde.

Danach kann ich nicht gut einschlafen. Zum einen ist es wieder zu warm, auf der anderen Seite juckt es mich ständig, da ich zu viel an Schlangen gedacht habe. Wenn ich die Füße unter der Decke habe, ist es mir zu warm, lasse ich sie aber unbedeckt baumeln, fürchte ich, dass Schlangen mir in die Zehen beißen. Das letzte Mal, als ich auf die Uhr schaue, ist es halb drei Nachts. Bald danach muss ich wohl doch eingeschlafen sein.

Heute soll es wieder 33 Grad werden. Die Regenprognosen wurden mittlerweile alle aus dem Wetterverlauf gestrichen.

Bevor es warm wird spielen wir mit dem Frisbee. Wir sind sehr bemüht, keine blöden Würfe zu machen die den jeweils anderen zum Bücken oder Laufen zwingt, sondern werfen uns die Scheibe so zu, dass sie möglichst perfekt beim Mitspieler ankommt. Was ich bisher nicht wusste: der Frisbee ist ein erstaunlich spannendes Spielgerät, das man auf vielfältige Weise durch die Luft werfen kann. Man kann tatsächlich schöne Würfe machen und weniger schöne. Ich bin sehr bemüht, schöne Würfe zu machen die so perfekt wie möglich bei den Mitspielern ankommen und dabei schöne und Flugbahnen hinlegen. Es gelingt natürlich nur selten, solche schönen Würfe zu werfen, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Übung.

Das Dumme ist nur, dass der Hund mitspielen will. Normalerweise wird der Frisbee für den Hund geworfen, den er dann holt. Wieder und immer wieder. Sobald der Hund den Frisbee sieht, will er damit spielen. Dass wir uns die Scheibe immer einander zuwerfen, scheint ihn nicht weiter zu stören. Manchmal fängt er ihn aber und verschwindet damit unterm Tisch wo er den Frisbee beschützt wie eine Beute.

Später werden wir alleine gelassen. Die Familie fährt in die Stadt. Wir werden gefragt ob wir die Blätter unter der Linde zusammenrechen können. Dass da eine Giftschlange herumliegt behagt niemandem so richtig. Ich erkläre mich bereit. Nachher als wir alleine sind merken wir, dass das irgendwie keine gute Idee ist. Wenn ich von der Schlange gebissen werde komme ich nicht so schnell ins Krankenhaus. Bis ein Krankenwagen hierher gefunden hat, bin ich vermutlich schon tot.

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