[Porsche]

Neulich bin ich im Prenzlauer Berg mit einem Porsche gefahren. Ein alter Freund von mir besitzt einen alten Porsche 924. Das ist kein teures Auto. Auch kein schönes Auto. Auch kein gutes Auto. Aber er hat es vor vielen Jahren einmal billig kaufen können und seitdem fährt er damit herum. Über den Porsche 924 muss man wissen, dass er in den Siebzigern gebaut wurde und von Autokennern abfällig Hausfrauenporsche genannt wurde. Auch damals besaß die Hausfrau keinen hohen sozialen Stellenwert, obwohl die Zeiten damals besser waren.
Da ich jetzt ja auch einen Führerschein besitze wollte ich unbedingt wissen wie es sich anfühlt mit einem Wagen dieser Sorte zu fahren. Sonst kenne ich ja nur meinen kleinen UP oder die üblichen glatten Mietwagen.

Wir trafen uns im Bötzowkiez in der Hufelandstraße bei einem Vietnamesen zum Mittagessen. Danach setzten wir uns in den Porsche, ich an der Fahrerseite. Ich saß so tief, dass ich das Gefühl hatte ich wäre in eine Luke in der Straße gestiegen. Der Freund wies mich ein. Man könne bei diesem Auto nicht einfach Motor einschalten und losfahren. Man müsse ihn erst aufwärmen. Das bedeutet: Zündschlüssel umdrehen, Kupplung halten und alle zwei Sekunden ordentlich auf das Gaspedal drücken. Ungefähr eine Minute lang. Man fühle dann schon wann der Motor zum Losfahren bereit sei.
Nun hat dieser Porsche lediglich 125PS. Aber die akustische Terrorizität eines Düsentriebwerks.

Wir alle kennen die gängigen Klisches des Prenzlauer Bergs. Die oft etwas unwuchtig wirkende Liebe für Kinderwagen und des darin liegenden Nachwuches, das grüne Herz auf dem rechten Fleck und die Frisur sitzt immer.
So saß ich da in diesem basslastigen Düsenjäger und pumpte alle zwei Sekunden auf das Gaspedal.
Ich habe natürlich ein grünes Herz (allerdings eine etwas schlecht sitzende Frisur) deshalb pumpte ich das Gaspedal nicht tief genug durch. In der achten Sekunde starb mir der Bolide ab.
Überall um uns herum schauten Menschen etwas ratlos in die Gegend. Wo war dieser Lärm hergekommen? Mein Freund sagte mir vorwurfsvoll ich müssen mehr pumpen, mehr Gas geben, dabei imitierte er Motorengeräusche, wrumm wrumm. Ich schaute etwas bedrückt auf die Straße hinaus. Was würde der Prenzlauer Berg von mir denken? Dann drehte ich wieder den Zündschlüssel um und pumpte auf das Gaspedal. Alle zwei Sekunden. Aus den Augenwinkel merkte ich, dass der ganze Kiez die Quelle des Lärms identifiziert hatte und die Blicke auf mich richtete. Neben mir saß mein Freund und schrie “Pumpen, pumpen, mehr, mehr”. Ich pumpte und beschloss eigenmächtig, dass der Motor jetzt warm genug sei und legte den ersten Gang ein. Der Motor starb ab.
Das sei zu früh gewesen, hörte ich von der Beifahrerseite, nochmal, ich schloß die Augen und drehte wieder den Zündschlüssel.

Etc. etc. Um es abuzschließen: ich brauchte fast eine Viertelstunde bis ich es schaffte loszufahren.

Vermutlich habe ich einen Beitrag dazu geleistet unbescholtene Bürger in die Fänge umweltfreundlicher Politiker zu treiben. Wenn ich dafür mal als Hassfigur meinen Kopf hinhalten muss, ist es schon okay.

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