[Sa, 24.1.2026 – in der Stadt, undsoweiter]

Also fuhr ich in die Stadt. Anstatt direkt mit Bus und U-Bahn hineinzufahren, sparte ich mir den Bus und lief stattdessen an der Alster entlang die halbe Stunde bis zur U-Bahn. Die Strecke wurde mir von Kolleginnen empfohlen, weil sie so schön ist. Man läuft da die ganze Zeit zwischen Wasser, Kleingärten und Villenhäusern. Ab Lattenkamp nahm ich dann die U-Bahn, fuhr bis Jungfernstieg und lief meine alte Fahrradstrecke über Rödingsmarkt, Baumwall und dann zur Kehrwiederspitze. Kehrwiederspitze. Den Namen fand ich damals sehr romantisch. Ich war ich sicherlich nicht der einzige.

Die Elbphilharmonie ist imposant, aber nicht so grazil wie gedacht. Sie ist etwas klobig. Das Dach ist allerdings schon sehr ikonisch. Ich würde mir wünschen, in Berlin würde man solche ästhetischen Bauten aufstellen lassen, aber alles, was irgendwie ikonisch oder schlichtweg geil aussieht, wird in Berlin nicht genehmigt, weil es nicht ins Stadtbild passt. Ich frage mich dann immer: Habt ihr schon mal das Berliner Stadtbild gesehen? Willst du da wirklich etwas passend machen?

Bei minus drei Grad wurde mir nach einer Stunde Rumlaufen ziemlich kalt, deswegen verschanzte ich mich auf dem Rückweg in der Europapassage am Jungfernstieg. Als ich in Hamburg wohnte, befand sich die Europa Passage gerade im Bau, und ich kann mich erinnern, dass mehrere denkmalgeschützte Gebäude dafür abgerissen wurden. Ganz verstanden habe ich den Move damals nicht. Das waren meine ersten Jahre in Deutschland und ich empfand deutsche Städte aufgrund der Zerstörungen im Krieg und des lieblosen Wiederaufbaus größtenteils als sehr hässlich. Ja, vor allem Hamburg. Dass man sich dann noch der letzten, und allgemein als schön empfundenen alten Bausubstanz wegen einer Einkaufspassage entledigt, war für mich nicht nachvollziehbar. Immerhin gibt es jetzt einen Food Court. Yay. Heute gab es einen großen Andrang bei einem Dönerladen namens Honest Kebab. Davor stand eine lange Menschenschlange, die sich einmal um den gesamten Food-Court-Bereich wickelte.

Ich ging aber zu Thalia und kaufte mir „Trophäe“ von Gaea Schoeters. Dieser Roman wird von allen Menschen, die ihn gelesen haben, als mega (oder mit einem anderen positiven Adjektiv) beschrieben. Es handelt von einem reichen Großwildjäger, der in Afrika ein Nashorn schießen will. Ja, genau, interessiert kein Schwein, soll aber wirklich gut sein.

Auf der Rückfahrt in der U-Bahn lag ein vergessenes, dickes Buch auf der Bank. Die Graphic Novel „The Crow“ von James O’Barr. Eigentlich wollte ich das Buch ignorieren. Ich ignorierte es etwa 5 Minuten lang, dann griff ich dennoch danach und blätterte darin. Mit der Kunstform Graphic Novel bin ich leider nicht besonders vertraut, es gibt aber ein großes Publikum dafür, also muss ja etwas dran sein. Die Bilder fand ich sehr ästhetisch. Viele haben Potenzial für Tattoomotive. Zuerst wollte ich es weglegen, als sich dann aber meine U-Bahn-Station näherte, schob ich das Buch unter meine Jacke und nahm es mit.

Danach lag ich auf meinem Bett und las darin.

Am Abend traf ich mich mit Axel. Axel war mein erster deutscher Freund, als ich in 2003 von Madrid nach Hamburg zog. Ich arbeitete damals für Sun Microsystems in Spanien und er für die gleiche Firma in Hamburg. Weil ich in Madrid gekündigt hatte, aber meine Freundin in Hamburg wohnte, konnte ich die letzten Monate meines Vertrages im Hamburger Büro verbringen, und dort lernte ich eben Axel kennen, der dieses Fotoblog auf blogger.de hatte. Wir fanden sofort zueinander und verabredeten uns schließlich auch privat, tranken abends Bier und gingen zusammen auf ein Bloggertreffen im Karoviertel, auf dem wir Kid37 und Lyssa kennenlernten. Danach trafen wir auch weitere Blogger undsoweiter. Das war eine gute Zeit.

Wir redeten gar nicht so viel über die alte Zeit, wir redeten viel mehr über das Älterwerden. Ich will das hier jetzt gar nicht ausbreiten. Aber jeder wird auf seine eigene Art alt. Ich habe immer Angst davor, im Alter einsam zu sein. Axel hat das hingegen gar nicht. Er ist gerne alleine. Auch im Alter. Das war das erste Mal, dass ich diese Ansicht hörte.

Morgen in Belgrad wird es 12 Grad messen. Mit meiner Winterjacke werde ich wie ein Barbar wirken, etwas Leichteres habe ich aber nicht dabei.

1 Gedanke zu „[Sa, 24.1.2026 – in der Stadt, undsoweiter]“

  1. ja lass dann mal hören ob dieses buch so mega episch ist. aber manchmal kann das echt den stoff nicht rausreissen. wollte mir jetzt ein buch kaufen, das ich gefunden habe, als meine tochter sich mal wieder im hugendubel am hermannplatz alles ansehen musste und ich mich in einen sessel gesetzt hatte. da lagen schon buecher da, und ich war erschöpft. Also: Ganz obenauf lag „die Perfektionen“ von Latronico, und ich schaute rein, es hat mir super gefallen. Las dann die Kommenare hinten auf dem Deckel, irgendwie war aber niemand draufgekommen, dass es doch sehr an „Die Dinge“ von Perec erinnert. Was eines meiner Lieblingbücher ist. Was ich unbedingt auch noch lesen wollte, war „die Holländerinnen“. irgendwo weiter hinten ist „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“, vor allem weil ich es toll finde, dass sich jemand diesen titel ausgedacht und dann durchgesetzt hat. (Man merkt, jaja, hatte eine radiosendung zum deutschen buchpreis gehört). Da fällt mir ein: „Mädchen ohne Abitur“ hat zugemacht. Ist jetzt irgendwie so ein Italiener. War nie drin, aber der Name hat mich glücklich gemacht jedesmal. Der Italiener hat mir eher nix zu geben.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

To respond on your own website, enter the URL of your response which should contain a link to this post's permalink URL. Your response will then appear (possibly after moderation) on this page. Want to update or remove your response? Update or delete your post and re-enter your post's URL again. (Find out more about Webmentions.)