[woran ich mich erinnern will. Erste Aprilhälfte]

Es gibt dann erstaunlich wenige Dinge an die ich mich erinnern will, wenn ich den ganzen Tag zuhause sitze. Was frustrierter klingt als es gemeint ist. Es gibt weniger Highlights zuhause und wenn ich zuhause bin, gebe ich mich vollends meiner Nerdigkeit hin und das ist ja eher der Standardzustand als ein Highlight.

Aber wir haben viel Filmkultur nachgeholt. Während des Kochens hörten wir die Musikclips auf dem Jungelbuch, also das “Bear necessities” und das “Trust me” und das Lied von King Louie sowie der Marsch der Elefanten. Bear necessities blieb uns tagelang als Ohrwurm hängen, einige Tage später schauten wir deswegen Jungle Book, alle verschiedenen verfilmten Versionen, die die näher am Roman sind und die die näher am Trickfilm sind. Aber nirgendwo tanzt Balou so schön mit seinem dicken Hintern als im Zeichentrickfilm.

Und weil wir gerade dabei waren, schauten wir auch noch verschiedene Versionen von Tarzan. Nein, nicht die mit Weissmüller, weil ich ein bisschen Angst hatte, dass ich den knödligen Jungelruf zu albern finde, aber dafür die späteren Versionen, sogar die Version in der Tarzan faktisch schon in der Gegenwart lebt und wieder zurück in den Jungel muss.
Während des Kochens (wir kochen gerade jeden Tag und ausgiebig) lasen wir uns die Hintergründe zu Tarzan aus Wikipedia vor, das ist immerhin eine komplexe Geschichte mit seiner aristokratischen Herkunft und den Ansprüchen auf ein nicht-gewolltes Leben und den verschiedenen Interpretationen über das Zusammenleben bzw. dem Kennenlernen von Jane etc. mich hat das schon sehr begeistert, also die Filme fand ich weniger spannend, aber was aus dieser Kulturfigur Tarzan gemacht wurde, wie die unterschiedlichen Epochen der modernen Filmgeschichte ihren eigenen Tarzan schufen. Das klingt so als sollte man das unbedingt einmal kulturwissenschaftlich aufarbeiten; nein ich habe das noch nicht gegoogelt.

Tarzan, boah.

Außerdem: nachdem wir (ungewollt) fast nur noch Filme und Serien schauen die in Schnee und Eis stattfinden, ist der afrikanische Jungel eine spannende Auszeit.

#

Herthainsel. Am 64. Breitengrad (Süd) auf der sogenannten antarktischen Halbinsel gibt es mehrere vergletscherte Inselketten. Eine dieser Ketten heißt Robbeninseln. Das Pack- geht dort in das Meereis über insofern war es immer schwierig Inseln von gewöhnlichen Erhebungen zu unterscheiden. Eine solche Erhebung wurde in 1893 als eigenständige Insel identifiziert. Diese wurde kartografiert und mit einem Namen versehen. Herthainsel. Ich als Herthafan kann mich für diesen Namen natürlich sehr begeistern. Zumal es diese seltsame Parallele mit meinem Fußballclub gibt, beide Herthas sind nämlich nach einem Schiff benannt. Die Insel nach einem der Expeditionsschiffe mit dem man sie entdeckt hat und mein Fußballclub nach einem Haveldampfer. Überhaupt: es gab zwischen 1864 und 1905 insgesamt 6 Schiffe die Hertha getauft wurden und einen Wikipediaeintrag haben. Dinge ohne Wikipediaeintrag sind ja das neue Dunkelziffer. Wie hoch die Dunkelziffer an Herthaschiffen also sein mag, kann man nur spekulieren.
Und dass diese Insel den Namen meinen Clubs trägt aber auch noch in der antarktischen Eiswüste liegt weckt in mir, den Fan von Eiswüsten, fast schon religiöse Gefühle.

Das Problem mit der Herthainsel ist nur: es gibt sie nicht auf Googlemaps. Man kann sich natürlich zu ihr hinscrollen, aber sie heißt eben nicht, sie hat da keinen Namen. Man findet sie allerdings bei Bing Maps und auf Openstreetmaps. Aber eben nicht auf Google. Mich ärgert das, also probiere ich die Funktion aus einen fehlenden Ort hinzuzufügen. Man kann Google nämlich immer Vorschläge machen um das Kartenmaterial zu verbessern. Diese Vorschläge werden dann geprüft und nach Kontrolle den Karten hinzugefügt.
Also mache ich das, die Herthainsel ist schließlich auf mehreren wissenschaftlichen Portalen verbrieft. Google will nur den Namen, den Ort und eine Kategorie kennen. Namen (Herthainsel) und Ort (Antarctica) sind einfach, aber bei Kategorie gibt es nur ein Pulldownmenü. Das Menü ist zwar sehr, sehr lang und reagiert auf Sucheingaben, aber es gelingt mir nicht eine passende Kategorie zu finden die für Googlemitarbeiterinnen einigermaßen glaubwürdig klingen würde. Ich suchte natürlich zuerst nach nach “Island” oder “Landscape” oder “Archipelago” aber solche generischen geographischen Kategorien gibt es dort nicht und ich kann auch keine Hinzufügen. Zur Auswahl stehen mir Kategorien wie “Fitnessstudio”, “Arzt” oder “Tankstelle”. Auch “Eis” ist kein hilfreicher Versuch, da gibt es lediglich “Eisdiele” oder “Eisenbahngesellschaft”. Es gibt auch komplexere Kategorien wie “Makrobiotisches Restaurant” oder “Aerobics Instructor”.
Kann ich natürlich machen. Aber wenn Googlemitarbeiterinnen auf die Herthainsel einzoomen sehen sie natürlich wenig Kundschaft für einen Aerobics Instructor mitten im ewigen Eis.
Meine Streetcredibility bei Google würde sinken und wenn Google einmal die UN übernommen haben, da will ich lieber im anonymen Untergrund gegen Google kämpfen und nicht gleich als der Betrüger entlarvt werden, der sich den Namen einer vereisten Insel im antarktischen Ozean erschleichen wollte.
Jetzt weiß ich halt auch nicht.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *