[Tagebuchbloggen. Freitag, 26.2.2021]

Eine Freundin liegt im Krankenhaus. Ich habe gesagt, sie soll sich bei uns melden, sobald sie ein Telefon hat oder sobald sie wieder bei Sinnen ist.
Es sind schon 9 Stunden vergangen. Ich weiss ja nicht, wie das in den Krankenhäusern logistisch abläuft. Man hat das Telefon schließlich nicht in der Tasche, während man voll narkotisiert auf der Bahre liegt und danach dauert es ja ewig bis man zu sich kommt und bis die Sinne alle zurück sind, vergeht ja wieder Zeit. Wer bestimmt dann, wann man das Telefon wieder bekommt. Als ich vor Jahren im Krankenhaus operiert wurde, wurde ich gewarnt, dass Krankenhäuser ein Hort der Handydiebstähle sei.
Diese seltsame Abgeklemmtheit von der Restrealität. Nicht mal ihr Mann und ihre Kinder können sie besuchen, wir erinnern uns, es ist Corona.

(später ist aber alles gut)

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Heute ist Cheatday. Ich nehme ja gerade ab, seit 4 Monaten, 14 Kilo weniger sind es bisher, aber heute ist Cheat day, das ist schon von langer Hand geplant. Einfach weil es der achtundzwanzigste ist und ich finde einmal im Monat kann man schon mal über die Stränge schlagen. Es gibt Mac&Cheese. Für mich der Inbegriff der Völlerei. Und es gibt Bier.

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Auf dem Nachhauseweg stehe ich mit dem Fahrrad sehr unordentlich an der roten Ampel. Ich stehe vorne an der Linksabbiegerspur für Fahrräder statt an der Linie der Geradeausfahrer. Hinter mir steht eine Fahrradstaffel der Polizei, die ich kurz vorher überholt hatte. Eine Polizistin und ein Polizist. Der Männliche schreit mich an, dass ich da nicht stehen darf. Ich schaue mich um und gehe artig mit meinem Rad rückwärts. Dann springt die Fußgängerampel auf grün und ich fahre los. Er schreit mich wieder an und ruft, dass ich jetzt mal an den Straßenrand fahren soll. Dann kommt er zu mir und erklärt mir die Verkehrsregeln. Ich sage: Herr Polizist, Sie haben Recht. Dann erklärt er mir auch andere Straßenregeln. Ich nicke freundlich und sage: Herr Polizist, sie haben Recht. Er erklärt mir auch warum es wichtig ist, dass das diese Regeln eingehalten werden. Ich sage: Herr Polizist, Sie haben Recht.
Ich habe vor vielen Jahren nach vielen Momenten der Berührung mit der Polizei irgendwann verstanden, dass Polizist:innen nicht dafür gemacht sind, zu diskutieren. Deren Wertgefüge sind Regeln, diese sind schlichtweg durchzusetzen oder bei kleineren Verstößen zu warnen, oder etwas zu ignorieren. Da passt es nicht, nach Grautönen bei Recht oder Unrecht zu suchen. Man bewirbt sich nicht bei der Polizei, wenn man bei Regeln nach Interpretationsspielraum sucht. Da will man drei Sachen: Regeln durchsetzen, ein Auge zudrücken oder Dinge ignorieren. Das ist das Wesen der Polizei. Und das meine ich keineswegs schlecht. Und von den systemischen Skandalen abgesehen, finde ich die Polizei mittlerweile eigentlich eine gute Sache.

Er schreit weiter, er schaut sich auch um, die Leute, die aus dem Laden kommen schenken ihm Beachtung. Es ist ihm wichtig, Präsenz zu zeigen. Seine Kollegin steht mit ihrem Rad etwas abseits. Sie scheint zu lächeln. Ob sie ihn bewundert oder ob sie ihn peinlich findet, vermag ich nicht einzuschätzen. Ich nicke ihm aber zu. ich sage: ja, Sie haben Recht.

Ich merke wie er immer sanfter wird. Laut, aber sanfter, er hat schon angefangen zu lächeln. Dann sagt er zu mir, Sie wissen aber schon, dass das 100€ kosten könnte, aber ich bin heute sehr gut gelaunt. Ich sage: das finde ich super. Danke.

Dann zieht er weiter.

Es ist eine bemerkenswerte Begegnung.

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Zum Cheatday Mac&Cheese gemacht. 500g Käse und 400g Pasta. Dazu natürlich Sahne und Butter. Außerdem trinke ich zwei Biere.
Danach muss ich mich übergeben. Ich habe mich lange nicht mehr übergeben. Ich bin sowas nicht mehr gewohnt. Nach 4 Monaten Diät kennt mein Körper das Alles nicht mehr.

Merke fürs Nächstemal: beim Cheatday ist das Schönste die Vorfreude. Übertreibe es aber nicht gleich.

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