Kochlöffel
Wenn Frau Mai mir den Kochlöffel zuwirft und dabei solch schmeichelnde Worte spricht, dann kann ich natürlich nicht gar nicht anders als auffangen.
Gleich am Anfang die Kandidaten, die den Kochlöffel wiederum von mir verabreicht bekommen, sonst verschwinden die ganz nach unten. Erstens der Traumdieb, weil der immer so schöne, runde Sätze macht und sich das ja irgendwie positiv auf die Kocherei auswirken muss. Dann soll auch der Herr Paulsen den Kochlöffel in die Hand nehmen, weil der ja sozusagen vom Fach ist und unter anderem so schön vom Essen erzählen kann. Und Axelk vom Apfelstrudelrestaurant bekommt ihn auch, auch wenn der mich jetzt dafür hassen wird, jedoch hat er mir einmal einen wunderbaren Römertopf gekocht, bei dem ich nur noch gestaunt und stillschweigend gegessen habe. So überrascht war ich. Bis dahin liess mich die Kunst der Fotografie und des Kochens einfach nicht vereinen. Ich wurde eines Besseren belehrt.
So und nun:
1. Was fällt dir zu deinem ersten Kochversuch ein?
Welche von den hunderttausend Spaghettatas mitten in der Nacht die Erste war, weiss ich nicht mehr. Da sie aber ungefähr alle gleich verliefen, nämlich, wie es bei uns in den südlichen Alpen Brauch ist, nach einer durchzechten Nacht, mit einer ganzen Meute Menschen zu jemanden nach Hause zu gehen und Spaghetti a la Irgendwas zu kochen essen, kann ich auch ohne weiteres jene Nacht der Spaghetti a la gar nichts mit Olivenöl nehmen. Vielleicht kann man das einen guten, weil vorsichtigen, Anfang nennen. Viel kann ja nicht schiefgehen, wenn man beim Aufreissen des Kühlschranks nur mehr saure Milch vorfindet, und die Thunfischdose vom Mitbewohner aufgegessen wurde. Dann kann man ja nur noch Spaghetti essen, und Spaghetti gab es immer auf Vorrat, und das würde ich wohl hinbekommen. Dachte ich.
Natürlich stand man bei diesen nächtlichen Frassorgien, die hauptsächlich dazu dienten, im Magen wieder festen Boden zum Weiterfeiern zu schaffen, nicht am Herd und wartete ab bis die Spaghetti richtig al dente geworden waren, sondern goss man das Glas nach, und führte endlose Diskussionen über ganz viel und noch viel mehr.
Dieser Geschichte fehlt jegliche Pointe, jedoch will ich sagen, dass man Spaghetti a la gar nichts sehr wohl vermasseln kann indem man sie zu einer Weizenpaste zerkochen lässt. Natürlich könnte man noch so einiges retten, wenn man die ganze Pampe, mit viel heissem Olivenöl in eine Pfanne schmeisst, und das ganze saftig aufbrät. Ich würde niemanden für sowas einladen, aber eine feiernde Horde Menschen braucht nur festen Boden im Magen. Weil man sich beim Braten jedoch wieder an den hitzigen Diskussionen beteiligt, kann man die Weizenpaste auch anbrennen lassen, und das ist was mir passiert ist. Eine feiernde Horde Menschen die einen festen Boden im Magen braucht, kann in solchen Momenten sehr böse werden.
2 . Wer hatte größten Einfluss auf deinen Kochstil?
Ich glaube meine Mutter. Die Küche war allerdings zu klein, als dass ich ihr über die Schulter hätte zugucken können um ihre herrlichen Kochkünste zu erlernen. Ich kopiere ihre Speisen, ohne genau zu wissen wie sie das immer machte.
Ich muss dazu sagen, dass ihr Kochstil jedoch nachgelassen hat. Die fettbewusste Zubereitung der Speisen hat mittlerweile auch das hinterste Dolomitenkaff erreicht, und damit ist nichts mehr wie es früher mal war.
3. Gibt es ein altes Foto als Beweis für frühes kulinarisches Interesse?
ja.
4. Leidest du an irgendeiner Art von kulinarischer Phobie? Gibt es ein Essen, dessen Zubereitung dich zum Schwitzen bringt?
Kulinarische Phobie? Hirnsuppe. Südtiroler Spezialität.
Ins Schwitzen bringt mich eigentlich nichts, Bevor ich Stress in der Küche bekomme fange ich an Chaos zu produzieren und parke alles mit Pfannen und Töpfen zu. Das gibt mir das Gefühl Freiraum zu haben.
5. Welches technische Hilfsmittel in der Küche schätzt du am meisten und/oder was war der größte Reinfall?
Ich bin sehr angetan von meinem neuen Kochtopf. Eigentlich eine Topf/Pfanne-Kombo. ToPFanne (ist das Wort schon patentiert?). Je grösser die Pfannen desto lieber hab ich sie. Ich liebe es wenn ich ungehemmt rühren kann ohne auf Flecken und Spritzen achten zu müssen.
Reinfall gibt es eigentlich keinen so weit ich jetzt zu denken vermag.
6. Nenne einige seltsame oder verrückte Essenszusammenstellungen, die du wirklich magst - und wahrscheinlich niemand sonst!
Ich glaube nicht, dass es besonders verrückt ist, da es in Frankreich eigentlich ziemlich üblich ist, aber ich werde in Deutschland oft komisch angeguckt wenn ich Apfel mit Käse (ein Biss Apfel und ein Biss Käse, etc.) esse. Das ist eine Kombination die im Mund wahrliche Wunder tuht. Oft esse ich auch rohen Knoblauch dazu. Aber wenn man zuviel Knoblauch ist, wird man hierzulande oft geächtet, deshalb unterlasse ich dies in letzter Zeit.
7. Auf welche drei Zutaten oder Gerichte kannst du einfach nicht verzichten?
Olivenöl und Zwiebel. Meinetwegen kann das sogar in das Dessert.(Wohl deshalb wir mir die Zubereitung der Nachspeise immer abgenommen)
8. Gibt es eine Frage, die du hier vermisst, die du gerne beantworten würdest? Wenn ja, füge sie einfach hinzu!
Oha, jetzt muss ich auch noch kreativ sein. OK, hier: “Was geht in deinen Augen nicht zusammen?”
Antwort: Obst in Salat. Obstsalat ist natürlich was anderes, aber Obst in herzhaftem Salat geht einfach nicht. Das ist wie Schnitzel mit Nutella, oder Bier mit Sahne. Und man bekommt Sodbrennen noch dazu.
9. Dein Lieblingseis…
Ich habe es nicht so mit Süssigkeiten, aber vorgestern hat uns die Fabrik Eis spendiert, und da gab es dieses Eis mit quadratischer Waffel drumrum, das war vielleicht ein erotisches Erlebnis. Ganz anders als Olivenöl mit Knoblauch, aber auch erotisch.
10. Du wirst wahrscheinlich nie essen…
Hinrsuppe. Jedoch weiss ich nicht wie stark ich mit meinen Vorsätzen bin. Ich kann nicht ausschliessen, dass in mich, nach einem Wirtschaftkollaps, in einer allgemeinen Hungersnot, über Hirne hermache. Obwohl, ich frage mich, ob ich dann noch Lust dazu hätte mir eine Suppe daraus zu kochen, oder mich nicht gleich aufs Hirn werfe. Schwierig.
11. Dein Spezialgericht…
Jegliche Art von Risotto. Wenn ich ihn nicht anbrennen lasse.

Traumdieb schrieb:
Mist, da schaut man mal 2 Wochen nicht in seine Stats und kommt im Streß nicht dazu, seine Lieblingsblogs zu lesen, und schon trifft einen ein Kochlöffel, nur, um dann unbeachtet zu Boden zu fallen.
Wird nachgeholt!
| 7. Juli 2005 — 01:08 | Permalink |
raik schrieb:
zu1.:
Es ist komisch, aber mir fällt zu meinen ersten Kochversuchen auch etwas ein, was ich zu lange gekocht hatte, noch dazu ohne Fett: Spiegeleier ( not recommended). Wieso kann man gleich zu Anfang nicht etwas zu kurz erhitzen? Oder ist das wie mit der ersten Liebe, die man, ohne es zu merken, ausdehnt, bis sich keiner mehr an den Grund für diese Beziehung erinnert, sie überkocht, bis nur noch ein Brei übrigbleibt?
zu 2.:
Es war mein Vater, Gott hab ihn selig, meine Mutter kochte nicht gerne, wiewohl auch nicht schlecht. Das einzige, was sie gerne machte, war Kuchen backen, leider recht einfallslos, aber für uns auch lehrreich. Mein Vater war durchaus kreativ, obwohl auch manchmal etwas ängstlich, das man seine Erfindungen nicht gutieren würde. Eigentlich schade
zu3.:
nein
zu4.:
Ich habe möglicherweise die Fantasielosigkeit meiner Eltern geerbt (obwohl sie Musiker waren), da ich mir kein essen vorstellen kann, das ich nicht ausprobieren würde. Mir fehlt allerdings auch ein Erfahrungshorizont wie Meqs Hirnsuppe, was ich mir auch nicht vorstellen kann.
zu 7.:
und was ist das dritte?
Für den Rest der Fragen gilt das gleiche wie unter 4, bis auf die 11. Frage: Ich liebe es, Fisch zuzubereiten. Egal in welcher Art, mit welchem Wein als Soßengrundlage, mit welchem Gemüse als letztes Bett, oder ob ich ihn wieder schwimmen lasse in einer Menge Flüssigkeit und eine Suppe mache. Ich bin dankbar über jede weitere Anregung, Idee, fertigen
Zubereitungstipps oder was auch sonst noch immer. Dabei könnte ich zum Sammler werden, wie ich eher auch zum sammeln als zum jagen tendiere. Ich kann aber eine gewisse Übereinstimmung im Bild des “modernen Mannes” in Bezug auf jagen und Behaupten des eigenen Platzes zur Wahrung der eigenen Chancen auf Verbreitung der eigenen Gene des von mir geschätzten meqs nicht verhehlen.
Bis später
| 20. Juli 2005 — 15:34 | Permalink |