[Dienstag, 12.7.2022 – Fähre, Dänemark]

Ich sage in der Firma schon seit Tagen, dass ich am heutigen Dienstag um 14:30 den Hammer fallen lassen werde, weil ich um 18Uhr die Fähre in Rostock erreichen muss. Dem entsprechend wurde ich heute nicht müde, dies den ganzen Tag zu wiederholen. Und natürlich ist mein letzter Arbeisttag vor dem Urlaub ein vollgepackter Tag, wie immer. Zu allem Überfluss findet um 14Uhr auch noch ein sehr wichtiges Meeting statt. Um 5 vor halb beende ich es. Meine Tasche ist schon bereit, ich schiebe den Laptop hinein und fahre in die Garage hinunter.

Mein Navi sagt: um 17:18 erreiche ich den Terminal der Überseefähren. Also fahre ich los. Tatsächlich fahre ich schon um 17:09 beim Checkin ein. Ich hatte den ganzen Tag auf diesen einen Moment hingearbeitet. Die Einfahrt in den sicheren Fährhafen. Vom Land her.

Nach der zweistündigen Überfahrt kontrolliert mich die dänische Polizei. Sie stellen die üblichen dämlichen Fragen. Wohin genau ich fahre und warum. Und warum meine Frau in Schweden ist und nicht bei mir im Auto und dann die immergleiche Frage: warum ich einen italienischen Pass habe und in Deutschland wohne.

Sie wirken gereizt, ich weiss nicht, was los ist. Mir kommt vor, sie hätten mich aufgrund meines deutschen Kennzeichens herausgewunken, aber das ist eine Vermutung. Der Wortführende spricht auch deutsch. Der Kontrollierende nur englisch. Es ist das erste Mal, dass ich die Polizei in Dänemark so gereizt erlebe. Es gab im skandinavischen Raum neuerdings einige Attentate, aber ich folge die Nachrichtenlage nicht so genau.

Gegen neun Uhr komme ich im B&B an. Die Besitzerin sieht aus wie auf den Fotos. Sie wirkt aber genervt. Weiss nicht, vielleicht liegt es heute auch an mir. Sie zeigt mir das Zimmer, wir klären das Frühstück und dann geht sie. Eigentlich wollte ich noch einen Soaziergang machen, ich merke aber: es gibt hier nichts. Nur ein Feld mit einem Windrad und ein unspektakuläres Dorf. Dann merke ich erst, dass ich kein eigenes Badezimmer habe, sondern mir eines mit Gästen aus dem gleichen Stockwerk teile. Jetzt weiss ich auch warum das Zimmer so günstig war.

Dafür ist das B&B sehr schön. Und ich übernachte hier nur auf dem Weg nach Norden.

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