Zuerst schaute ich noch die erste halbe Stunde des Spiels gegen Kiel auf dem Tablet. Danach gingen wir zur Nachbarin, um uns ihre Fotos anzuschauen. Sie und ihr Sohn waren zwei Wochen lang in Island wandern. Ende September mit Zelt durch Zentral-Island. Ihr Zelt wurde dabei vom Wetter zerstört. Sie sagte, sie hätten aber Glück gehabt, es habe kaum geregnet, es habe nur Schnee gegeben. Die Fotos geben die Eindrücke der Landschaft nur schlecht wieder. Das ging uns mit Island auch immer so. Man steht mitten in einer Landschaft, die man sonst nur aus Traumsequenzen kennt, aber auf dem Foto sieht man nur leuchtende Pixel.
Währenddessen hatte der Zeichner fantastische Pizza zubereitet.
Zwischendurch schaute ich auf das Telefon nach dem Spielstand. Es endete mit einem torlosen Remis. Nach der Siegesserie von neun Spielen in Folge, wusste ich gar nicht mehr, wie sich das anfühlte, einmal nicht zu gewinnen. Komisches Gefühl jedenfalls.
Die Hündin ist wieder läufig. Bei jeder Läufigkeit denken wir darüber nach, sie zu sterilisieren. Läufigkeit nervt nämlich. Wenn die drei Monate, nach denen man das machen könnte, dann um sind, schaffen wir es aber nicht, uns dazu zu überwinden. Diese Vorstellung, unser haariges Fellbaby dem Gebärmutterschlächter zuzuführen, ist ein abwegiger Gedanke.
Sie leidet auch nicht wirklich darunter. Es sind nur meine Frau und ich, deren Leben etwas eingeschränkter ist. Sie kann nicht mehr an drei Wochentagen mit der Hundesitterin mit und sie sprenkelt etwas Blut durch das Haus. Das ist alles nicht so schlimm. Die Hunderunden sind aber nicht mehr so entspannt und was ich mittlerweile über mich gelernt habe: Die Hunderunden dienen meinem persönlichen Wohlbefinden. Andererseits lasse ich sie auch während der Stehtage ohne Leine durch die Stadt laufen. Man muss nur etwas wachsamer sein, wenn andere Hunde ins Spiel kommen. Dann vergisst sie manchmal die Regeln, die ich ihr auferlegt habe. Einmal ist sie wie von dem Gesang eines singenden Sirenerichs verzaubert, einfach über die Straße spaziert. Ein einziges Mal nur. Aber das war nicht gut.
In drei Monaten werden wir sie natürlich wieder nicht sterilisieren lassen. Man kann das ja nicht einfach so machen lassen. Tierärzte wollen einen konkreten medizinischen Grund wissen, weshalb der Eingriff nötig ist. Diesen konkreten Grund haben wir nicht. Ich kann doch nicht mit den männlichen Sirenen in Friedrichshain kommen.
Die Läufigkeitsintervalle verkürzen sich aber. Während man in den ersten Jahren fast auf den Tag genau, immer Anfang November, respektive Anfang Mai, mit ihrer Hormonpeitsche rechnen konnte, zieht sich der Zeitpunkt für jede Phase um eine Woche nach vorn. Mittlerweile ist es der 8. Oktober, statt des 8. Novembers. Das Schöne am bisherigen Rhythmus war die angenehme Tristesse im November, wenn Rüdenhalter keine Lust haben, so früh aus dem Bett zu steigen, und im Frühjahr war es immer Anfang Mai, wenn wir ohnehin nach Schweden fahren, wo es keine anderen Hunde gibt. Damit ist es jetzt vorbei. Wenn es so weitergeht, landen wir eines Tages im August.
Aber dann gibt es so schöne Tage wie heute. Um Rüden aus dem Weg zu gehen, verlassen wir schon in der Dämmerung das Haus. Es regnet und wir sind alleine. Im schummrigen Licht. Ich in Gummistiefeln und mit der neuen Regenjacke. Die Hündin auf Expeditionskurs. Wir sind dann eine Unity.

Oh, echt? Ich rechne immer in Monaten, anstelle von festen Fixdaten 🙈 Ist ja blöd, wenn die Zeiten immer näher rücken. Aber find ich schon super, dass sie trotzdem noch so gut hört und klarkommt, bei uns war das anders und nach der Kastra noch schwieriger, so unterschiedlich können sie sein, ne?! 😂
Liebe Grüße