[14.9.]

An diesem verregneten Sonntag am Wannsee gewesen, und wieder dem Zwang erlegen, die Frakturschrift der S-Bahnstation falsch zu lesen und es laut aufzusagen: Wannfee. Wannfeewannfeewannfee. Ich finde solche Sachen auch nach dem hundertsten mal noch lustig.
Zudem sieht das S in der Frakturschrift immer so aus als hätte man damals in Preußen gelispelt.

K und ich hatten Judith besucht, in ihrer Holzhütte am Wannfee, es hatte geregnet, wir kamen triefend an, der Schirm war zu klein, und der Regen kam aus allen Richtungen gepustet. Nur das Haar blieb trocken. Danach saßen wir drin und tranken Tee und Kaffee, wir redeten über Schafe, und über Spinnräder, über Wolle, denn Judith kennt sich supergut mit Wolle aus, färbt sie mit Kräutern aus ihrem Garten und spinnt die Knäuel zu dünnen Fäden, entweder mit einer Spindel, die so in der Luft hängt und sich dreht, oder am Spinnrad, an dem man sitzt wie die Mädls aus den Märchen, das war ziemlich klasse sowas zu sehen, Wolle Wolle, ich wusste nicht, dass Wollfäden, wie man sie als Knäuel kennt, einfach gedrehte und sortierte Schafspelze sind, das heißt, ich wusste das alles schon:, Schafspelz wird gesponnen und heraus kommen Wollknäuel, die Oma dann zu Socken strickt; aber diese Sache mit dem Spinnen, es ist nur dieser eine Schritt dazwischen, man füttert dem Spinnrad den Pelz, stetig und langsam, doch immer bei der Sache bleiben bitte, es darf nicht reißen, soll nicht zu dünn werden, und vergiß nicht ein bisschen zu drehen.
Ich ahne den die beruhigende Wirkung des Spinnens. Möglicherweise würden wir keine Kriege mehr führen, würden wir alle spinnen.
Judith strickt mir jetzt eine Krawatte.
Sie macht auch Seifen und hat einen Onlineshop.

7 Comments

  1. Mir geht’s immer GENAU SO mit dem ollen “s”! Inklusive Lispeln! Irgendwie stelle ich mir alle Armeen vom alten Fritz inklusive dem alten Fritz immer als Kopien von Daffy Duck vor ^ ^

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