[tagebuchbloggen: 4.12.]

Ohja. Vorgestern noch »Es« weitergelesen, also vorgelesen, das zweite Kapitel handelt von einem Lynchmord an ein schwules Paar, die Homophoben sollen es gewesen sein, aber in Wirklichkeit war es natürlich der CLown mit den Haifischzähnen, nur glaubt das wiedermal niemand.

Was vorher geschah: meine Schwester und ich hatten uns nach dem Literarischen Nachtclub an der u8 am Alex verabschiedet, weil sie vorgestern die erste Nacht in ihrer neuen Bleibe verbracht hat, sie fuhr also gen Süden und ich gen Norden, das war so das erste mal Abschied nehmen in der selben Stadt, hey schlafgut, sehen wir uns morgen? Das war fast schon normal, so schön auch, das war sehr OK. Eine eigenartige Unaufgeregtheit, die symbolisiert, dass alles gut ist, dass alles so ist wie es sein soll.
Wir hatten uns neulich überlegt Tshirts zu kaufen mit dem Aufdruck u8, wegen des Bekenntnisses zur eigenen Ubahn, denn, sich mit Stadtteilen zu identifizieren ist ja gleich wieder so nazimäßig, sosehr Nation auf Mikroebene, weil man sich mit dem größeren Kontext nicht identifizieren mag. Diese Shirts gibts es im Mauerpark(is-our-park) zu kaufen, zudem ist der Ruf der u8 ja eh schon so schlecht, dass man durchaus eine Art Kultur schaffen sollte um der u8 eine gewisse Liebe entgegenzubringen, zu hypen vielleicht, zu gentrifizieren auf ubahnisch, bis wir alle nur noch in der u8 Prosecco trinkend rumschnöseln. OK das war jetzt albern.
Im Ubahnhof am Alex haben wir dann noch K und ihre Freundin S getroffen, die gerade von einem Abend an der Oper auf die u8 warteten, und das ist so krank, dieses anonyme Großstadtleben, wenn man nachts im Ubahnhof steht, in der Masse der Geischter, plötzlich ein bekanntes Muster erkennt. Warum das jetzt krank sein soll erschließt sich mir nicht ganz, aber das klang eben so gut, dass ich mir den Term nicht entgehen lassen will, den Satz jedoch nicht umbauen will, ist ja alles mühsal.
Zuhause lag B jedenfalls schon im Bett, weil, oh, das hatte ich noch gar nicht erwähnt, wir haben seit vorgestern B aus Wien zu Besuch, B kommt eigentlich aus meinem Dolomitendorf, ist aber eine Studienkollegin von K, sie haben zusammen in Wien studiert, und B hat mich mal beim Autostoppen mitgenommen, ich war damals vielleicht siebzehn, oder achtzehn, immer zu spät für den letzten Bus hinauf auf den Berg (19:20), weswegen ich mich so oft mitten in der Nacht auf die Straße stellen und den Finger rausstrecken musste. B hatte mich damals mitgenommen, ohne zu ahnen, dass sie jemals in Wien studieren würde, und mit einer Studienkollegin befreundet zu sein, die später einmal diesen Typen flachlegen wird, den sie da gerade von der Straße aufgelesen hat.
Das kann man natürlich witzig finden. Ist es auch. Aber mittlerweile ist das ganz normal.

Aber egal. Gestern saß ich dann wieder in der u8 nach Neuköln. Die Wohnung meiner Schwester besichtigen. Sie hatte mir eine wunderbare Suppe gekocht, und dann haben wir ein bisschen geredet, und danach zog sie ihre Kohlestifte und ihre Ölstifte hervor, und legte zwei große Kartonstücke auf den Tisch und wir fingen an zu malen. Nebenher lief ein Feature im Deutschlandradio, die Leute redeten von den Indios in Peru, vom Aufbegehren der einheimischen Minderheit und wie sie zu einer autoritären, patriarchalen Gesellschaftsform verfallen.
Danach machten wir uns auf, um noch eine Runde zu spazieren, ihren Kiez zu erkunden. Als wir das Haus verlassen wollten, klingelte es an der Tür. Es war I, eine alte Bekannte meiner Schwester, Italienerin, Berlinerin, sie hatte Ramazotti und Gin in den Händen, und ihr Mitbewohner, der auch dabei war, hatte eine Familienpackung Vanilleeis bei sich. Sie wollten nur Hallosagen, und fragen wie es geht. Das war sehr nett. Sie begleiteten uns noch ein Stück auf dem Kiezrundgang, wollten dann aber nachhause um die Sachen abzulegen, vielleicht kämen sie noch nach, wir sagten nämlich wir gingen ins Ä an der Weserstraße, das ist so ein bisschen mein Anhaltspunkt in Neuköln, nur weil ich da einmal gelesen habe, und die Location eigentlich ziemlich gut war.

So und jetzt muss ich einkaufen gehen und will nicht mehr weitererzählen.

2 Comments

  1. mek

    Aber nein, ich will doch keine Ubahn gentrifizieren. Zudem mag ich keine Sachen (Schriften, Musrter) auf meinen Klamotten. Und »u8« ist da schon ziemlich viel Schrift und Muster.

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