[ís]

Es gibt hier eine Straße die heißt Sæbraut.

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Wenn ich “Island” erwähnte, sagten immer alle, ich müsse viele Fotos schießen. Ich antwortete immer: mach ich.
Daraus enstand eine dermaßen große Erfurcht, dass ich zum ersten Mal ständig eine schwere Fotokamera mitschleppte, aus Angst, vor Landschaften zu stehen, die ich ohne Kamera nicht verarbeiten kann.

Bei den schönen Landschaften bin ich dann jedesmal so erfürchtig geworden, dass ich vergaß die Kamera zu zücken.

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Sehnsüchtig nach Raben Ausschau gehalten. Leider keinen gesehen.

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Die gezückten Kameras vor den Geysiren. Eine Wand von Menschen hinter Telefonen und Kameras. Die Gegenwart durch den Sucher. (Ich natürlich auch.)

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Schwarze Strände.

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Im Tourbus durch die Mondlandschaften ergibt es sich, dass der Bus zum Einen beinahe leer ist und zum Anderen sitzen K und ich vorne beim Fahrer, der sich als sehr gesprächig erweist, wodurch wir so etwas wie einen persönlichen Guide für uns haben. Ein Herr um die sechzig, den ich mit den Attributen “junger Opa” und “gemütlich” versehen möchte. Er kennt jedes Fischerdorf, er weiß, wer gerade gut wirtschaftet. Er erzählt uns, in welchem Dorf gerade ein Supermarkt geschlossen und wo ein neuer geöffnet hat. Und er sagt immer warum. Wir hängen an seinen Lippen.

Er sichtet Pilze an den Wiesenhängen an denen wir entlangfahren. Er fragt uns, ob wir die kennen würden (er nennt einen Namen), wir verneinen. Er sagt, wenn man diese esse, dann würde man stark, man fühle sich größer. Als er das sagt, baut er sich hinter dem Lenkrad auf. Ich lache. Ich sage, ich kenne nur jene Pilze, bei denen man Elfen sähe. Wir lachen. Dann wird er ernst. Er fragt, ob ich an Elfen glaube. Ich will nein sagen, entscheide mich aber für ein dämlich ironisches “sometimes”. Er sagt, es sei oft schwierig, die Ruhe zu finden richtig hinzuhören, schwieriger noch sei es, die Energie der Steine zu spüren und zu wissen, wo die “Hidden People” wohnen. Er fragt, ob wir von den “Hidden People” gehört hätten. Wir verneinen. Er redet mit uns direkt, hat aber sein Headset auf, die restlichen 8 Leute im Bus hören mit.
Er macht einen Vorschlag. Er will uns das Zentrum der Feeen und der “Hidden People” zeigen. Der Vorschlag ist keine Frage. Wir fahren einen Umweg durch ein Dorf. In diesem Dorf gibt es einen dicht verwachsenen, etwa hundert Meter langen Grünstreifen neben der Straße. Unser Busfahrer sagt, würde es nicht regnen, könnten wir uns dort zwischen die Bäume und Steine legen. Es dauere höchstens zehn Minuten bis die ersten “Hidden People” kämen.

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Gratis WLAN überall. Sogar in den Bussen. Im Ausland schalte ich das Internet auf dem Handy aus kostengründen natürlich aus. Manchmal bimmelte mein Telefon aber wenn ich in Reykjavík durch die Straßen lief. Eine Mail, oder eine Facebookbenachrichtigung. Immer diese Kneipen und Läden mit den offenen WLANs, die mein Handy sofort nutzte um automatisch einzudingsen. Super Land. Echt jetzt. Noch supererer: man kann jeden Käse mit EC Karte bezahlen. Käse, Wurst, Bier, jeden Scheiß, in der Kneipe, Centbeträge, überall stehen Kartenlesegeräte. Super Land. Echt jetzt.

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[...] Später sagte er, Isländer verstünden nichts vom Essen. Es werde nur Schrott gegessen. Aber wir in Deutschland (er zeigte auf K und mich), wir hätten Ahnung von gutem Essen sei. Das wisse er über uns.

Aus unseren Köpfen gingen etwa zwei Dutzend Fragezeichen in den isländischen Himmel hoch.

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Dampfende Böden.

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Ich schreibe Reykjavík jetzt ohne immer nachzuschlagen. Zuerst das y, dann das j und dann das í. Ganz easy, das.

= rauchige Bucht.

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Kommentare (3) zu “[ís]”

  1. Schöne Geschichte vom Busfahrer, dem hätt’ ich auch gern zugehört. Habt ihr euch zwischen Bäume und Steine gelegt und er hat gewartet (und alle anderen)?

  2. Schön.Der schönste Platz der Welt vielleicht. Und Elfen, alles was man braucht.

  3. Smilla: nein, es hat geregnet. Das stand daher offenbar nicht zur Diskussion.

    Croco: vor allem die nackte Erde! Keine Bäume. Wie sie nackt daliegt, die Insel, die Erde, mit ihren Falten, das ist schon sehr speziell.