[Tagebuchbloggen. Donnerstag, 1.4.2021]

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Ich kann mich noch an eine Newsmeldung erinnern, das war in den Nullerjahren, dass eine Softwaregruppe, eine neue Technologie entwickelt hatte, mit der man Dateien, egal in welcher Größe, auf nahezu 0 Kilobyte herunterkomprimieren könne. Das nannte sich LZIP, Lossy ZIP.

Ich muss gestehen, dass ich Aprilscherze mag. Und Menschen, die sich über Aprilscherze aufregen, finde ich ja immer etwas elitär cool oder humorlos. Meistens beides.

Dieses Wow-Gefühl mit dem ich damals in den Artikel einstieg und dieses WTF-Gefühl mit dem ich über die Erkenntnisse las, wie man festgestellt habe, dass man die meisten Inhalte in jeglichen Dateien zu Metadaten zusammenfassen könne. Die ersten multiplen Fragezeichen kamen in mir erst auf, als der Artikel beschrieb, dass meistens sogar Metadaten irrelevant seien und man viele Inhalte schlichtweg ignorieren könne.
Es sagt ja immer einiges über die Leute aus, die auf einen Scherz hereinfallen.

Im Kollektiv auf etwas hereinfallen, bzw das Kollektiv dabei beobachten, das funktioniert ja nur, wenn der Scherz als solcher institutionalisiert ist. Ob diese Institution nun Postillon heisst oder dieser auf ein Datum festgelegt ist, ist dann egal.

Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Nachrichtenseiten, aufgrund der seltsamen Zeiten von salonfähigen Verschwörungstheorien und dem Phänomen der Fakenews, lieber davon absehen. Schade finde ich es dennoch. Auch wenn die meisten Witze schlecht sind.

Dieses Jahr war das erste Jahr, in dem ich keinem Aprilscherz begegnet bin.

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Mein Arbeitsalltag besteht zur Zeit aus 95% Meetings. In 80% dieser Meetings bin ich stiller, aber erforderlicher Zuhörer. Das ist keine gute Entwicklung.

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Heute breche ich das Fasten. Ich werde also zu Abend essen. Einfach so. Weil ein langes Wochenende ansteht und wieder einige Zeit vergangen ist und meine Gewichtsabnahme etwas stagniert und ich gerade Lust drauf habe etwas zu essen und zu trinken. Wir haben uns auf Pasta mit Bier geeinigt. Während ich diese Zeilen aufschreibe fällt mir ein, dass Ostern ja das offizielle Fastenbrechen markiert, also im christlich-kulturellen Kosmos. Das ist natürlich ein lustiger Zufall.

[…]

Gerade gegoogelt. Der Gründonnerstag (also heute) wird im Christentum traditionell als Speisetag zelebriert, dessen Ursprung mit dem Fastenbrechen einhergeht. Wenn Jesus morgen stirbt, dann müsste heute auch das Datum des letzten Abendmahles sein. Aber ein schnelles Googlen liefert dazu keine Antwort, scheint also nicht wichtig zu sein. Mir auch wieder egal.

Als Kind fand ich das letzte Abendmahl total faszinierend. Ich malte ja. Mit Buntstiften und Wasserfarben. Als Kind verehrte ich u.a. Leonardo da Vinci. Ich zeichnete seine Skizzen nach, vor allem die Studien, Arme, Hände, Bewegungen, aber auch die Flugstudien, das wirkte auf mich alles so einfach und gleichzeitig gescheit. Und das letzte Abendmahl. In einer Doku hatte ich gelernt, dass die Apostel in Dreiergruppen postiert waren. Dass ein Maler auf die Idee kam, zwölf Apostel in Dreiergruppen zu bündeln, das fand ich als Kind unheimlich intellektuell. Ich zeichnete tatsächlich oft das letzte Abendmahl. Und Judas mit dem Geldbeutel. Diese Symbolik. Immer wenn ich irgendwo ein Gemälde eines Abendmahles sah (wovon es in den unendlich vielen Kapellen und Kirchen meiner Kindheit zahlreiche gab), lag meine Augenmerk immer auf den Geldbeutel des Judas.
Die unbekannten und namenlosen Maler der meisten Abendmahle postierten die Apostel natürlich nie in Dreiergruppen, deshalb verachtete ich sie auch ein wenig. Aber Judas und sein Geldbeutel, der kam überall vor. Immer anders. Mal mit einem größeren Beutel, mal kleiner, mal mit einem teuflischen Grinsen, mal nicht. Vermutlich gibt es über Judas und seinem Geldbeutel tausende geokulturelle Studien.

Was ich aber eigentlich sagen wollte; heute ist Fastbrechtag und nicht mein letztes Abendmahl.
Ich bereite Bärlauchpesto zu und öffne uns gutes Bier von Berliner Berg. Nach dem ersten Bier werde ich schon cremig. Ich bin den Alkohol nicht mehr gewohnt. Wir sitzen in der Küche und albern herum.