[Sonntag, 11.4.2021]

Heute bin ich das erste Mal ohne Jacke aus dem Haus gegangen. Das war ein seltsames Gefühl. Ein schönes Gefühl, aber ein seltsames Gefühl. Dieser einsame Ausstecher auf zwanzig Grad. Gestern war Regen und zehn Grad, morgen auch wieder. Aber heute: zwanzig Grad und Sonne.

Wir hätten die Gelegenheit nutzen und Fenster putzen können. Aber das fühlte sich sehr nach verschwendeter Zeit an. Deswegen haben wir stoßgelüftet. Alle Fenster geöffnet und etwa eine Stunde lang die ganze Wohnung durchpusten lassen.
Eine Freundin erzählte mir neulich, sie würde jeden Tag die Fenster öffnen um durchzulüften. Ich sage jetzt nicht in welchem Jahr ich das Fenster in meinem Arbeitszimmer das letzte Mal geöffnet habe.
Ich habe nicht das Gefühl, dass es im Nachhinein einen großen Unterschied gemacht hat, ich finde die Luft hier drin ziemlich wie immer. Aber dieses Aufreissen der Fenster und dieses Gefühl, jetzt lasse ich mal die Wohnung mit Frühlingsluft durchfluten, ja für sowas macht man es ja, oder? Für dieses Gefühl habe ich es getan.

Auch die Weihnachtsbeleuchtung haben wir heute abgebaut. Zumindest eine der drei Lichterketten. Die Lichterketten an den Stühlen an der Wand und auf dem Stierkopf haben wir hängen gelassen. Zum einen weil ich sie zu kompliziert verwickelt habe, aber auch, weil sie uns mittlerweile ganz gut als Raumbeleuchtung gefallen. Vor allem der Stier.

Die andere Beleuchtung war allerdings etwas missglückter. Jene Lichterkette war an der Gardinenstange im Wohnzimmer befestigt und wollte ihren Zweck irgendwie nie richtig erfüllen. Daher nahm ich sie ab.
Weil ich zu faul war mir eine Leiter zu holen, versuchte ich sie vom Boden aus abzulupfen, also mit Lupfbewegungen vom Gestänge abzukriegen. Ich hätte es vorhersehen können, dass das nicht funktioniert, ich hätte es vorhersehen können, dass ich die komplette vier Meter lange Gardinenstange samt Gardinen und Schrauben aus der Wand reisse.

Danach erst Mal lange spazieren gegangen.

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Viel Zeit in der Küche verbracht. Restgemüse zusammengeschnitten und in den Ofen geschoben. Außerdem habe ich eine Haferschleimsuppe zubereitet. Dieser Name. Ich suchte im Internet nach alternativen Namen, es geht sicherlich anders, als Nahrung mit Schleim in Verbindung zu bringen, aber andere Bezeichnungen als Haferbrei finde ich nicht und Haferbrei ist eigentlich doch wieder etwas anderes. Der Name sagt vermutlich etwas über die Menschen und ihre Beziehung zum Essen aus. Mehlschwitze. In Südtirol gibt es die Brennsuppe, das klingt auch nicht wesentlich besser. Sicherlich gibt es einen historischen Bezug zur Armut der Leute.
Läge Berlin Frankreich, hieße es bestimmt “Hafergold” oder “Suppe aus dem lieblich sich windenden Loiretal”. Haferschleim. Das könnte eine Suppe aus einem BDSM-Keller sein.

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