[Freitag, 20.6.2021 – Gewürznelken, Köfte]

In der Firma hatte ich wieder eine Reihe schwieriger Gespräche, wie eigentlich die ganze Woche schon. Andererseits merke ich, dass mich Krisen nicht sonderlich belasten, sonder mich eher antreiben. Krisenmanagement entfacht wesentlich mehr positive Energie in mir, als das Verwalten oder das konstruktive Arbeiten. Muss ich mal drüber nachdenken, ob das eine gute Sache ist.

Nach der Arbeit traf ich wieder meine Frau unweit des Alex. Normalerweise erkenne ich sie immer von Weitem, aber heute verstand ich erst, dass sie es war, als sie so ziemlich vor meiner Nase stand. Sie trug eine schöne Bluse, die ich zwar kannte, die sie normalerweise aber nicht ohne Jacke trägt, ich hielt unbewusst einfach nach einem anderen optischen Muster Ausschau.
Dann spazierten wir den ganzen Weg nach Hause. Sie schlug vor, Köfte zu machen. Ich fand das eine super Idee, ich liebe, es neue Dinge zu versuchen. Und während ich das so schreibe: Muss ich mal drüber nachdenken, ob das eine gute Sache ist.

Im Supermarkt kaufe ich 400g Rinderhack und die nötigen Gewürze. In Köfte kommen Gewürznelken. Irre. Gewürznelken sind für mich Glühweingewürz, von diesem Bild komme ich nicht los. Als Kind lutschte ich oft an den ausgesiebten mit Zucker und Wein vollgesogenen Glühweingewürznelken. Und danach war meine Zunge immer ein bisschen taub. Mit achtzehn Jahren hatte ich außerdem einen sehr schlechten Backenzahn, den ich wochenlang mit Gewürznelken behandelte. Ein Bauernkalenderspruch riet mir zu dieser Methode. Ich muss nicht weiter drüber nachdenken um zu wissen, dass das wiederum keine gute Sache war. Gewürznelken bringe ich also nicht in Verbindung damit, Fleisch zu würzen. Sobald ich die Gewürznelken in das Rindfleisch rieb, verstand ich aber, dass genau die Gewürznelken das Köfte so köftig machte und es von einer normalen Frikadelle unterscheidet. Abgesehen vom Kreuzkümmel natürlich.

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