Raucherstreik

Meinetwegen koennen sie in Italien das Rauchen in den Kneipen ja verbieten. Hier ist es meistens sowieso warm genug, dass man auch draussen sitzen kann und seit dem neuen Antirauchergesetzt ist das Leben vor den Kneipen mindestens doppelt so spannend geworden wie in den Kneipe selbst, aber, wenn man dann zu spaet erfaehrt, dass das Rauchen in Zuegen nun auch verboten ist, dann geht das eindeutig zu weit. Vor allem wenn man in einem deutschen Zug im Raucherabteil sitzt, durch Oesterreich faehrt und schon eine ganze Stunde nicht geraucht hat, weil man sich ja ein bisschen zusammenreissen will nachdem man die ganze Fahrt lang das Abteil vollgequalmt hat, und sich daher eine genuessliche Zigarette aufhebt, fuer den Moment an dem man vom Brenner hinunterfaehrt in das sonnige Suedtirol. Ein freudiger Moment den man nur mit einer Zigarette teilen kann. Jedoch macht es jegliche Freude kaputt, wenn nach dem Drehen der Zigarette eine unglaublich unfreuliche Frauenstimme mit dem Klang einer Kaffeemuehle aus dem Lautspreche ratert, dass das Rauchen in italienischen Zuegen verboten sei.
Pft, dachte ich, ich zuende sie mir an, ich habe ein Ticket aus Deutschland, ich kann so tun, als spraeche ich kein italienisch. Aber natuerlich konnte die Lautsprecherzicke auch Deutsch, wir sind schliesslich ja in Suedtirol. Und dann kam mir der Einfall, dass ich mich ja als Englaender oder irgendwas auslaendisches ausgeben kann, und ja, natuerlich kam nach der deutschen Ansage auch die englische Ansage und ich liess es einfach sein. War mir doch wurscht, die Stunde bis nach Bozen wuerde ich schon ueberleben.
Dass die Lautsprecherzicke allerdings auch ermahnte, dass lautes Sprechen oder laute Klingeltoene, die Mitreisenden stoeren koennte, nervte mich viel mehr.
Spaeter musste ich jedoch wieder darueber lachen. Eine europaeische Erziehungsmassnahme fuer Italiener. Das lernen die eh nie.

Und jetzt in Bozen hoere ich erstmal vom Zugstreik. Genau heute wo es weitergeht nach Rom. Es gibt einen einzigen Zug der heute faehrt, also sechs Stunden zwischen Koffern im Gang und kreuz und quer sitzenden Reisenden und Schweiss und Hitze, und das alles in einem Nichtraucherzug. Sechs Stunden lag. Da muss ich erstmal eine rauchen…

Kommentare (2) zu “Raucherstreik”

  1. Sie machen ja was mit. Diese Regel-Wollust, das ist doch typisch italienisch, ist es. Bei den Deutschen gäbe es das nicht ;-)

  2. Die Italiener scheinen unter der Berlusconiregierung einen merkwürdigen Komplex bekommen zu haben, dass sie nicht europäisch genug seien. Italien auf dem Weg nach Europa ist wirklich leidig mitansehen zu müssen.

    Wegen dem Rauchverbot halten die Züge jetzt aber doppelt so lang in den Bahnhöfen. Ein furchtbares Gedränge jedesmal beim Halten, zwischen abkickenden Rauchern, aussteigenden Reisenden, einsteigenden Reisenden und herumfliegenden Koffern. Und bei den Waggontüren ein undurchdringbarer Rauch.

    Die Strecke zwischen Firenze und Rom ist aber schon grausam lange, vor allem wenn der Zug nicht wie angekündigt in Arezzo hält, sondern einfach weiterfährt. Ahja, das ist ja wieder Italien :)

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