[Samstag, 30.7.2022 – Knochen hinhalten]

Als ich um 9 Uhr morgens im Olympiapark eintraf, entschied ich mich dafür, doch noch zu spielen. Zum einen hatte viele der Angemeldeten kurzfristig abgesagt und zweitens, nunja, hatte ich einfach Lust, Fussball zu spielen.
Das letzte Mal, an dem ich Fussball spielte, war ich noch unverheiratet, es muss 2011 oder 2012 gewesen sein, leider war das eine tagebuchlose Periode, es ist also nicht dokumentiert. Nach jenem Spiel hatte ich tagelang Muskelkater. Das wird mir dieses Mal wieder blühen.

Als ich ankam, und wir uns einspielten, lobte man meine harten Schüsse. Ich zeigte auf meine Oberschenkel, in meiner Kindheit war ich Skifahrer, ausserdem schoss ich als kleiner Bursche Mal ein Tor vom Mittelfeldkreis aus. Schiessen kann ich. Aber bereits nach dem sogenannten lockeren Aufwärmen war ich schon ziemlich ausser Atem.

Im Turnier kann man aber oft wechseln, jedes Spiel dauert nur 12 Minuten und wir waren genug Spieler, ich würde jedes Spiel 3 bis 6 Minuten spielen, das würde ich hinkriegen.
Es ging gut, ich geriet drei Mal in einen Sprint. Aber das war es auch. Nach dem ersten Sprint ging ich vom Mittelfeld in die Verteidigung zurück und nach den anderen beiden Sprints musste ich ausgewechselt werden. Immerhin hatte ich zweimal spektakulär gut verteidigt und sogar einen Torschuss abgeblockt.

Im zweiten Spiel, spielte ich auf dem rechten Flügel. Beim zweiten, von meinen drei möglichen Sprints, tackelte ich ziemlich geil einen Spieler aus, dabei rutschte ich ein ganzes Stück über den Kunstrasen. Jetzt habe ich eine riesige Schürfwunde an meiner rechten Wade. Ich bin sehr stolz auf die Wunde. Aber sie brennt ziemlich.

Danach wurde ich ausgewechselt. Beim dritten Spiel machte ich eine Pause. Weil wir das dritte Spiel nur Ausgleich spielten, schieden wir aus dem Turnier aus. Die Mannschaft bestand aus Mitgliedern meines Fanclubs, das wichtigste für uns war gewinnen – nein Spass haben, nein gewinnen – okay, Spass haben.

Danach kam die Profimannschaft und trainierte vor 5000 Menschen. Marco Richter hat sich nach bestandener Hodenkrebs OP dem Publikum gezeigt. Der Applaus rührte ihn zu Tränen. Danach fuhr die Mannschaft nach Braunschweig. Morgen beginnt die Saison mit dem Pokalspiel in Niedersachsen.

Auf in die neue Saison. Ich bin zum ersten Mal nicht euphorisch. Sonst ging ich jedes Jahr optimistisch und euphorisch in die Saison. Immer. Wie eine Motte zum Licht. Diesmal nicht. Ich weiss nicht, was los ist. Entfremdung ist es keineswegs, Selbstschutz auch nicht, ich habe einfach keine Euphorie, ich freue mich auf die Saison, aber ich freue mich ungefähr so wie ich mich auf nen Teller Pasta freue. Das muss nichts Schlechtes sein.

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Gegen 3 Uhr bin ich zuhause. Und ich bin den Rest des Tages erschöpft. Meine Beine fühlen sich unleidlich an. Schwer und unglücklich. Das zieht mich ganz runter. Ich brauche mehrere Stunden bis mir meine Frau erklärt, dass mein Körper sich wahrscheinlich einfach von der getätigten Anstrengung erholen muss.

Um sieben Uhr will ich ins Bett. Aber auch das hilft nicht. Meine Beine jammern. Ausserdem schmerzt die Schürfwunde. Ich nehme ein Aspirin.

3 Kommentare

  1. Franzbranntwein! Wahlweise hilft auch ein warmes Bad, muss ja nicht lange sein. Fbw hab ich aber immer im Haus, auch für wenn sich jemand irgendwo verspannt.

  2. Franzbranntwein kenne ich aus meiner Kindheit. Hat mir meine Mutter bei jeder Gelegenheit überall hingeschmiert. Das ist doch Bergbauernplacebo, oder? Muss ich mal googlen.

  3. Hilft wirklich! Am besten wird es von jemandem gut einmassiert. Oder halt das warme Bad. Muskelentspannung durch Wärme etc

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