[Donnerstag, 11.8.2022 – Trainingstrikot, Finderlohn, Rückenhaare]

Eigentlich wollte ich heute das zerbissene Herthatrikot ersetzen. Ich brauche ja Kleidung für das Spiel am Samstag. Zwar habe ich auch zwei richtige, blauweisse Trikots, aber wenn ich ehrlich bin, ziehe ich die nie an. Das liegt daran, dass sie mir zu offensichtlich Trikots sind. Ich liebe hingegen dieses dezente, dunkelblaue Trainingstrikot. Man könnte es fast auf einer Beerdigung tragen. Oder auf einer Fetischparty.

Weil ich heute aber mit dem Tier im Büro war, vergass ich schlicht, in den Herthashop zu gehen.

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Apropos Beerdigung. Am Abend traf ich meine Frau auf der schattigen Seite des Frankfurter Tores. Unter dem nördlichen Turm auf diesem langen, bankartigen Steinvorsprung. Dort sitzt es sich ganz prima.

Wenige Meter neben uns sass ein Mann. Er machte uns auf eine Tasche aufmerksam, die zwischen uns stand. Daran hing ein Badge mit dem Foto einer Frau und darin war ein Laptop und mehrere Papierdokumente. Er meinte, dass man da anrufen sollte. Er sagte das so, als würde er das nicht machen wollen.

Das war eine komische Geschichte. Der Mann sagte, er habe die Menschen gesehen, wie sie ohne die Tasche gingen, aber da sie jetzt nicht zurückkämen, sollte man doch anrufen. Auf dem Badge stand eine Notrufnummer, die man bei Fund des Badges anrufen solle. Und auch der Name der Frau.
Der Mann redete ständig von Finderlohn. Finderlohnfinderlohn.
Er wollte aber nicht selber anrufen. Ich rief also diese Notrufnummer an, es ging aber lediglich ein Anrufbeantworter ran, also sprach ich drauf, sagte, dass wir eine Tasche mit Laptop gefunden haben und ich einen Rückruf erwarte, sonst bringen wir die Tasche zur Polizei. Gleich danach suchte ich auf Facebook nach dem Namen der Frau und schrieb sie an. Die Nachricht blieb aber unbeantwortet. Nach 5 Minuten kam tatsächlich ein Rückruf von der Notrufnummer. Die Frau, die die Tasche verloren hatte, befand sich auf dem Weg zu einer Beerdigung. Er schlug vor, die Tasche bei mir aufzubewahren, aber wir zogen den Gang zur Polizei vor. Das sei ein netter Spaziergang und auf dem Rückweg läge das Brewdog, dann würden wir noch ein Hazy Jane zischen.

Der Mann, der nicht anrufen wollte sprach immer noch von Finderlohn. Ich sagte ihm, gib mir deine Nummer, dann frage ich nach Finderlohn, er sagte, nein, keine Nummer, ich solle einfach hier am Frankfurter Tor vorbeikommen.

Ja sicher.

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Morgen ist Firmenparty auf dem Boot. Wir tuckern stundenlang bei 30 Grad über die Spree. In der Rummelsburger Bucht werden wir schwimmen. In meiner Firma sind der Großteil der Mitarbeiter schwul. Alles gepflegte, schöne Männer. Ich werde mir die Haare auf dem Rücken rasieren müssen, sieht sonst Scheisse aus. Andererseits bin ich ja ein Daddy-Typ, wie man mir sagte, da MÜSSEN wiederum Haare dran sein. Die Welt ist wirklich schwierig geworden.

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