[Mittwoch, 17.8.2022 – Insektenbiss, Hund weg, Tattootermin]

Gestern Abend stach mich etwas in die Kniekehle. Davon schlief ich die ganze Nacht schlecht. Meine Kniekehle ist geschwollen und entzündet. Sitzen schmerzt. Wenn ich das Bein ausstrecke, ist es aber OK. Ich habe keine Ahnung, was das für ein Tier gewesen ist. Eine Wespe hätte ich sicherlich beim Stich gespürt. Vielleicht war ein Floh. Ich reagierte früher immer empfindlich auf Flohbisse. Jetzt wo eine Hündin ständig bei meinen Füssen lebt, kann es natürlich sein, dass wieder Flöhe in mein Leben treten.

Als Kind hörte ich zum ersten Mal dieses alberne Sprichwort: Wer seinen Hund liebt, müsse auch seine Flöhe lieben.
Damals wusste ich noch wenig über die Liebe, aber ich begriff dadurch das Konzept von bedingungsloser Liebe. Ich kann mich an das Gefühl erinnern, das ich dabei empfand. Bedingungslose Liebe. Es gefiel mir. Ich konnte mir auch die Aufopferung vorstellen. Flöhe lieben. Aber es begleitete mich immer diese Ahnung, dass an der Sache etwas faul ist.

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Heute wurde das Tier das erste Mal durch die Dogwalkerin abgeholt. Die Hündin ging erstaunlich schnell mit ihr hinaus. Ohne Tschüss zu sagen oder Zeichen der Sehnsucht von sich zu geben. Ich wusste nicht, dass ich eifersüchtig bin. Es ist kein gutes Gefühl.

Dann ging ich ins Büro. Die Dogwalkerin schickte uns Fotos von unserem Tier, wie es glücklich mit anderen Hunden spazierte, am Baggersee planschte. Als sie nach Hause kam, war ich noch im Büro. Ich wollte von meiner Frau ALLES wissen. Wie sie sich bei Ankunft verhielt, ob sie sich freue, ob sie müde sei, ob irgendwas anders ist als sonst. Meine Frau schrieb, sie wirke glücklich aber unkoordiniert und müde. Vermutlich habe sie viel zu verarbeiten.
Mit dieser Info weiss ich nur wenig anzufangen.

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Nach der Arbeit fuhr ich direkt zum Termin mit meiner Tätowiererin. Sie kommt eigentlich aus Florenz. Sie wohnte für viele Jahre in Berlin aber kurz vor der Pandemie lernte sie einen Mann aus Florenz kennen. Dieser ist beruflich nicht besonders flexibel, daher verbringt sie jetzt einen Grossteil ihrer Zeit in Italien, sie hat aber ihre Wohnung behalten und kommt oft nach Berlin um ihre Kunden zu stechen. Sie will ihr Leben hier aufrecht behalten, weil sie perspektivisch beide nach Berlin ziehen werden. Normalerweise mietet sie sich einen Tisch in einem befreundeten Studio, heute schlug sie aber vor, zu ihr in die Wohnung zu gehen. Ich fand das OK. So lernte ich ihren Freund kennen, mit dem ich mehr als zwei Stunden plauderte, während sie die Vorbereitungen traf.

Die ganze Termin samt Vorbereitung sollte etwa zwei Stunden dauern, letztendlich verbrachte ich fünf Stunden bei ihr. Ihr Arbeitszimmer ist auch das Schlafzimmer, da sie ihr ehemaliges Schlafzimmer, aufgrund ihrer Aufenthalte in Florenz, untervermietet. Das Zimmer ist vollgepackt mit Bildern, Kleidern, Plastiken, Tüchern. Von meiner Liege aus schaue ich auf die Dächer Neukölns, ich höre den Verkehr der Sonnenallee, Feuerwehr, Polizei, Hupen, Menschen. Bei 32 Grad. Ich fands OK. Wenn man sich nicht bewegen muss und man im Schatten liegt, sind 32 Grad in Ordnung. Ich fühlte mich in Wong Kar Wai’s Hong Kong der sechziger Jahre verlegt.

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