[Samstag, 22.10.2022 – Manuskript, Rainer S, Gartenparty in Mahlsdorf]

Meine Exfreundin aus den Niederlanden schickte mir heute die ersten 50 Seiten ihres Manuskriptes. Sie schreibt gerade an einem teilweise autobiographischen Roman, der von ihrer Zeit in Zimbabwe erzählt. Sie sieht sich nicht als Schriftstellerin, sie veröffentlich aber regelmässig Bastel- und Workshop-Bücher für Kinder. Allerdings läuft sie schon seit Jahren mit dieser Geschichte aus Afrika herum und nun scheint sie den richtigen Ton dafür gefunden zu haben.

Mich freut das sehr für sie. Auch ich komme in der Geschichte vor, sie überlässt es aber mir, ob ich bei meinem richtigen Namen genannt werden will.

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Rainer Schaller ist vermutlich tot. Sein Privatflugzeug ist mit ihm an Bord, in der Karibik verschwunden. Mittlerweile hat man Trümmerteile und nicht identifizierte Leichen gefunden. Rainer Schaller kenne ich persönlich, weil ich in 2012 bei McFit arbeitete und damals für den Rollout der IT in Italien und Spanien zuständig war.

Ich kannte ihn nur in beruflichem Kontext. Damals gab es wieder einen Prozess gegen seine Person wegen der Katastrophe auf der Love Parade in Duisburg. Keine Ahnung wie er damit umging, dass eine von ihm organisierte Veranstaltung zu 21 Toten führte. Mich würde so etwas fertig machen. Er war in meinen Monaten bei McFit aber immer nur professionell, nett.

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Am Nachmittag gingen wir auf eine Geburtstagsfeier einer Freundin nach Mahlsdorf. Die Feier war als Gartenparty angelegt, wir konnten also das Tier mitnehmen, auch weil noch andere Hunde da sein würden.

Wir fuhren mit meiner Freundin Doro im Auto. Mahlsdorf ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen. Wir bräuchten mehr als eine Stunde, mit dem Auto hingehen sind es dreissig Minuten. Ich fahre aber ungerne mit dem Auto zu einer Feier, ich trinke nämlich nicht wenn ich fahre, allerdings gehe ich auch nicht auf eine Party, wenn ich nichts trinke. Das erste und letzte Mal, an dem ich mit einem Auto zu einer Feier fuhr, war auf einer Hochzeit in Sardinien. Da ich es nicht gewohnt bin, auf Feiern keinen Alkohol zu trinken, vergass ich das Trinken vollends und bekam furchtbare Kopfschmerzen deswegen. Auch Tabletten und nachträgliche Wassermengen schafften es nicht den Schmerz zu besänftigen.
Soviel zu meiner Erfahrung mit rauschlosen Nächten.

Doro fuhr mit dem Auto und bot sich an uns mitzunehmen.

Auch Anne war da. Sie war den ganzen Weg von PBerg nach Mahlsdorf geradelt. Anne war übrigens auch auf jener Hochzeit in Sardinien zugegen. Lustiger Zufall, dass diese beide Umstände völlig kontextlos in einem einzigen Tagebucheintrag untergebracht sind. Dabei hatte ich jene Sardinienfahrt 2016 gar nicht im Blog erwähnt. Das hatte damals Gründe.

Die Feier ist sehr liebevoll ausgerichtet. Der grosse Garten mit Lichterketten und Herbstthemen geschmückt. Am hinteren Ende des Gartens brennt ein Feuer. Drumherum sind feste Strohballen ausgelegt, auf denen es sich ganz vortrefflich sitzt. Es gibt ein selbstgebrautes Coffee Porter und phantastische, vegetarische Speisen, ausserdem ein superfette Torte, von der mir nachher der ganze Mund klebt. Die beiden Gastgeberinnen sind Bloggerinnen von früher, wir kennen uns schon lange. Sie lieben Skandinavien und Hunde. Der Ehemann braut Bier und kennt sich mit Whisky aus. Wir haben also immer viele Themen.

Als Geschenk bringen wir einen finnischen Gin mit, in dem arktischen Preisselbeeren verarbeitet sind. Das passt thematisch zu unserer Freundschaft.

Auf der Rückfahrt hängt ein leichter Nebel über der Stadt. Die Lichter verwischen. Doro spricht mich darauf an, dass ich meine Hündin immer als ‘das Tier’ bezeichne. Ich weiss, dass das etwas seltsam klingt. Ich empfinde so viel Liebe für dieses Tier, dass ich sie aus Selbstschutz als Tier bezeichne. Das gibt mir ein wenig Distanz wenn ich über sie schreibe. Vielleicht muss ich das aber ändern.

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