{ausgerechnet sie}

Ausgerechnet sie, die immer die tollen Sonnenbrillen trägt, die ich am trendigen Schulterblatt immer sehe, wie toll sie ist, die Kleidung die sie einordnet, ihr ganz individueller Stil, wie halt alle ihre Freunde, in dieser individuellen Uniform gesteckt, gepresst, die Gestik, die Sprache, diese heitere Hektik, immer auf der Seite der Lacher, kreativ, “irgendwas Kreatives”, als würde sie sagen “Pommes mit irgendwas”, die paar gewechselten Worte blosse Hüllen, kennste den, kennste den, wie sie sich im Freundeskreis tummelt, im Rausch der Grossstadt, wobei man selbst nacher immer ein wenig mit dem Gefühl alleine bleibt, man würde was verpassen im Leben, so bunt sei es noch nie gewesen, wie grau man doch geworden sei.

Ausgerechnet sie, die in unser kleines Haus einzieht, wo wir anderen einander richtig grüssen, und nicht nur das, sondern auch oft zusammen die Weinflaschen leeren und den mitgebrachten Tee aus Friesland trinken, wenn die Tage kalt sind, oder auch warm, oder regnerisch, oder langweilig, in unserem Haus, in dem halt jeder tut was er will, man nebeneinander herlebt, wie Nachbarn das halt so machen, aber man trotzdem einander mag, und sich in einer Grosstadtidylle wähnt, weil doch alle ach so jung sind, und das anonyme Hochhausleben ohnehin veraltet ist. Und dann, warum nicht sie. Bestimmt nett, die Neue im ersten Stock.

Ausgerechnet sie, bringt diesen Hauch von Bürgerlichkeit ins Haus, und klopft mit dem Besen an die Decke wenn der Nachbar um neun Uhr abends laute Musik hört.

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