primo maggio

Der große, grüne Polizeiwagen mit der Aufschrift Bearbeitungstrupp fährt hinter dem Demonstrationszug her. Ich muß an einen Fleischwolf denken, der ahnungslosem Frischfleisch hinterherhechelt. Ganz kurz staune ich, wie gutherzig die Aufschrift eigentlich ist, wie es wohl wäre, wenn da Verarbeitungstrupp stünde. Und trotzdem finde ich den Orwellschen Neusprech in diesem Fall gräulich mißglückt. Aber wer weiß, vielleicht wird in diesem Wagen wirklich nur Vorarbeit geleistet, gehäutet und geschält beispielsweise, die Nieten vom Bösen getrennt, die Spitzeln von den Stacheln.

Der Neo-Schanzianer der sich am Neuen Pferdemarkt beklagt, dass er dieses Jahr wieder nicht seinen Latte am Schulterblatt trinken könne. Er weiß natürlich nicht, dass die Schanze so cool geworden ist, gerade weil dort regelmäßig Pflastersteine zweckentfremdet wurden. Aber vermutlich ist ihm das egal, die Frauen sind schließlich schöner geworden.

Bearbeitungstrupp. Was für ein Name. Muss ich nachher googeln.

Sie ist heute nach Berlin gezogen. Heute. Bepackt wie ein Lastentier unter einer schweren Reisetasche, einem Rucksack, einer vollgestopften Laptoptasche und ihrer Handtasche, irrt sie durch Kreuzberg auf der Suche nach dieser vorläufigen Adresse. Als wäre es ein Film, ruft sie mich von ihrem Handy aus an und ich höre sie meinen Namen rufen. Danach versinkt ihre Stimme in Polizeisirenen. Es ist ein bisschen wie das letzte Zeichen einer geliebten Person im Weltall, kurz bevor der Kuypers Gürtel die letzten Übertragungswellen abreißt. Ich weiß natürlich, dass es im Weltall keine Polizeisirenen gibt. Und das ist gut.

Bearbeitungstrupp. Was für ein geiler Name. Muss ich unbedingt googeln.

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