[…]

Was der Geschichte vorausging: ich stand auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs und schmiss Münzen in den Automaten. Zwei Euro zehn, weil ich über den Ring fahren musste und danach umsteigen zum Ostbahnhof, da erschwindelt man sich keine Kurzstrecke zusammen, A/B-Karte also, Zweieurozehn statt der Einsdreißig. So stand ich auf dem Bahnsteig und schmiss beharrlich dieses Zwei-Euro-Stück durch den Schlitz, den mir der Automat folglich mit derselben Beharrlichkeit immer wieder ausspuckte. Da ich auf Geduldsfäden nie besonders lange Geige spielen kann, beschloss ich die Straßenbahn zu nehmen, denn als gut geölter (Eher-brennt-die-)BVG-Kunde weiß ich, dass ich über die Straßenbahnroute lediglich 3 Minuten länger brauche, und der BVG-O-Mat somit eine zweite Chance meine Münze zu schlucken bekam.
Es ist als Lesender nicht sonderlich schwer vorauszusehen, dass ich daraufhin in der fahrenden Straßenbahn stand und beharrlich dieses Zwei-Euro-Stück in den Schlitz warf, das mir der Automat ebenso beharrlich wieder ausspuckte. Und so spuckte ich auf die BVG, denn bevor irgendwelche Saiten reißen und ich gezwungen werde andere Fäden aufzuziehen, beschloss ich, mich hinzusetzen und guten Gewissens aus dem Fenster zu schauen.
Und an dieser Stelle ist es noch einfacher zu ahnen was dann geschah.
Draußen schien nämlich die Sonne ziemlich gelb und in der Straßenbahn rief jemand: Fahrscheine bitte!
Es gibt da so Momente die mag man nicht.
Die Passagiere suchten dann nach ihren Fahrscheinen. Und ich suchte nach meiner inkompatiblen Münze.
Die BVG-Dame war unfreundlich, sie raunzte von Weitem schon und während ich wartete und den Moment verfluchte, wiegte ich die Münze in der Hand, der besseren Zeiten wegen, und während ich so an die besseren Zeiten dachte, las ich “Repubblica Italiana” auf meiner Münze und ich sagte mir: witzig das, denkst an bessere Zeiten und hältst dabei eine italienische Zwei-Euro-Münze in der Hand, als ob das jetzt etwas Gutes bedeuten würde.
Das bedeutete selbstredend nichts Gutes. Damals in den alten, guten Zeiten, ende 2001, lachte ich nämlich über das neue Geld: Hehe, schau, die 2 Euro sehen aus wie Fünfhundert Lire.
Tja, so war das dann.
500 Lire in der Hand aber kein Ticket, und die unfreundliche BVG-Dame schnaufend neben mir.
Ich hielt ihr die Zweieurozehn im Wert von 35 Cent vor die Nase und log ihr geradewegs ins Gesicht.
Die BVG-Dame schaute lange in meine Hand. Und dann. Dann befahl mich zu Ihrem -O-Maten. Das müsse ich ihr jetzt mal zeigen.

Und damit kommen wir zum Hauptteil der Geschichte: Stecken und spucken.
Ich steckte die Münze in den Schlitz und der O-Mat spuckte ihn wieder aus.
Die BVG-Dame sagte: Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich steckte und es spuckte.
Dochdoch dat jeht schon.
Ich sagte zur BVG-Dame: ich steck die Münze jetzt nicht mehr in den Schlitz, und dann ging sie zum O-Maten und wurde auf die selbe Weise angespuckt wie ich.
Jeht nicht, sagte sie.
Dochdoch, dat jeht schon, sagte ich.
Wir sind uns also einig, sagte sie.
Wir waren uns einig.
Und komm mir jetzt bloß nicht auf den Gedanken die Münze genauer anzusehen. Das dachte ich. Was ich aber sagte: Ich muss Alexanderplatz umsteigen, dann kaufe ich für die S-Bahn eine Karte.
Damit hatte sie Frieden.

Einen Epilog soll es noch geben, damit der ganze Kram irgendwie dreiteilig Gegliedert ist. Ich habe da so meine Monkitäten.
Und der Epilog geht so: ich hatte am Alex natürlich vergessen eine Karte zu kaufen und bin schwarz wie ein Kohlehydrat mit meiner Zaubermünze zum Ostbahnhof gefahren. Später am Mittagstisch erzählte ich die Geschichte meinen Kollegen. Der Chef wollte die 500 Lire sehen und sagte, sein Sohn sei großer Italien-Fan, ob er mir die Münze abkaufen könne, wieviel sie denn Wert sei. Ich sagte zwei Euro, er sagte: hehe, ich sagte: hehe, wir alle sagten: hehe. Und dann sagte ich: Lass sein, ich schenke sie ihm.
Und so sind wir auch bei der Moral der Geschichte angekommen: irgendwie alles gut immer.

13 Comments

  1. anna

    die hat gesehen, dass es ein lirestück war, und hatte sofort schreckliche angst vor dir. weil sie wusste, was ihr blüht, wenn sie dir wirkliche probleme macht – der nächste mafiamord nämlich, mit ihr am falschen ende der geschichte. bvg-damen sind da manchmal unvernünftig.
    oder aber, und noch wahrscheinlicher, sie hat sich einfach in dich verliebt, auf der stelle, und hat das ganze tänzchen aufgeführt, damit sie mit dir ins gespräch kommt. da sind die bvg-damen dann wiederum manchmal vernünftig… nur eingefallen ist ihr nix.
    wahrscheinlich kontrolliert sie seitdem nur noch unsinn zusammen, und hofft, dich irgendwo wiederzutreffen.
    und wir alle-anderen werden nun kleinkontrolliert, weil der herr mek sich mal wieder zu fein war, eine bvgeuse anzulächeln. oder zu mafiamorden.
    und stattdessen unschuldig blinzelnd seine spur der verwüstung weiter durch europa zieht. münchen, bvg, was kommt als nächstes? ich fahr auf jeden fall die nächsten wochen nur noch mit helm.

  2. mek

    Bvgör ist ein Substantiv, also mit einer Capitale vornedran.

    Was mir im übrigen auch gefällt: Bvgöhre. Aber das ist ja leider beleidigend.

  3. Dann soll es aber ab sofort auch Houseritis geben ;-)….
    für Kotzigkeit im Berufsleben.
    Sie sind nicht allein, ich hab mir auch schon die 500 Lire andrehen lassen, ganz klassisch in der Pizzeria.

  4. mek

    Andrehen? Sie sagen mir gerade man hat mir die Münze angedreht? Hinterlistig und hundsgemein gegen meinen Willen: angedreht?

  5. mai

    jetzt wird es spooky…… genau bei ihrer moral angekommen und im radio läuft das lied…..

    fettes brot…..

    ….alles genau wie immer…. wir sehen gut aus wie immer…..

    ich lese, ich höre und es ist als ob ich im kopf ein echo hätte….

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