26 Mai Mittwoch/Wednesday – Carefree

Nach einer Woche mit Always Ultras (mit Fluegel) wurde mir das doch etwas zuviel. Ich konnte mich schlichtweg nicht an die Fluegel gewoehnen. Ueberdies sind das ja slipeinlagen und die haben ein Klebeband an der Rueckseite, wodurch sich die Dinger dauernd an meine Unterhose festkleben, also jedesmal wenn ich meine Hose etwas hochziehe, hoere ich ein reissendes Geraeusch in meiner Hose. Also ging ich heute wieder in die Apotheke:
M: Haben Sie auch Always Ultra ohne die laestigen Fluegel?
A: Nein die fuehren wir leider nicht.
M: Ach, wie schade, die fuehlen sich so fein an, so schoen duenn, aber die Fluegel…
A: (etwas verdutzt)
M: Was koennen Sie mir empfehlen? Ich habe mich so an diese flauschigen Always gewoehnt.
A: (mir einen verstoerten Blick zuwerfend) Wir haben Carefree. Die sind sehr beliebt.
M: Haben die auch so ein laestiges Klebeband?
A: Ja, aber Sie koennen die Schutzfolie drueber lassen.
M: Aha, also nicht so wie bei den Always dass man beim oeffnen schon keine Wahl mehr hat?
A: Genau. Bei diesen ist eine extra Folie drauf.
Die Welt der Frauen ist sehr komplex und interessant.
Und Julietta will jetzt nicht mehr in meiner Begleitung an der Apotheke vorbei gehen.

7 April Mittwoch/Wednesday

Zurueck zu den Lebenden. Ich kann jetzt von ekligen Details berichten wo gestern frueh meine Eiterbeule vonselbst geplatzt war, aber das unterlasse ich jetzt mal. Sondern bescraenke mich besser auf Details im Krankenhaus. Ich bin da ja nicht oft, deshalb kann ich untraumatisiert darueber berichten. Da angekommen wurde mir schon bald mitgeteilt ich solle mich ausziehen und auf ein Bett da drueben legen, den Zettel ueber Narkosen durchlesen und unterschreiben, dann wuerde der Anaesthesist kommen und mich einschlaefern. An diesem Punkt ging Julietta weg, die mich die ganze Zeit begleitet hatte. Sie wuerde mich nach der OP mit dem Auto abholen. Waehrend dem Lesen jenes Zettels schlief ich jedoch ein, so muede war ich von der letzten Nacht, wo ich wegen dem Schmerz kaum ein Auge zugedrueckt hatte. Fuenf Stunden spaeter erwachte ich wieder, mit dem Zettel in der Hand, fuellte ihn weiter aus und rief dann die Krankenschwester. Irgendwie hatten die mich wohl vergessen, weil danach ging alles schnell. Ich wurde in den OP-Raum geschoben und die Anaesthesistin (welche verdaechtig viel meiner Schwester Sigrid aehnelt, die auch Medizin studiert) mit Fragen zugeworfen:
A: Rauchen Sie?
M: Ja.
A: Natuerlich Sie wohnen ja in der XXXXXXXXstrasse. Da raucht jeder.
M: oh?
A: Dann nehmen Sie auch Drogen.
M: Nein.
A: Natuerlich. Kommen Sie, Sie muessen mir schon die Wahrheit sagen.
M: Ich nehme keine Drogen.
A: Aber frueher schon?
M: Ja, frueher schon.
A: Na sehn Sie. Welche Drogen waren das?
M: Alle.
A: Na sehn Sie.
M: Sind sie diejenige die mich am Arsch aufschlitzt? (ich hoffte auf ein ‘nein’)
A: Nein. Ich bin diejenige die Ihnen das Gift verabreicht. (Satanisches Grinsen).
M: Wer wird mich dann aufschlitzen?
A: Der kommt gleich. Wo kommen Sie eigentlich her, sie haben einen merkwuerdigen Akzent.
M: Suedtirol.
A: Ach wie schoen, ich fahre jedes Jahr nach St.Christina. Aber ihr Akzent klingt irgendwie anders. Ich kenne die Leute da.
M: Ich habe einige Jahre in Holland gewohnt.
A: Ah Holland. Haschisch.
M: Nein. Holland. Kaese.
(Sie stach mir einen Schlauch in die Hand und verband das mit einer Flasche die ueber mir hing)
M: Was ist das?
A: Wasser.
M: Aha (ich bin sehr gutglaeubig), wofuer?
A: Sie sind etwas ausgetrocknet.
(Dann hielt sie mir eine Maske mit komisch riechender Luft ueber dem Gesicht)
M: Das ist Ether? Damit ich einschlafe oder? Das hab ich im Fernsehen gesehen.
A: Nein, das ist D. (irgendein Wort mit D), wirkt besser.
(Dann ging die Tuere auf und der Chirurg kam rein)
A: Das ist der Typ der Sie aufschlitzen wird.
M: Oh der sieht sehr vertrauenwuerdig aus.
A: Ja, es gibt keinen in der Stadt der so gut aufschlitzt.
M: Hmm.

Ich glaube mit dem ‘Hmm’ wollte ich eigentlich was sagen, aber da trat ich weg. Anaesthesisten sind gefaehrliche Leute glaube ich. Die sollte man nicht frei rumlaufen lassen.
Kurz danach fand ich mich in einem anderen Raum wieder. Ich blickte auf und sah drei weitere Betten mit Leuten drauf. Ich hatte Durst, also stand ich auf und wollte mir was zu trinken besorgen. Ungefaehr gleichzeitig geschahen dann zwei Dinge, erst ein Typ, den ich gleich als Krankenpfleger identifizierte sprang zu mir herueber und meinte “Hey was machen Sie da?”, und in dem Moment merkte ich auch dass mein Koerper mit allen moeglichen Kabeln und Schlaeuchen verbunden war. Weit waere ich eh nicht gekommen. Ich war ueberraschend schnell wach geworden. “Ich habe Durst” sagte ich. Der Pfleger holte mir ein Glas Wasser. “Wann werde ich endlich mal operiert?” wollte ich wissen. “Das haben Sie schon hinter sich”. Ich war sehr verbluefft. Der Schlaf kam mir vor alsob er nur eine Minute gedauert haette. Ich fuehlte an meinem Hintern und merkte dass ich eine Art Windel anhatte. “Also, kann ich nun gehen oder?” “Nein, das geht nicht, Sie muessen noch drei Stunden hier bleiben” “Drei Stunden? Das schaff ich nicht. Ich will eine Pizza. Ich kann nicht mehr liegen.” “Es tut mir leid. Legen Sie sich noch etwas hin.” “OK, koennen Sie mir etwas zu lesen geben, ich kann hier nicht einfach so liegen”. Der Pfleger ging weg und kam kurz darauf mit einem Bayern-Urlaubsprospekt zurueck. Erst zuhause fiel mir auf welch eine bloede Lektuere das war, aber ich nahm das Prospekt dankend an und vertiefte mich darin. Ich kann mich an kein Wort mehr erinnern, das darin vorkam. Vielleicht war ich im Kopf doch noch nicht so fit wie ich glaubte. Aber was muss sich der Pfleger gedacht haben wo er sich das Prospekt fuer mich ausgesucht hatte? Jetzt kommt es mir vor wie eine Verarschung. Wahrscheinlich weiss er dass Leute die aus der Narkose erwachen nicht ganz bei Sinnen sind.
Nachdem ich das aber alles durchgelesen hatte wurde ich wieder ungeduldig und verhandelte mit dem Pfleger dass ich schon eine Stunde frueher nach Hause duerfe. Und dann kam der tuerkische Bettenschieber ploetzlich (vielleicht befand ich mich wirklich im Halbschlaf, weil das so ploetzlich geschah) und schob mich durch das halbe Krankenhaus. Wir unterhielten uns blendent ueber unser Leben und ueber Nachtschichten, dann trafen wir noch seine ganze Familie in irgendeinem Gang, ein ganzer Haufen tuerkischer Kinder und Frauen im Kopftuch. Ich fragte nicht warum die hier waeren, mir kam das ganz normal vor. Dann kam ich zurueck in das Zimmer wo ich ganz am Anfang war. Da bekam ich meine Sachen wieder und durfte mich anziehen. Also stand ich da, voll angezogen und bereit zu gehen, jedoch musste ich noch eine Stunde warten. Julietta war schon informiert. Ich nervte die anwesenden Pfleger mit meiner Ungeduld, und einer gab mir einige Cents und zeigte mir den Raucherraum, wo ich mir bei eventuell anwesenden Rauchern eine Zigarette kaufen konnte. Und tatsaechlich sassen da etwas runtergekommene Patienten am Rauchertisch, gaben mir eine Zigarette und dann war ich gluecklich. Um zehn kam dann Julietta, ich kam nach Hause und konnte endlich Pizza bestellen.

9 Maerz Dienstag/Tuesday

Since I lived in Madrid, I have the habit to pick up the phone and say: “Hola?”

m: Hola?
g: Hola que tal!
m: muy bien, y tu?
g: Ah si, yo tambien. Pero tenemos lluvia ahoy.
m: oh que mala suerte, aqui tenemos siempre lluvia, no la veo todavia.
g: HAHA, que vida de perros alli en alemana.
m: Ma no, me gusta el tiempo melancolico.
g: Hehe, si si, mira Alicia estas contigo?
m: No, Alicia no estas aqui.
g: oh, y cuando vuelve?
m: no lo se, no conosco Alicia.
g: que?
m: No se quien es Alicia.
g: (silencio)
m: pienso que has llamado el numero incorrecto.
g: ah si? Pero llamo un numero alemano
m: si, estoy en alemana
g: Amburgo?
m: Si, en Amburgo
g: Haha, que coincidencia!!
m: si.