[30.4.]

Liebes Tagebuchblog. Heute war Zoff im Haus. Ich hörte beim Besprühen meiner Basilikumsamen laute Stimmen:
-eine aufgeregte Frauenstimme
-zwei sich verteidigende Männerstimmen
-eine lallende Männerstimme
Es gab ein Problem. Die verteidigenden Männerstimmen waren Bauarbeiter die im Dachgeschoß eine Wohnung renovierten und laufend Schutt nach draußen beförderten, wodurch die Haustüre offen stand. Die aufgeregte Frauenstimme gehörte Frau H. Und Frau H hat zwei Probleme. Das größere der beiden ist die offene Haustür. Denn: die offene Haustür animiert “wildfremde Vandalen” dazu unseren Hausflur zu besudeln und die Postfächer zu schänden. Doch die Baurarbeiter sprachen kein Deutsch, verstanden zwar Frau H’s Anliegen, wollten aber bloß Schutt nach außen befördern und dabei nicht gestört werden.
Die lallende Stimme im Treppenhaus war Herr H. Und damit wären wir bei Frau H’s zweitem Problem.
Ich suchte nach Kräften Müll, um einen Grund zum Hinuntergehen zu sammeln. Ich merkte, dass da jemand beruhigen muss. Als ich soweit war hatte sich schon eine Stimme der Aufregung hinzugefügt: Herr Hb aus dem dritten Stock. Ein erfolgreicher Fotograf mit dem ich seit einer Woche unerwartet herzlichen Kontakt pflege.
Unten angekommen ist alles wieder entspannt. Die Bauarbeiter tragen Schutt nach außen und Frau H äußert Herrn Hb ihren Unmut. Ich schließe mich dem Gespräch an und spreche einige schlichtenden Worte. Nur Herr H brüllt von oben Unverständlichkeiten die Frau H mit einem ICHKOMMJAGLEICH quittiert. Herr H schlägt mit der Tür. Frau H erzählt weiter. Von früher. Herr H brüllt wieder von oben, er würde bis drei zählen, dann müsse sie kommen, sie brüllt: JAJAJA. Und redet weiter mit uns. Irgendwann steht ein älterer Herr sehr ungleichgewichtig am oberen Ende der Treppe mit einem langen Hammer in der Hand und brüllt: KOMMSUJEEETZT.
Sie sagt: JAJAJA.
Keine Pointe sowas. Aber irgendwie Marmelade.

Später habe ich dann Frau Casino auf einen Wein getroffen. Was zu einem sehr warmen Abend wurde, und aus dem Wein wurde ein Zweiter. Und schließlich wurde es spät.

[28.4.]

Der gestrige Eintrag geht so natürlich überhaupt nicht. War doch der Plan dem Geschehenen Relevanz zu geben, und wenn schon keine Liebe dafür da ist, dann sollte man doch mindestens versuchen dem Geschehen auf lieblose Weise Relevanz zu geben, schon nur um zu sehen wie das dann aussieht, weil Dinge die man liebt auf ein Podest zu stellen ohnehin ein Einfaches ist, das man zur Genüge kennt.

Heute also getan:
-zum Frühstück nicht sonderlich viel Hunger gehabt.
-Bei einem Balkonbauer einen Kostenvoranschlag eingeholt. Als ich diesen Satz so dachte habe ich ihn nochmal langsam nachsagen müssen: Bei einem Balkonbauer einen Kostenvoranschlag eingeholt. Um den Satz langsam auf der Zunge schmelzen zu lassen. Auch wenn zergehen schöner ist, aber zergehen habe ich als Kind schon nie verstanden, man kann sich Füße zergehen, aber Wörter auf der Zunge gehen nicht. Gingen jedenfalls nicht. Heute sehe ich das schon anders. Aber mittlerweile geht ja so vieles das ich nichtmal kommen habe sehen. Wie auch immer: Bei einem Balkonbauer einen Kostenvoranschlag eingeholt. Und das ist wirklich schnafte. Das ist sowas wie Kinderkriegen und sich dabei unheimlich erwachsen vorkommen.
-Danach habe ich mich in den Weinbergspark setzen wollen um ein paar Sachen zu tippen, da ich gerade merke wie sehr ich mich bei Tageslicht besser auf eine Sache konzentrieren kann, weniger ablenken lasse vom Browser im Hintergrund, und überhaupt: viel mehr Energie die da reingeht. Und Energie ist klasse. Das wusste ich nicht.
Wenn die Sonne untergeht, dann geht das Licht aus und es wird immer alles düster in mir.
-Das hat aber nicht funktioniert. Statt Weinbergspark hatte ich Verpflichtungen die sich in die Länge zogen.

[27.4.]

Oh. (Bin am Pensieren)

[26.4.]

Den halben Tag mit Warten verbracht. In der Zwischenzeit das Fahrrad repariert, Kräutererde in Blumekisten gestopft und mit einem selbstgebastelten, vermutlich patentierbaren Befestigungsmechanismus an den Fenstersimsen be- festigt. Den EEEPC aufgeladen weil ich mich damit in den Mauerpark setzen wollte ein paar Notizen niederzutippen, dann nur bis zur nächsten Bar gekommen, dort mit K einen Prosecco in der milden Sonne getrunken, über die moderne Oper von letztem Monat und die vielen Veränderungen in der Stadt geredet. Dabei auf viele Parallelen gestoßen, und vor allem den fehlenden Mut festgestellt. In der Architektur, in der Musik, in der Liebe. Die Eleganz der Zurückhaltung als Ausrede. Das Gespräch ging in den zweiten Prosecco über und die Sonne ging unter.

[25.4.]

Heute beim Hinunterlaufen der Brunnenstraße John Lennon getroffen und ich sagte zu ihm, Hey John was machst Du denn hier und er sagte, hey Mek, nichts besonderes, aber das Wetter ist okay, ich dachte schaust mal raus was da so los ist und ich sagte, das ist gut, das Wetter ist auch wirklich klasse, dieses zwanziggrad-Wetter, könnte ja das ganze Jahr lang sein, wenn mich fragst, und er nickte, meinte, England im Westen am Lands end, davon dachte er immer, da müsse der Golfstrom dermaßen intensiv strömen, dass praktisch das ganze Jahr lang Frühling ist, das war aber nicht so, worauf ich ihm sagte, komisch das, verstehen tu ichs nicht, aber Europa so ganz ohne Winter, ich weiss nicht, er schaute nachdenklich in den Himmel und sagte, womöglich hättee ich recht, und ich fuhr fort: denke an Weihnachten und sofort sprang er ein: jesus, nein, warmes Christmas, das ginge ja gar nicht, könnte man ja gleich nach Australien [...]

[24.4.]

Mit Anna verabredet gewesen. Anna wohnt in Neuköln. Und da war es wieder: Freitagabend, die U8, und ich. Ich dachte ich träfe sie immer, die Spacken, aber diesmal waren sie nicht da und während ich mir so dachte, mensch, das musst Du tagebuchbloggen, schaute ich auf die Anzeige um mich zu vergewissern ob es auch tatsächlich die U8 war in der ich saß, und dann dachte ich: genau jetzt wo ich denke aufschreiben zu müssen, dass sie nicht mehr kommen, kommen sie bestimmt. Und das muss ich dann wiederum Tagebuchbloggen.
War dann aber nicht so.

Anna und ich spazierten von der Karl-Marx-Straße hinüber zum Flughafen Tempelhof. Tempelhof am Abend. Die letzten rot-orangen Verfärbungen der untergehenden Sonne vor uns am Horizont, die weiten Flächen, Rollbahnen, Funktürme mit Kugeln. Das fand ich ziemlich überwältigend. Und seltsam angetan war ich sprachlos.
Wir waren nicht die einzigen. Verschiedene Menschentrauben hingen dort an ihrem Platz, tranken Bier, schauten übers weite Feld und waren orangerot angeleuchtet. Wir und sie, wir wechselten wissende Blicke. Konspirativ.
Wir spazierten durch den Schillerkiez in Richtung Columbiadamm und redeten von der Liebe, bogen dann links in die Hasenheide ein und gelangten auf den Jahrmarkt Mai land, wo wir die überdimensionierten Kuschelpreise der Schießbuden musterten und dem mechanischen Drakula zuhörten der – geschützt vor alkoholisiertem Testosteron – hinter einem Bausperrzaun an seinem Sarg hantierte.
Das Riesenrad war recht hoch und im Festzelt spielten die 2 Rocking Ladies Hits aus den achtzigern-neunzigern, im Hintergrund, von der Bude hinter uns, der wuchtige Beat einer Technomelodie, weiter weg das Knallen und Krachen der bestuhlten Drehmaschinen und Autoscooter und ich hörte sogar den mechanischen Drakula wieder, auf der Tanzfläche vor den Rockingladies, tanzten zwei blondierte Frauen ein bisschen schüchtern mit ihren Kindern zu einem ABBA-Cover, davor saßen ihre beiden Männer und ein paar Freunde bei Bier und Bratwurst. Diese wunderbar glückliche Traurigkeit machte mich ziemllich dings.

Danach im Graefekiez etwas getrunken und geredet bis es spät wurde.

[23.4.]

Heute verabredet gewesen. Dann doch nicht. Dann vielleicht wieder schon. Dann wieder doch nicht. Und dann eigentlich schon aber auch wieder nicht.

Nach der Arbeit noch ins Galeria Kaufhof am Ostbahnhof spaziert. Wegen diesem neuen Vajo Superschmal auf dem sich so verdammt gut tippen läßt obwohl es viel kleiner ist als mein EEEPC. Kostet nur dreimal so viel. Ich sabbere ungerne. Also auf zur Leseecke.

In der Ramschkiste der Leseecke ein Buch von Marcus Hammerschmitt gesehen. Target. Für einen Euro. Das fand ich erniedrigend. Ich habe es sofort gekauft.
Daneben, auf dem Lesesessel der Leseecke, sitzt ein älterer Herr und liest einen Bildband.

Danach auf meinem neuen Fahrrad nach Moabit gefahren. Weil der Name so schön ist und weil ich mir immer denke, dass es sich dort gut wohnen ließe.

[22.4.]

-ein Fahrrad gekauft (119€)
-Isa einen Brief geschrieben

[Liebe Isa.]

Dein Brief hat mich sehr gefreut. Meine Antwort hat eine unverzeihlich lange Zeit auf sich warten lassen, aber Du musst wissen, ich drehe da gerade so ein Ding. Das nennt sich Tagebuchbloggen. Das ist von den Tagen erzählen und ins Internet stellen. Das hat dann viel Zeit gekostet.

Jetzt weiß ich übrigens wieder was es mit euch und Schotland auf sich hatte. Ja, die Freunde mit dem Haus mitten in der schottischen Landschaft mit dem heißen Bad auf der Wiese!
Freunde von denen ich dachte, warum ich sie nicht habe.
Was mir aus Deinen Erzählungen besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das fehlende Internet. Ich schäme mich. Aber vielleicht habe ich mir das auch nur besonders eingeprägt um nicht neidisch zu werden.
Ich bin kein neidischer Mensch, aber fehlendes Internet ist schon Scheiße ein heißes Bad in der kalten Luft auf der Wiese umgeben von Schottland ist schon superspitzenklasse.
Deine Fotos bei Flickr habe ich natürlich schon gesehen. Oh, das spukige, vernebelte Land, wie schön das ist.

Meine Hamburgpläne sind immer noch nicht gediehen, aber da ich ohnehin keine Pläne habe außer Dich und euch zu sehen, ein wenig an der Elbe zu spazieren und Stätten meiner Vergangenheit aufzusuchen, werde ich das eher kurzfristig entscheiden. Wenn irgendwie möglich, fände ich es ja unheimlich toll wiedermal mit euch allen zu essen und zu trinken. Wie damals so oft in der Pfälzer Stube am Schulterblatt. Ich habe gehört sie seien nun in die Schanzenstraße gezogen, ist das wahr? Meinst Du das würden wir hinbekommen? Ich würde mich natürlich sofort melden sobald ich einen Termin festgenagelt habe.

Wie ich Deinem Blog entnehme, hast Du mittlerweile ein neues Buch zum Übersetzen auf den Tisch. Ich frage mich ob Dein Beruf (Zunft, Gilde) nicht womöglich der krisensicherere Beruf ist, anders als bei den Kollegen von den Zeitungen und vom Fernsehen. Ich meine, Verlage wollen natürlich dauernd sparen, aber Bücher werden wiederum immer gelesen (in Zeiten von Pest und Elend nachweislich sogar mehr) und englische Bücher machen davon ja einen großen Teil aus.
Ein unkluger, nicht sehr tiefgehender Gedanke zur Lage der Republik. Deine Nachdenklichkeit bezog sich außerdem nicht so sehr auf die Wirtschaft sondern vielmehr auf Deine persönliche Lage. Es ging ja darum was man wirklich will. Womit die Sache um Zukunftangst sowieso vom Tisch ist. Weil Zukunftsangst, die will man nicht.

Was mich an der Rezession (lustig, gerade hier Rezension geschrieben zu haben) alleinig stört ist meine neue Position als Immobilienhai, während es draußen ein bisschen zu brodeln beginnt, eine Art von Umbruchsstimmung, oder gar Aufbruch, die Zeit, sich mit neuen Entwürfen zu beschäftigen, da ist das erste woran ich bei den andauernden Negativschlagzeilen zur Lage der Wirtschaft denken muss, die kleinbürgerliche Frage zum Kredit den es zu bedienen gilt.
Das ist unerträglich.
Es kommt die Revolution und ich muss die Papiere in Ordnung bringen.
Das muss ich in meinen Entwürfen erst mit einbauen.

Egal. Ich hoffe Du musstest in der Zwischenzeit nicht allzu oft zur Urschreitherapie. Geht es Dir denn gut?
Ich hoffe bald wieder von Dir zu hören. Das freut mich immer sehr.

Herzlichst.

Mek

[21.4.]

Wir verabredeten uns fürs Kino am Potsdamer Platz weil mir schlichtweg die Zeit gefehlt hatte etwas anderes aus den verschiedenen Programmen zu fischen. Dann eben wieder ins Kino. Jetzt wo die Leute in meinem Blog mitlesen können was ich so mache kann ich nicht den dritten Abend in Folge einfach zuhause verbringen.

Last Chance Harvey mit Emma Thompson und Dustin Hoffman gesehen. Sehr romantischer Film mit dem einzigen dauernd störenden Faktor, dass mich die nicht nachvollziehbare Liebe zu Harvey (Hoffman) irritiert hat. Aber die Szenen die er als den gedemütigten Vater in der Hochzeitsgesellschaft spielt. Ich saß steif im Sessel.
Emma Thompson war von der ersten Szene bis zur Letzten wunderbar, aber Emma Thompson ist immer von der ersten Szene bis zur Letzten wunderbar, und so oft denke ich mir, sie küssen zu wollen, dabei weiß ich gar nicht so genau warum. Das heißt, ich denke es zu wissen, aber das sage ich jetzt nicht.

[20.4.]

-Morgens in die Fabrik gefahren
-Abends nach Hause gefahren
In der Zeit dazwischen habe ich ganz oft nachgedacht.
Und eine Cola Light getrunken.

[19.4.]

Diese Neigung die schönen Sonntage drinnen zu verbringen, ich weiß nicht woher sie kommt, zumal ich wirklich gerne draußen bei einer Weißweinschorle sitze, aber dieses Sonnenpilgern der Menschen, ich habe es noch nie verstanden, wodurch sich jetzt der Anfang des Satzes natürlich erübrigt.

Heute also drin gesessen. Und an den einen Text weitergearbeitet. Neulich hatte ich mich auf einen Titel festgelegt: Allet. Das gefiel mir wegen dem verzweifelten Rufen den dieser Titel zu vermitteln scheint. Diese Idee habe ich heute allerdings wieder verworfen, aus Angst, man könnte es bei der englischen Übersetzung (ich habe offensichtlich zwei Hänge: einen Hang zu Marketing und einen Hang zu Selbstüberschätzung) gleichwohl mit einem berliner Akzent unterlegen. Erschaudern beim Gedanken an Everysing.

[18.4.]

Was also gestern geschah. Previously on mequitodotorg sozusagen.
Also: nichts besonderes.
-Statt des erwarteten Muskelkaters vom Völkerball war nur der Kater von den vielen Bieren nachher geblieben. Was mich sehr überrascht hatte am morgen. Die Erinnerung an die vielen Biere war mir völlig entglitten; so spaßig wie das Ballspiel vorher war.
-Um halb elf kam ich im Büro an und ich wurde unerwartet zu einen Vortrag einberufen. Dort saß ich dann schläfrig bis 4 Uhr. Danach hatte ich dann keine Lust mehr und bin nachhause gefahren.
-Unterwegs leckere Sachen gekauft weil ich Madame Modeste und J. zum Essen eingeladen hatte. Eine Art Housewarming.
-Gekocht hatte ich: Einen Pfifferlingrisotto als Vorspeise, und Gadertaler Tirtlen mit einer leichten Bärlauch-Quarksauce von K als Hauptspeise und dazu einen Salat.
-Getrunken haben wir einen köstlichen Teroldego, bei dem mir wieder einfiel wie lange ich keinen Teroldego mehr getrunken habe und wie schade das ist. Dann einen wunderbaren österreichischen Zweigelt. Rotwein aus Österreich. Das hat mich neulich ziemlich sprachlos gemacht als ich bei einer Klagenfurter Freundin das erstemal Zweigelt getrunken hatte. Ich sagte, aha, Interessant, Österreicher die italienischen Wein kaufen und ihn als östrreichische Marke verkaufen, und sie sagte, Neinnein, eine österreichische Traube ist das, und ich sagte, nasowat, österreichische Traube ist das.
Ich, der dachte österreichische Trauben würden man sofort zum Abschuss zur Destillation freigeben, oder besser gesagt:
Ich, der dachte österreichische Trauben würde man den österreichischen Tauben verfüttern, oder besser gesagt:
Ich, der nichtmal wusste dass in Österreich Trauben wachsen.
Nördlich des Brenners gibts es für mich ja nur noch Hopfen und Malz.

Heute sehr spät aus einem tiefen Betonschlaf erwacht. Nach dem Frühstück (Tirtlen und Risotto mit Kaffee) wieder zurück ins Bett und in einen zweiten Betonschlaf versunken. Danach ziemlich fit gewesen.
Ich wollte Fahrrad kaufen gehen. Da war es schon 16Uhr. K und ich spazierten die Brunnenstraße runter (überhaupt runter. Ich habe das Gefühl ich spaziere immer erstmal irgendwo runter) zu diesem Fahrradladen unweit der Ecke zur Invalidenstraße, der natürlich schon geschlossen hatte, und weil das ein bisschen blöd war sind wir dann weiter in Richtung Rosenthaler Platz gelaufen und dort ein bisschen in die Läden geguckt weil nachhause zu gehen war auch irgendwie blöd, wegen dem vielen Betonschlaf den wir schon hatten und gegessen hatten wir ja auch schon, aber die Sache mit dem Plan für den Samstag, das hatten wir einfach vergessen, und da war dieser Schuhladen in dem ich völlig unerwartet eine Bloggerin als Verkäuferin erkannte, das war ungewöhnlich, wo die Zeiten des Erkennens von Leuten aus dem Internet für mich ja schon längst vorbei sind, so vom Gefühl her jedenfalls, aber wir wachsen ja ständig nach, und das ist gut, jedenfalls. Ich habe natürlich nicht Hallo gesagt, sie wird mich ohnehin nicht gekannt haben, und so liefen wir weiter über den Rosenthaler Platz, den ich mittlerweile sehr mag, wie überhaupt diese ganze Ecke, vor allem den ersten Teil der Brunnenstraße, wo noch ein wenig von diesem alten Berliner schwarzgrau an den Fassaden klebt, wegen den halblegalen Häusern da vielleicht, aber auch wegen der angenehmen Enge, und dann fiel mir die Jeans ein, dass ich ja eine Jeans kaufen müsste, aber herrje, Scheunenviertel, da gibt es ja nur noch teure Boutiquen und ich gebe fürs verrecken kein teures Geld aus für Jeans, bin ja kein urbaner Cowboy, als dann K’s Telefon klingelte. Die beste Freundin die reden musste. Und dann habe ich die telefonierende K durch Berlin geführt. Lange Zeit später legte sie auf, und fragte, wo sind wir jetzt und ich sagte: hier beim Schloß. Und zeigte ihr die leere Sandfläche auf der Spreeinsel.
Wir standen dann noch eine Weile auf der Karl-Liebknecht-Brücke und haben übers Mittelalter geredet, weil wir jetzt die komplette Insel überblicken und hinüberschauen konnten bis zum Nikolaiviertel, wodurch sich das ganze mitteralterliche Berlin/Cöln begreifen ließ. Das war schon nicht schlecht.
Danach zum Alexanderplatz abgebogen, und uns im Galeria Kaufhof ganz oben ans Fenster gesessen und einen Kaffee getrunken. Dem treiben unten auf dem Platz zugesehen und über den Musiker mit seinem dreifüßigen Didgeridoo gestaunt. Das heisst, weniger über sein Instrument gestaunt als vielmehr darüber, dass er gleichzeitig dazu getrommelt hat. Irgendwann stieß eine Gruppe von zehn betrunkenen Männern dazu, sie alle trugen ein hellbraunes TShirt und Blumengirlanden um den Hals, vermutlich ein Junggesellenabschied. Einer der Gruppe stahl dem Musiker eine Schellentrommel und machte damit Krach und tanzte um den Musiker herum. Der Musiker muss ihn gehasst haben. Ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
Danach sind wir mit der UBahn zurück. Und ich habe einen Bärlauchpesto gekocht.

[17.4.]

Und da sind wir wieder, liebes Tagebuch. Tag am Ende und ich auch. Ohne Dir etwas davon erzählt zu haben.
Das kann ich jetzt natürlich jeden Tag machen: sagen wie wenig ich Dir zu sagen habe.
Aber morgen sag ichs Dir.

[16.4.]

So geht das nastürlich nciht mit dem Tsgbuchbloggen wenn ich mich nich sn die Tasge halten kann.
Was daran lkiegebn mag dass ich heute Sport getrieben habe, also so halber Sport, eil Völkerbll, wozu ich heute die halbe Ateilung überreden konnte, was wirklcih sehr viel Spatz gemach habt und dnach, j danach. Danach bin ich dann ein bisschen versumpft, idt ja nicht nix so ein dehydrierter Zustand den man nachher osmotisieren muss. Dem Salz sein Alk.
Aber nciht dass ich jetzz bedingst wäre, wegen dem ganzen Lallen zwischen den Buchstaben, das sind vielmehr die engen Tasten dieses Netbookd und die grobertrunkene Motirik,

[15.4.]

Liebes Tagebuch. Heute weiß ich so gar nichts mit Dir anzufangen. Du bist da und ich auch, es gäbe das eine oder andere in Dich reinzudingsen, aber irgendwie keine Liebe da.
Ich habe mir heute bei FaceBook Freunde geadded.

[14.4.]

Als wäre ich im Urlaub gewesen, das Gefühl gehabt auf Reisen gewesen zu sein. Möglicherweise wegen den längeren Spaziergängen am Wochenende und natürlich wegen den vielen Tagen weit weg vom Büro. Schniefend im Bett.
Gestern Abend beim Einschlafen jedenfalls eine unheimliche Vorfreude für meine Arbeit verspürt. Und heute: das Büro erstrahlte in vollem Licht. Selten so glücklich gewesen das Team wiederzusehen, dabei immer ein bisschen zu gut gelaunt. Noch eine Woche krank und möglicherweise würde ich anfangen zu leuchten.

Heute dann erstmals unsere neue Kantine getestet. Überraschend gute Auswahl. In meine engere Auswahl fielen das Schweinesteak mit gebratenem Gemüse und das Tofuding mit gedünstetem Gemüse. Das Tofuding wurde unter der Kategorie Fit&Vital angepriesen.
Üblicherweise fällt meine Wahl auf das Gehaltvollere, immer aus Angst eventuell später am Nachmittag zu verhungern. Wenn man jahrelang von dieser Angst verfolgt wird, dann hat man irgendwann den Umfang meines umfangreichen Leibes und hält genügend Reserven mit dem Gürtel verschnürt, um jemand zwanzig Jahre lang vor dem Verhungern bewahren.
Heute, beim Anblick des Steaks, wurde etwas in mir anders.
Das Tofuding hat natürlich nicht geschmeckt.

-Abends Salat gegessen
-Danach diese kaputte Vase und meine FInger mit Sekundenkleber geklebt
-Jetzt Penseeabend.

[13.4.]

Irgendetwas war gestern. Heute den Ostermontagmorgen veschlafen. Ich als Frühaufsteher. Und Punkt zwölf war ich dann fit wie eine Kirchenglocke.

In dieser merkwürdigen Ostermontaglaune alle restlichen Twin Peaks Folgen geschaut. Das Ende war ein grandioser Abgang in Lynch-Manier und eine Abrechnung mit den Fehlentscheidungen von Fernsehhäusern und Geldgebern hinter den Kulissen, die diese großartige Serie letztendlich vermurkst haben.
Ich glaube ich habe noch niemals so viele Stunden fernsehend verbracht. Jetzt bin ich ein bisschen erschlagen auch wenn ich mir vorgenommen habe heute noch den Se-/Prequel Twin Peaks – Fire walk with me zu geben. Einfach um alles abzuschließen, mich von Agent Cooper, den Zwerg im roten Anzug, Norma, Audrey, den einarmigen Mike, Harry und Nadine, mit denen ich 29 Stunden meines Leben verbracht habe, zu verabschieden. Ich ziehe das Taschentuch und schniefe ein bisschen den laufenden Traurigkeitsrotz zurück in die Nase. Und winke ihnen nach.
Ich werde jetzt 19 Jahre nach der Serie natürlich keine Besprechung mehr führen.

[12.4.]

Heute war Ostersonntag. Wir meinten unheimlich witzig zu sein und Osterputz machen zu müssen. Was nach fünf Minuten natürlich nicht mehr witzig war, dafür aber ziemlich okee wegen dem Zitronengeruch überall nachher. Zudem habe ich meine Lieblingskrawatte zurückgefunden (beim Werkzeug. Was jetzt wie ein Witz klingt).
Um drei Uhr sind wir in die Nachmittagsvorstellung von “the dutchess” an den Potsdamer Platz. Der Film hat mich erschlagen, so viel verschwendete Liebe und Mühe, und alles um am Ende die Ausgangsposition wiederzuhaben und sich damit abzufinden. Nach dem Film haben wir uns in der alten Potsdamer Straße in die Sonne gesetzt und einen Prosecco bei diesem furchtbar schnösligen Laden dessen Namen ich nicht mehr weiß, getrunken und über Schnösel geredet. Auch über Touristen, aber wir beide sind oftmals dermaßen touristisch unterwegs mit unseren endlosen Stadtspaziergängen, dass man dabei ein seltsames Gefühl hat. Über Touristen zu reden.
Danach quer durch die Backsteinbauten da an diesem grünen Damm hindurch gelaufen um die dahinterliegende Stadtstruktur zur Stresemannstraße hin zu verstehen. Es gäbe jetzt einiges dazu zu sagen, liebes Tagebuch, aber heute ist nicht so mein Tag mehr, weil wir nachher noch einen Prosecco in der Kochstrasse getrunken haben, nach einem kleinen Umweg entlang dem neuen Gebäude der Topographie des Terrors (weil sie scheinbar gerade Richtfest gefeiert hatten, aber vom Gebäude steht erst das Skelett), und danach noch in der Auguststraße etwas gegessen und getrunken und jetzt bin ich einfach müde.
Und es ist 23:58

[11.4.]

Liebes Tagebuchblog. Heute muss ich schwindeln. Heute ist es schon nach Mitternacht und ich werde einfach das Datum fälschen.

Heute hat sich alles ein bisschen in die Länge gezogen. Erst ein opulentes Frühstück um zwölf Uhr bei Madame Modeste mit phantastischen Pasten vom Markt am Kollwitzplatz. Nach den herzhaften Dingen wollte ich am Ende noch die Weinmarmelade kosten, weil ich mir dachte, Marmelade aus Trauben, das kennen Sie nicht, das müssen Sie mal probieren, woraufhin mir erst auffiel, dass ich mich gesiezt hatte, was ich ziemlich eigenartig fand, mir dann aber dachte, egal, jetzt erstmal die Weinmarmelade probieren. Und diese Weinmarmelade, von der ich erwartete es sei Marmeladisierter Traubensaft, wie ja auch Pfirsichmarmelade schlicht nach marmeladisiertem Pfirsichsaft schmeckt, aber ganz anders ist das bei Weinmarmelade: Weinmarmelade riecht nicht nach Trauben sondern nach Wein.
Das war sehr toll.
Und hat sehr toll geschmeckt.
Drei Stunden später spazierte ich ich zur Verdauung mit K die Schönhauser Allee runter bis zur Torstraße, dann weiter die Alte Schönhauser Straße rein, bis zur Münzstraße, dann nach links, weil rechts wäre Hakescher Markt gewesen und Hackescher Markt an einem Samstag ist wirklich totale Marmelade. Deshalb also links die Memhardstraße rein und über die Karl-Liebknecht-Straße rüber durch diesen 60er-Jahre-Durchgang zwischen dem Kaufhof und dem Park Inn auf den Alexanderplatz gelangt und mich gefragt warum man neuerdings den Brunnen der Freundschaft (oder wars der Brunnen der Völkerverständigung?) immer mit so bayrischen Holzbuden einbaut. Es gab auch eine Holzbude mit (Süd)Tiroler Wurst, was mich sehr freute [...] und wir liefen weiter und standen irgendwann in diesem Alexa und ich finde das Alexa wirklich totale superklasse, diese ungeschickte Architektur mit vollkommen hilflosen Referenzen ins Altertum, ins Disneyland, es zitiert sogar den Historismus und zu guter Letzt darf man nicht vergessen: Das Ding ist riesig, steht mitten in der Stadt und ist grell Altrosa.
Die Menschen lieben es und das ist phantastisch.

Dann setzten wir uns in einen dieser neu ausgebauten S-Bahnbögen in der Dircksenstraße und tranken einen Prosecco, danach liefen wir irgendwie zurück, und mir war der Prosecco zu süß gewesen, ich hatte diese klebrige Zunge die ich auch nach dem Glühwein nicht ertrage, weshalb wir noch irgendwo auf einen weiteren Prosecco einkehrten, und danach war alles schon ein bisschen viel: der Nachmittag, die Sonne und der Sprudelwein, wir tranken also noch einen und irgendwie war dann einfach Proseccozeit, so halt, die Sonne und die freien Tage