Ich sehe wieder zivilisiert aus. Es brauchte eigentlich nur eine Stutzung des Bartes. Und eine ordentliche Dusche. Das Hemd und eine gescheite Hose waren auch hilfreich. Nur meine Frisur ist noch ziemlich verwuchert. Das war sie aber auch schon vorher. Morgen habe ich einen Termin bei der Friseurin, bis dahin muss ich sie mit viel Pomade bändigen.
Seit dem ersten Tag im Büro habe ich mich wieder völlig in Arbeit aufgelöst. Ein bisschen wie in Flusssäure. Zugegebenermaßen empfinde ich das gerade als sehr positiv. Nicht die Flusssäure, sondern die Arbeit. Während des Urlaubs war ich mental sehr weit von der Firma entfernt, seit der Rückkehr bin ich wieder mit voller Lust dabei. Als hätte ich einen Schalter. Ist nicht immer so.
Heute kam jemand in die Abteilung und fragte nach der Software „Dragon“. Eine Weile lang rätselten wir herum, bis sich herausstellte, dass „Dragon“ eine Spracherkennungssoftware ist, die früher „Dragon NaturallySpeaking“ hieß und in niederländischen (vermutlich auch deutschen) Computerzeitschriften als CD beigelegt wurde. Ich wurde augenblicklich in eine in Retrofarben getünchte Vergangenheit zurückgeworfen und fing an, von einer märchenähnlichen Zeit zu erzählen, wie ich 1999 diese Software mit meiner Stimme trainierte. Man musste nämlich stundenlang Texte einsprechen, damit sich die Software an die Stimme gewöhnte und so für die Diktierfunktion immer präziser wurde. Als Dragon das schließlich einigermaßen gut zu beherrschen begann, lief aber die kostenlose Trial-Lizenz wieder aus. Weil die CDs monatelang überall beilagen, hätte ich das Training monatelang wiederholen können. Was natürlich quatsch ist.
Ich dachte, wir würden uns alle gemeinsam ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Aber dann sagte einer meiner Mitarbeiter: „Neunzehn Neunundneunzig! Das war drei Jahre vor meiner Geburt.“