Bei Lidl 20 Paar einheitliche, schwarze Sockenpaare gekauft. Und jetzt fühle ich mich ungemein erwachsen. Dafür sortierte ich alle anderen Socken in einem Durchgang aus. Die wilde Mischung aus schwarzen Socken, die sich im Laufe der Jahre ansammelt, ist erstaunlich. Man denkt: schwarze Socken. Aber in Wirklichkeit ist es eine schwarzgraue Textilhölle aus unterschiedlichen Stoffen, Maßen und Formen. Kaum eine Socke passte noch zur anderen. Glücklicherweise kann man das in den Schuhen aber nicht erkennen.
Weiß auch nicht, was ich mit dieser Erkenntnis jetzt mache. Sie hat wenig intellektuellen Wert. Aber das Gefühl, 20 baugleiche Socken im Schrank zu haben, ist ein schönes Gefühl.
#
Ich habe jetzt ein lokales Statistiktool hier eingebaut. Ich kann sehen, dass der Großteil der Besucherinnen aus Frankfurt kommt. Mit Abstand. Aus Berlin gibt es verhältnismäßig wenige Besuche. Auch Hamburg oder München sind eher selten. Allerdings kommen viele kleine Ortschaften darin vor. Und sonst: Überall Frankfurt. Seit Wochen.
Lustigerweise kommt mein Vater aus einem kleinen Dolomitendorf, dessen Bewohner von den anderen Dörfern als „Hessen“ bezeichnet werden. Den Grund kennt man nicht so genau. Eine Gasthaustheorie besagt, dass das Bergwerk, in dem man im Spätmittelalter silberhaltige Blei-Erze abbaute, viele Arbeitskräfte jenseits der Alpen anzog. Jetzt ist es so, dass im Dorf meines Vaters jede zweite Person „Pfeifer“ mit Nachnamen heißt. Und zwar nur mit einem „f“. Wir sind nicht alle miteinander verwandt, und natürlich übertreibe ich mit der 50%, aber Pfeifer ist der häufigste Name in diesem Dorf, während er in anderen Gegenden Südtirols kaum vorkommt.
Nun gibt es diese Seiten, auf denen man die Verteilung von Familiennamen auf Landkarten überprüfen kann. Gibt man dort „Pfeifer“ ein, erkennt man eine Konzentration dieses Namens in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Ich sag ja nur. Ich bin da etwas auf der Spur. Wie ich das mit dem Statistiktool in Verbindung kriegen soll, weiß ich allerdings auch nicht.
#
Wie viele Sockenpaare muss man eigentlich haben, um sinnvoll rotieren zu können?
Laut Internet empfehlen die meisten Experten für Organisation 14 bis 20 Sockenpaare.
Check.
#
Ich muss Tapeziervideos auf YouTube anschauen. Bis Sonntag muss ich es gelernt haben. Ich schiebe das vor mir her. Eigentlich wollten meine Frau und ich gemeinsam diese Videos schauen, aber sie hat das jetzt an mich delegiert, weil sie bis zu unserer Abreise noch so viel arbeiten muss, aber in Wirklichkeit hat sie nur noch weniger Lust darauf als ich. Und ich bin eher der Typ planloser Autodidakt: Ich fange einfach an und mache alles falsch. Dafür bin ich später Spezialist.
#

Ich bin oft Frankfurter, weil ich aus dem Telekomnetz surfe. Aktuell scheine ich aber Darmstädter zu sein. Auf jeden Fall Hesse. Allerdings wohne ich nicht in Südtirol, sondern auf einer Nordseeinsel. Oh well?!?
Es ist kompliziert. Aber Nordseeinsel. Wollen wir mal tauschen?
Jetzt brauchst Du natürlich noch einen disziplinierten Sockenwasch-Workflow, damit sich nicht in absehbarer Zeit wieder abweichende dunkel- bis hellschwarz-Töne einschleichen und das Konvolut erhöhte Konzentration bei der Auswahl erfordert. Vielleicht mit zwei Chargen operieren: am Morgen von Tag 11 die Paare 1 – 10 waschen und nach dem Trockenvorgang in einer mit 1 – 10 beschrifteten Schublade verstauen. Wenn Socken 11 – 20 durchgetragen wurden und fällig für den Waschgang sind, wieder mit den Socken aus der Schublade 1 – 10 weitermachen. Sollte sich dann ein Loch an einer Socke einstellen und Du bist zu faul zum Stopfen, kannst Du jeweils mit einer Socke auch aus der jeweils anderen Schublade kombinieren, ohne Farbabweichungen zu riskieren!
Du traust mir offenbar sehr viel Struktur zu.
Der Mann arbeitet mit Sockenclipsen um die Paare beieinanderzuhalten. Das ist eine sehr sinnvolle Sache, auch um in Mehrpersonenhaushalten farbliche Sortierung zu einzelnen Menschen zu erreichen. Mir fehlt leider die Disziplin dafür.
Haha, same. Das 20er Sockenpack. Denke, mein Selbstbild ist nicht von großer Stabilität im herkömmlichen Sinn, weil mir das 20er Sockenpack ein solches Gefühl von Sicherheit, Wohlstand und blühenden Landschaften vermittelt. Das Leben ist auf einmal schön. Mag kommen, was mag, aber ich habe meine 40 Socken, die mir beistehen. Die Schuhgröße ist permanent eingestrickt, also wird mein Mann sie nicht vereinnamen. Meine Tochter darf das aber, die hat kleine Füße. Im Fall eines Krieges werde ich auf jeden Fall und zuallererst die Socken einpacken.
Kleine Trübung, die Socken sind, obwohl sie sich angenehm tragen, nicht von allererster Qualität. Das wird Löcher geben.
Aber Willkommen im Club der Sockenbündler, Bruder.