Derweil in Berlin: Matsch ist back. Die Jahreszeit des Matsch beginnt. Keine Ahnung, warum immer alle den Frühling so lieben. Frühlinge sind nie grün. Der Frühling kommt immer mit diesem unentschiedenen Wetter. Und Matsch. Immerhin regnete es und ich konnte Regenjacke und Gummistiefel wieder aus dem Schrank ziehen und mit der Hündin durch den Matsch stapfen. Sie liebt es. Und ich muss gestehen, wie wir da heute in Regen und Matsch durch die Landschaft stapften, das liebte ich auch.
Danach waren wir nass und dreckig. Der halbe Flur in der Wohnung ist mit den Hundehandtüchern ausgelegt. Es dauert ewig, ihre Pfoten einigermaßen trocken zu bekommen.
Der Sperrbildschirm auf meinem Telefon stellt meine Hündin dar, die in einer Pfütze steht und zu mir herüberschaut. Ich kann mich an den Tag erinnern, als ich das Foto aufnahm, wie ich dort im Regenmantel hinter ihr herstapfte. Es war ein warmer Sommerregen. Ich zückte mein Telefon und schoss ein paar Fotos von ihr. Als ich zu Hause ankam, schaute ich die Fotos an und dachte: Happy Place. Und dann nagelte ich das Foto auf dem Sperrbildschirm fest.
Apropos nageln. Am Wochenende montierte ich ein Verdunkelungsrollo und neue Vorhänge, samt Hängevorrichtung im Schlafzimmer meiner Frau. Außerdem hing ich drei schwere Bilder von Vögeln am Kopfende auf. Eines der Bilder ist ein Kunstdruck des japanischen Künstlers Ohara Koson und es stellt einen Reiher im Regen dar. Daneben ein Bild von Theodorus van Hoytema. Darauf sind zwei Reiher abgebildet. Auch diese beiden stehen im Regen. Oder zumindest sieht es so aus. Bei genauerem Hinsehen, könnten es auch Sterne sein. Auf dem dritten Bild fliegt ein ganzer Schwarm Reiher durch die Nacht. Der Künstler ist aber unbekannt.
Ihr Zimmer ist jetzt sehr schön geworden. Ich beneide sie ein wenig darum. In meinem Zimmer hängen nur drei Wale, die ich auch noch ein wenig lieblos platziert habe. Zudem habe ich keine ordentlichen Vorhänge. Ich habe nur ein Rollo, auf dessen Innenseite ich eine Bleistiftskizze angefangen habe, denn ich wollte den Eisfjord vor Longyearbyen auf Spitzbergen malen. Ich bilde mir ein, dass mich das Bild beruhigt. An den Eisfjord vor Longyearbyen denke ich nämlich gerne, wenn ich nicht einschlafen kann.
In Longyearbyen hatte es gestern noch –28 Grad. Aber nächste Woche geht da zum ersten Mal wieder die Sonne auf. Dann wird es wieder etwas milder.
Was ist sonst noch passiert? Heute war ich beim Haareschneiden. Es sieht so aus, als hätte ich eine neue Friseurin gefunden. An meinen letzten beiden Terminen geriet ich in die Hände von Männern, die keine Lust aufs Haareschneiden hatten und mir beide unabhängig voneinander einen seltsamen Pilzkopf zusammenschnitten. Heute fand ich einen Salon, in dem eine Frau Anfang 60 schneidet. Sie sieht aus, wie ich mir Ehefrauen von Bauunternehmern vorstelle. Lange blondierte Haare, lange Fingernägel, aber ohne den Marzahn-Trash, es ist eher Vorstadtbürgerlichkeit, die sie wiedergibt. Sie trug eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd, redete gerne über Urlaub, den sie mit ihrem Mann und der Familie ihrer Tochter in Griechenland verbringt. Wir fanden sofort eine Plauderebene miteinander und sie schnitt mir eine sehr angenehm unprätentiöse Frisur. Ich brauche einen unprätentiösen Haarschnitt, sonst sehe ich schnell zu prätentiös aus. Junge, kreative Frauen, die sich lieber Stylistinnen nennen, schneiden meist zu kreativ. Sie wollen nicht Haare schneiden, sie wollen Kreationen schaffen. Das ist durchaus legitim, ich will niemandem die kreative Selbsterfüllung im Job absprechen, aber bei Haaren ziehe ich schlichtweg solides Handwerk vor.
So. Es kommt mir gerade vor, als täte ich ranten. Das meinte ich gar nicht so. Ich bin nur begeistert von dieser Frau, die mir heute die Haare schnitt. Aber das habe ich nicht gut vermittelt. Ich werde einen zweiten Versuch unternehmen, wenn ich in zwei Monaten wieder bei ihr bin.
