[Fr, 12.6.2026 – Fernwandern]

Wir waren bei unseren Nachbarn, um Pizza zu essen und Bier zu trinken die Schwedenreise zu rekapitulieren. Wahrscheinlich habe ich noch nie erwähnt, dass die Nachbarin und ihr Sohn regelmäßig Fernwanderungen unternehmen. So wanderten sie beispielsweise letzten Herbst zwei Wochen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem sogenannten Kungsleden durch Lappland. Für diesen Herbst planen sie eine ebenso lange Wanderung auf Island. Wenn sie von diesen Unternehmungen erzählen, dann löst das etwas in mir aus, das ich noch nicht ganz ergründet habe. Trotz meines Gewichtes, bin ich körperlich durchaus aktiv und sehe mich auch als physisch agil und belastbar. Meine Grenzerfahrungen waren in meinem bisherigen Leben aber eher psychologischer Natur, teils zwar durchaus auch physisch, jedoch eher von der destruktiven Sorte.

Nun verbringen meine Frau und ich unsere Urlaubszeit vorwiegend in wilden Gefilden. Grönland, Spitzbergen, Skandinavien, Lappland, Island. Undsoweiter. Mein Interesse gilt dabei aber hauptsächlich den dort lebenden Zivilisationen. Diese Menschen am Ende der Welt. Natürlich interessieren mich an jenen Orten auch die Natur und die Landschaften. Ich bin aber ein Menschenfreund, mich interessiert es, wie die Menschen dort damit leben. Warum leben sie da, wie essen sie, wie gehen sie mit den Bedingungen um, woher beziehen sie ihr Geld, wie gehen sie mit Besucherinnen um, mit Alkohol, mit dem Tageslicht, mit der Dunkelheit, wie schauen sie auf die Welt? Dort am Ende der Welt. Auch wieder eine Grenze. Die Grenze der Zivilisation. Und vor allem diese Leere. Ich liebe schon die Leere, wenn man Berlin in nordöstlicher Richtung verlässt und man das Gefühl hat, es sei die endlose osteuropäische Steppe, die sich öffnet. Das stimmt natürlich so nicht. Zuerst kommt schließlich noch Schwedt.

Jedenfalls: Als Dolomitenkind verbrachte ich natürlich viel Zeit im Wald und auf Felsen. Und natürlich ging ich mit meinen Eltern oft „in die Berge“ und das liebte ich auch. In den Südtirolbesuchen der letzten Jahrzehnte reichte die Zeit nur für kurze, vielleicht zweistündige Wanderungen. Die einzige anstrengende Tour war vielleicht die nach Puez vor 18 Jahren.

Wanderungen und Naturabenteuer kenne ich vor allem von der Leinwand von meinen Streamingkanälen. Jedenfalls sagte ich gestern: Wenn ihr wieder mal plant, in Lappland zu wandern, dann lasst es mich wissen.

Danach schmiedeten wir nur noch Pläne.

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