[Di, 11.8.2026 – KI, Fetischclubs]

Gestern und heute sehr schwer mit künstlicher Intelligenz beschäftigt gewesen. Bis tief in die Nacht hinein und danach tat ich mich schwer, einzuschlafen. In der Firma bereite ich einen KI-Workshop vor und zuhause habe ich mir eine Agentin gebaut, die täglich die Fortschritte an der Romanarbeit überprüft und analysiert. Ja, sie ist weiblich. Sie trägt aber keinen Namen. Sie soll jede Nacht um drei Uhr die Änderungen am Text durchgehen, Inkonsistenzen von Figuren aufspüren, logische Fehler überprüfen, Handlungsstränge bzw. Fäden im Blick behalten und weitere, ähnliche Dinge, die mir im kreativen Prozess nicht auffallen, die sonst erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt auftauchen. Auch erstellt sie Statistiken zum Fortschritt, zur Anzahl der Wörter, Anzahl Korrekturen, Tage, Peaks, Rhythmus. Ich habe sie so eingestellt, dass sie keine Emotionen hat, lediglich Hinweise zu Fehlern gibt, allerdings keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler, dafür aber stilistische Inkonsequenzen. Die KI kann das wirklich gut.

Hauptsache, sie greift nicht in den Text ein. Und sie soll mich auch nicht zu irgendwas motivieren.

Trotzdem wird sie nicht das Lektorat ersetzen, aber manchmal überrascht sie mich dann doch mit seltsamen Details. Sie schrieb mir beiläufig, in einem Nebensatz: Köpenick liegt übrigens südöstlich, nicht südwestlich. Eigentlich traue ich ihr fast alles zu, aber dieses Detail hat mich dann seltsamerweise überrascht. Wobei eine geografische Verortung technisch ja Kinderwerk ist. Wie sie das beiläufig anmerkte.

Ich habe noch das Bedürfnis, einen KI-Disclaimer zu verfassen. Die Kaltmamsell garantiert ein KI-freies Blog. Es sträubt sich in mir, meine Texte als 100% von Menschen geschriebene Texte zu kennzeichnen, aber ich fürchte, dass sich der Standard gerade wandelt.

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Aus der Themenliste:
Erzähl mal was über Deine Erfahrungen in Fetischclubs (Zitat Wetterschwitzen-Eintrag: „Als ich das Büro betrat, fühlte ich mich, als käme ich aus einem Fetischclub“)

Ich musste gerade mal gucken, was Fetischclubs eigentlich genau sind, damit ich keinen Scheiß sage, wenn ich nämlich sage, dass ich aussähe, als käme ich aus dem Fetischclub, dann denke ich an Clubs wie das Kit Kat oder die Partys in der Wilden Renate, und damit meine ich eher ein Gefühl, einmal völlig durchgenudelt worden zu sein und man nicht mehr weiß, ob die Kleidung verrutscht ist bzw. noch in ganzen Stücken am Körper hängt. In diesem konkreten Fall sprach ich von meinem vom Regen durchnässten, weißen Hemd, das ich bei dem Wetter ohne Unterhemd trug. Das Hemd war sommerlich eher dünn, darunter sah man meine Bauchhaare und die Tätowierungen, das wirkte wirklich, als sei ich durchgenudelt worden. Aber Fetischclubs. Jetzt weiß ich nicht, ob meine Erfahrungen dahingehend zu mainstreamig sind, beim Kit Kat dreht es sich ja schon ums Ausgehen und Musik, dass nebenbei auch gevögelt wird und es so etwas wie einen Dresscode gibt, kann man auch wieder als normalen Samstagabend in Berlin betrachten. Ich weiß nicht genau, wo die Grenze gezogen wird. Das Berghain zählt nicht wirklich dazu, wenn man den Darkroom-Bereich einmal ausklammert. Habe ich gelesen. Aber dass ich in solche Clubs ging, ist nun schon fast zwanzig Jahre her.

Die Lokale, die ich früher in den Niederlanden besuchte, waren oft sexuell, aber auch keine klaren Fetischclubs. In der Novelle erzählte ich nebenbei vom besetzten Haus am Vismarkt. Dort hatten die Leute ständig Sex. Oben in den Wohnbereichen gab es keine Wände, sondern nur Stofftücher, die Zimmer simulierten. Unten in der Bar war es gesitteter, aber unter der Bar im Keller lief Techno, da hatten Menschen Sex. Man lief da aber auch nicht herum und hatte einfach Sex, das geschah bei mir tatsächlich nur mit meiner Freundin. Wenn man dort ist und jemand hat zwei Sofas weiter Sex, dann kam es eben vor, dass man selbst auch Sex hatte. Auf der Toilette aber.

Ich habe mich jedenfalls nie in Sex- oder Fetischszenen bewegt. Sex und Fetische waren eher oft ein Begleitumstand. Fürs Kit Kat und die Wilde Renate fühle ich mich mittlerweile zu alt. Ich finde es schon schade, dass ich das in jüngeren Jahren nicht so verfolgt habe. Es ging auch meist mit elektronischer Musik einher, die mir lange eher missfiel. Musikalisch bevorzugte ich bekleidete Menschen wie die Bad Seeds.

Vor einigen Jahren sprach ich mit einer Freundin darüber, dass wir mal zu einer Sex-positive-Party gehen sollten. Das finde ich ungemein spannend. Sexpositivismus. Ich kann mir vieles unter dem Begriff vorstellen. Ich sagte, ich würde eine Anzugsweste tragen und mir einen schwarzen, dicken Strich quer über das Gesicht ziehen. Und sonst nichts. Okay, untenrum würde ich mir auch etwas anziehen. Aber das war eher ein lustiger Gedanke. Ich glaube nicht, dass ich da noch hineinpassen würde. Zumindest nicht in der heterosexuellen Welt. Für Heteros kämen dann nur noch Swingerclubs infrage, aber die wirken so unästhetisch, dass ich sie schon aus Stilgründen nicht besuchen möchte.

In anderen Worten: Ich gehe nicht in Fetischclubs. Ich finde aber, ich hätte mich früher mehr damit beschäftigen sollen.

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